07.01.2020 - 17:03 Uhr
KemnathOberpfalz

„Verein muss sich neu erfinden“

Die Leitung des Kemnather Museums lag in Anton Heindls Hand – doch ohne Ehefrau Anita wäre vieles nicht möglich gewesen. Nun will das auch in der Flüchtlingsbetreuung aktive Ehepaar bei der Museumsarbeit kürzer treten.
von Bernhard PiegsaProfil

Das Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum steht vor einem Stabwechsel: Ab 2021 wird Sandra Doß die Programmplanung der stadt- und regionalgeschichtlichen Schatzkammer übernehmen.

Dies kündigte Museumsleiter Anton Heindl beim Jahresauftaktessen des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises (HAK) für die Mitarbeiter und Unterstützer des Museumsteams an. In den vergangenen zwei Jahren hatte die Mitterteicherin mit Ausstellungen über venezianische Karnevalsmasken und das schwedische Pop-Quartett Abba Aufmerksamkeit erregt. Sie wird auch heuer eine Sonderschau gestalten, die ab 7. Februar viele "Kini"-Nostalgiker in die Fronveste locken dürfte: Unter der Überschrift "Träumerei und Mythos" geht es um die Beziehung zwischen König Ludwig II. und Kaiserin Elisabeth ("Sisi") von Österreich.

"Bitte schenkt Sandra euer Vertrauen", bat Anton Heindl die Vereins- und Museumsverantwortlichen. Dass er selbst nach acht Jahren "Museumsleitung im Geiste der Gründerväter unseres Vereins" kürzer treten werde, habe mehrere Gründe.

Weg für neue Ideen freimachen

Grundsätzlich, so der Mitbegründer des Geschichts- und Kulturvereins, sei es an der Zeit, "dass sich der HAK neu erfindet", wozu man vor allem "Jüngere heranlassen" sollte: "Unser Kemnather Museum braucht frischen Wind und neue Ideen, und ich möchte den Weg dazu frei machen." Denn trotz "immenser Anstrengungen" sei die Zahl der Besucher rückläufig: "Ja, bei Veranstaltungen sind wir mehr als ausgebucht - aber bei Museumsbesuchen? Sind wir nur mehr eine Eventgesellschaft?"

Immerhin verbinde sich mit Festen oder Vorträgen die Intention, den Besuchern "unser Museum näherzubringen", doch das gelinge nur noch bedingt: "Es schmerzt und gibt zu denken, wenn nach einer Veranstaltung mit vielen neuen Gesichtern noch eine Museumsführung angeboten wird, an der dann kaum jemand teilnimmt." Eventuell könne das Museum modellprojekthaft zu einem Ausbildungsort für angehende Museumsfachkräfte werden. "Vielleicht kann unsere Kreismuseumsbeauftragte Barbara Habel entsprechende Kontakte, beispielsweise zur Universität Bayreuth, knüpfen helfen."

Er selbst trete mit der Gewissheit ins zweite Glied zurück, "gemeinsam mit vielen von euch unser Museum auf ein Niveau gehoben zu haben, das es zuvor nicht kannte". Heindls kurze Rückschau auf gut 50 Veranstaltungen in den vergangenen zehn Jahren illustrierte dies anschaulich. Außer einem facettenreichen Ausstellungs- und Vortragsprogramm mit Höhepunkten wie den Ausstellungen über das Franziskanerkloster, Kriegspropaganda oder Blankwaffen erwähnte er die Einrichtung der Musikautomatenausstellung "Musikeum", Sommernachts- und Museumsfeste, Luther-Zoigl, Drehorgelfestival und vieles mehr. Auch sei es ihm gelungen, befreundete Flüchtlinge in den Museums- und Festbetrieb einzubeziehen.

"Musikeum" weiter betreiben

Ein derartiges Arbeitspensum, das stetig gewachsen sei, "hinterlässt seine Spuren bei meiner Frau Anita, ohne deren Unterstützung und Rückhalt vieles nicht möglich gewesen wäre, und bei mir", gab Heindl zu bedenken. Ganz aus der Museums- und Vereinsarbeit zurückziehen wollten er und seine Familie sich aber nicht: "Der Betrieb des ,Musikeums' mit musikeumseigenen Öffnungen und Veranstaltungen bleibt, wenn auch der Vorstand es wünscht, nach wie vor in den Händen meiner Familie." Seinen zahlreichen Mitstreitern sagte Heindl in launigen Versen Dank.

Beim Dankeschönessen des HAK-Museumsarbeitskreises im Raum der Musikautomatenausstellung "Musikeum" kündigte Museumsleiter Anton Heindl (stehend) seinen allmählichen Rückzug aus der Museumsarbeit an.

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