25.06.2021 - 12:02 Uhr
KemnathOberpfalz

Unwetter trifft Speichersdorf und westlichen Landkreis Tirschenreuth mit voller Wucht

Vollgelaufene Keller, gesperrte Straßen, unzählige Einsatzkräfte: Binnen kürzester Zeit kamen am Donnerstagnachmittag enorme Niederschlagsmengen zusammen. Hunderte Feuerwehrleute waren in der Region stundenlang im Einsatz.

von Michael DenzProfil

Kurz nachdem gegen 13.50 Uhr die amtliche Unwetterwarnung ausgelöst wurde, gingen bei den Integrierten Leitstellen die ersten Notrufe ein, die sich später im Minutentakt summierten und die Einsatzkräfte stundenlang forderten. Wie es von der Feuerwehr Kirchenlaibach in einer Meldung heißt, wurde sie gegen 14.05 Uhr zum „Keller unter Wasser“ mit der Feuerwehr Windischenlaibach alarmiert. „Im Minutentakt kamen immer mehr Einsätze hinzu“, heißt es weiter. Alleine im Bereich der Gemeinde Speichersdorf zählten die Einsatzkräfte am Donnerstagnachmittag und -abend rund 80 unwetterbedingte Einsatzstellen.

Das bestätigt Christopher Hefner von der Integrierten Leitstelle Bayreuth/Kulmbach auf Nachfrage. "Das müssen mehr als 40 Liter pro Quadratmeter gewesen sein", schätzt er. Auch er spricht von etwa 80 Einsätzen, die geballt in der Großgemeinde Speichersdorf aufliefen. Der Leiter der ILS Bayreuth/Kulmbach weiß von einem in seinem Fahrzeug eingeschlossenen Autofahrer, der in einer Unterführung von den Wassermassen überrascht worden ist. Der Mann habe sich nicht getraut, die Autotüren zu öffnen, weil er Angst gehabt habe, dass das Wasser ins Fahrzeug läuft. Er war auf die Hilfe der Einsatzkräfte angewiesen. Ansonsten seien laut Hefner Keller vollgelaufen, teilweise auch Erdgeschosse.

„Das war eine ganze Menge an Wasser und Einsatzstellen und vor allem eine stattliche Summe an eingesetzten Einsatzkräften, Feuerwehren und Fahrzeugen“, sagt der Speichersdorfer Kommandant Volker Hammon das Unwetter- und Schadensereignis rückblickend. Beim Feuerwehrhaus in Speichersdorf wurde eine „Kommandozentrale“ eingerichtet. Hier wurden die eingehenden Notrufe gesammelt, verarbeitet und die Einsatzkräfte koordiniert. Der Speichersdorfer Kommandant wurde hier von seinen Führungskräften der Feuerwehren und der Kreisbrandinspektion unterstützt. „Zumeist handelte es sich um unter Wasser stehende Keller.“ Aber auch die Lagerhalle eines Industriebetriebs und eine Tiefgarage war betroffen. Zudem waren weitere Sturmschäden zu beseitigen.

Insgesamt waren im Gemeindebereich Speichersdorf 16 Feuerwehren zur Abarbeitung der Einsätze angerückt. Dies waren die Kräfte und Mittel der Feuerwehren Speichersdorf, Kirchenlaibach, Windischenlaibach, Zeulenreuth, Kirchenpingarten, Haidenaab-Göppmannsbühl, Kirmsees, Lienlas, Seybothenreuth, Creußen, Tressau, Warmensteinach, Weidenberg und Benk (alle Landkreis Bayreuth) sowie die Wehren Kemnath und Höflas bei Kemnath aus dem Landkreis Tirschenreuth.

Einsätze im Kemnather Land

Zum ersten unwetterbedingten Einsatz im westlichen Landkreis Tirschenreuth wurde die Immenreuther Feuerwehr gegen 14.30 Uhr alarmiert. „Rund vier Einsatzstellen wegen des Unwetters gab es im Bereich Immenreuth“, sagt Kreisbrandmeister Florian Braunreuther auf Nachfrage. Auch hier waren die Kräfte der Feuerwehren mit Pumpen, Wasserschiebern und -saugern im Einsatz.

Im Bereich der Gemeinde Kulmain waren die Kräfte der örtlichen Feuerwehren zu rund zehn unwetterbedingten Einsätzen ausgerückt. Bei sechs Einsätzen wurde die Kulmainer Wehr und bei drei Einsätzen die Wehren aus Oberwappenöst und Zinst tätig.

Zu einem unter Wasser stehenden Keller wurde gegen 14.35 Uhr die Feuerwehr Kemnath nach Berndorf alarmiert. Binnen fünf Minuten gingen zwei Meldungen über überflutete Straßen und einen umgestürzten Baum, der eine Straße versperrt, im Stadtgebiet ein. Da sich die Schäden und damit die Einsätze im Bereich der Stadt Kemnath am Donnerstagnachmittag mit fünf Einsatzstellen gering hielten, wurden die Kräfte der Kemnather Wehr unter anderem nach Immenreuth zur Unterstützung entsandt.

Zum überörtlichen Einsatzalarm wurde die Feuerwehr Kemnath schließlich gegen 15.15 Uhr nach Speichersdorf alarmiert. Im Bereich Speichersdorf wurden die Kemnather Kräfte bei fünf Einsatzstellen tätig. Lange waren die Kräfte der Feuerwehren damit beschäftigt, die Keller auszupumpen, Schlamm und Geröll zu beseitigen und nach den Einsätzen Fahrzeuge und Geräte wieder zu reinigen und zu warten.

Die knapp 30 Einsätze, die bei der Integrierten Leitstelle in Weiden aufliefen, konzentrierten sich auf den westlichen Landkreis Tirschenreuth, wie Robert Schmid bestätigt. Auf Nachfrage erzählt er von "verschmutzten Fahrbahnen, Wasser im Keller und Kanaldeckeln, die durch das Wasser hochgedrückt wurden". Im restlichen Bereich der ILS Nordoberpfalz sei es ruhig gewesen.

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Auch in Kulmain schlug das Unwetter zu

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„Das war eine ganze Menge an Wasser und Einsatzstellen und vor allem eine stattliche Summe an eingesetzten Einsatzkräften, Feuerwehren und Fahrzeugen.“

Der Speichersdorfer Kommandant Volker Hammon

 

 

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Tanja Härtl

In Fuchsmühl, Mitterteich und Tirschenreuth haben extrem große Hagelkörner große Schäden angerichtet, u.a. an Autos, Pergolas, Plexiglasabdeckungen, Schwimmbecken... Die Autofahrer und LKW-Fahrer hatten ihre liebe Not, die Fahrzeuge auf den Straßen zu halten, auf denen mehrere Zentimenter hoch der Hagel stand.

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