13.08.2020 - 09:42 Uhr
KemnathOberpfalz

Patrozinium trifft Primian

Die Kemnather Stadpfarrkirche begeht diesen Samstag ein Fest: das Patrozinium an Mariä Himmelfahrt. Das Gotteshaus hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

In einem Glasschrein unter der Altarmensa befindet sich die Reliquie des heiligen Primian, der auch als Stadtpatron von Kemnath verehrt wird.
von Josef ZaglmannProfil

Diesen Samstag, 15. August, dem Hochfest Mariä Himmelfahrt, feiert die Pfarrei Kemnath das Patrozinium ihrer Stadtpfarrkirche. Am Ostende des Stadtplatzes, wo sich jetzt die Pfarrkirche erhebt, gab es schon seit 1259 eine Marienkirche mit Gottesacker. In einer Urkunde von 1364 wird auch ein Priester zu Kemnath genannt. Der Pfarrsitz war also in der Zeit zwischen 1364 und 1387 von Oberndorf, dem ursprünglichen Pfarrort, nach Kemnath verlegt worden. In der Mitte des 15. Jahrhunderts begnügten sich die zu Wohlstand gekommenen Bürger nicht mehr mit dem alten, unscheinbaren Kirchlein. Sie erbauten eine neue, größere Kirche, die Mariä Himmelfahrt geweiht wurde. Der 58 Meter hohe Kirchturm überragt weithin sichtbar als Wahrzeichen die Stadt. Er diente Jahrhunderte lang auch als östlicher Stadtturm und bildet noch heute die Tordurchfahrt.

Das Innere der Kirche überrascht durch seine architektonisch ausgewogene Harmonie. Die weite, dreischiffige Halle ist maßvoll und klar mit ihren Kreuzrippengewölben, die aus Säulen und Wandpfeilern aufwachsen. In dem spätgotischen Raum bildet der warme, graubraune Ton des einheimischen Sandsteins einen reizvollen Kontrast zu den barocken Altären und Heiligenfiguren und spiegelt etwas wieder vom Charakter der oberpfälzischen Landschaft und ihrer Menschen.

Einheimische als Modelle

Der Baumeister der Stadtpfarrkirche ist zwar unbekannt, doch waren es sicher Kemnather Handwerker, die sie erbaut haben. Das Jahr der Erbauung nennt eine Inschrift außen über dem linken Eingangsportal: ANNO D MCCCCXLVII (Jahr des Herrn 1448). Somit feiert die Kirche heuer 578. Geburtstag. Malerisch gestaltet ist die gemauerte Westempore mit den steingehauenen Ornamenten. Hier findet sich über einem Rautenwappen die Jahreszahl 1506, sicher das Jahr der Bauvollendung.

Blick auf den Hochaltar (Marienaltar) in der Stadtpfarrkirche Kemnath.

Der barocke Hochaltar wurde 1644 eingebaut. Das Altargemälde stellt die Aufnahme Mariens in den Himmel dar. 1859 wurde es von den Kemnather Malern Johann und Anton Wild geschaffen. Einheimische Gesichter dienten als Modell für die Darstellung Marias und der Apostel.

Der Glasschrein unter der Altarmensa birgt die Reliquie des heiligen Primian. 1692 wurden die Gebeine dieses Märtyrers aus den Katakomben in Rom dem Pfarrer Christoph Arckhauer für die Pfarrei Kemnath übergeben und ein Jahr später in der Kirche zur Verehrung ausgesetzt. Der heilige Primian wird auch als Stadtpatron verehrt. Eine Säule mit dem Heiligen steht auf dem Primianusplatz bei der Sparkasse.

Verkauf von Kräutersträußen und -kränzen 2019

Kemnath

Die Stadtpfarrkirche Kemnath hat eine wechselvolle Geschichte. Die protestantischen Prediger, die 1547 die Lehre Luthers eingeführt hatten, wurden von den Calvinisten verdrängt, die die Kirche rücksichtslos all ihrer Ausstattung beraubten. In einer Eingabe bittet die Bevölkerung tief betrübt die weltlichen Behörden, wenigstens noch einen Altar, ein Kreuz und einen Taufstein in der Kirche zu belassen. Dazu kam der schreckliche Stadtbrand von 1572, der den Kirchturm zerstörte und die Kirche schwer beschädigte.

Kloster aufgelöst

Unter dem Bayernherzog Maximilian kehrte Kemnath 1626 wieder zum katholischen Glauben zurück. Jesuiten kamen und übernahmen die Seelsorge. Nach den Wirren der Reformation und der Not des Dreißigjährigen Krieges blühte das kirchliche Leben in Kemnath wieder auf. In der Zeit von 1650 bis 1700 wurde die Stadtpfarrkirche mit Altären und Statuen neu ausgestattet. In der Vorstadt wurde 1658 das Franziskanerkloster mit der Antoniuskirche gegründet. Der spanische Erbfolgekrieg (1701 bis 1714) brachte dem Kemnather Land zahlreiche Plünderungen und bittere Not. Die Kirche blieb vor Schäden bewahrt.

Sehr hart betroffen war die Pfarrei Kemnath von der Verstaatlichung kirchlichen Besitzes bei der Säkularisation von 1802 bis 1804. Das Franziskanerkloster wurde aufgelöst und zur Versteigerung ausgeschrieben. Heute befindet sich in diesem Gebäude die Klosterbrauerei.

Zur 550-Jahrfeier erhielt die Kemnather Stadtpfarrkirche eine neue Orgel. Sie wurde am 21. Juni 1998 vom damaligen Regensburger Weihbischof Wilhelm Schraml geweiht. Im Frühjahr dieses Jahres wurde sie von der Orgelbaumfirma Markus Bäumler in Rothenstadt generalsaniert.

Info:

Gottesdienste und Verkauf von Kräuterbuschen

Die Pfarrei Kemnath feiert an Mariä Himmelfahrt, Samstag, 15. August, das Patrozinium der Stadtpfarrkirche. Die Gläubigen sind zur Mitfeier am Vorabend, 14. August, um 19 Uhr, sowie an Mariä Himmelfahrt eingeladen.

Der Kammerchor Kemnath gestaltet die Festmesse um 8.30 Uhr mit der Ettaler Liebfrauenmesse. Um 10.30 Uhr folgt die Pfarrmesse. Zur Mitfeier der Gottesdienste benötigen die Gläubigen eine Teilnehmerkarte, die hinten in der Kirche aufliegt.

Der Katholische Frauenbund wird in und vor der Kirche Kräuterbuschen und -kränze für einen guten Zweck verkaufen. Den Festtag beschließt eine feierliche Rosenkranzandacht um 19 Uhr in der Stadtpfarrkirche mit Aussetzung des Allerheiligsten.

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