20.05.2020 - 11:56 Uhr
KemnathOberpfalz

Neue Baumarten im Zukunftswald

Heute schon an die Zukunft denken: Im Hinblick auf den Klimawandel wichtiger denn je. Im Kemnather Stadtwald wurden dazu erste Schritte unternommen.

Im städtischen Zukunftswald erklärten Forstdirektor Dirk Lüder (rechts) und Stadtförster Klaus Ferber (links) Roland Schäffler, Florian Frank und Werner Nickl (von links) die Anpflanzungen der alternativen Baumarten Baumhasel, Schwarzkiefer und Robinie.
von Josef ZaglmannProfil
Im städtischen Zukunftswald erklärten Stadtförster Klaus Ferber (rechts) und Forstdirektor Dirk Lüder (Dritter von rechts) Werner Nickl, Fabian Frank und Roman Schäffler (von links) die Anpflanzungen der alternativen Baumarten Baumhasel, Schwarzkiefer und Robinie.

"Welche Bäume wurden im Zukunftswald der Stadt Kemnath bereits gepflanzt?" war die Frage bei der Begehung im Herrenholz. Dazu begrüßte der neue Kemnather Bürgermeister Roman Schäffler Forstdirektor Dirk Lüder, Stadtförster Klaus Ferber, Stadtgärtner Florian Frank und seinen Amtsvorgänger Werner Nickl.

"Unser Wald wird im Zuge des Klimawandels verstärkt sich ändernden Umweltfaktoren ausgesetzt sein", erklärte Lüder. Die prognostizierten Klimaveränderungen stellten Ökosysteme vor große Herausforderungen - besonders den Wald. Der sandige Boden mit seiner schlechten Nährstoffversorgung und der tiefreichenden Versauerung sowie die Klimaerwärmung machten es für Fichten, Kiefern und Buchen immer schwieriger, hier alt zu werden.

Versuchsanbau

Künftig werde es etwa 50 Liter Niederschlag pro Jahr weniger geben. Die Jahresmitteltemperatur nehme um zwei Grad zu, es gebe häufigere und längere Trockenphasen. Die Wuchsbedingungen für die heimischen Baumarten würden dadurch viel schwieriger werden. Baumarten wie Esche, Linde, Ulme, Kirsche, Elsbeere und Speierling, die viele Nährstoffe brauchen, könnten zukünftig nicht mehr bestehen. Stiel- und Traubeneichen, Buchen, Hainbuchen und Birken würden hier auch in Zukunft wachsen können. Aber es wäre zu riskant, sich nur auf wenige Baumarten zu verlassen. Deswegen gibt es jetzt einen Versuchsanbau von alternativen Baumarten.

Im Herrenholz wurden bereits Maßnahmen eingeleitet, die aus dem Stadtwald einen Zukunftswald machen, der klimafit ist. "Wir wollen mit unserer Initiative zeigen, wie man die Wälder auf die sich stark ändernden Umweltbedingungen vorbereiten und stabiler aufbauen kann", erläuterte Lüder.

Dazu wurde ein Versuchsanbau mit alternativen Baumarten begonnen. Um das Risiko niedrig zu halten, werden zunächst kleine Flächen bepflanzt. Über Jahrzehnte hinweg wird ihr Wachsverhalten beobachtet. Dabei gibt es Antworten darauf, wie die neuen Baumarten mit Boden, Klima und Wetterextremen zurechtkommen. Das Ziel sind Mischwälder mit mehreren Baumarten. Diese sind bezüglich der Auswirkungen von Klimaveränderungen insgesamt stabiler als reine Fichten- oder Kiefernwälder.

Lüder und Ferber haben sich aber nicht nur mit der Theorie beschäftigt, sondern im März und April dieses Jahres im Stadtwald jeweils Gruppen mit 100 Stück folgender fünf Baumarten gepflanzt: Robinie (Baum des Jahres 2020), Roteiche, Baumhasel, Spitzahorn und Schwarzkiefer.

Auf gutem Weg

"Im Herbst werden noch zwei Gruppen mit Esskastanien und Libanonzeder gepflanzt", kündigte Lüder an. Dann werden zu dieser Pflanzaktion auch Schüler eingeladen. "Momentan ist das ja wegen der Corona-Pandemie nicht möglich", bedauerte Lüder. In der Nähe des Zukunftswaldes liegt der Schulwald. Dort haben Kemnather Schüler in den vergangenen Jahren Tannen, Buchen, Bergahorne, Eschen und Kirschen gepflanzt. Bei der Schulwaldpflege legten sie die Bäumchen immer wieder frei und entfernten wuchernde Sträucher.

"Die Forstabteilung Unteres Herrenholz ist das Versuchslabor des Stadtwaldes", erklärte Lüder. Hier stehen eine Inventur und eine Betriebsplanung an. Eine Forstsachverständige ermittelt heuer unter anderem, welche Mengen welcher Baumarten in welchen Altern vorhanden sind. Auf dieser Basis wird eine Planung für die nächsten 10 bis 20 Jahre erstellt: Wie viel Holz kann nachhaltig gefällt, welche Bestände müssen gepflegt, was muss wo gepflanzt werden? "Der Wald der Stadt Kemnath ist also insgesamt auf dem Weg, Zukunftswald zu werden", sagte Lüder.

Info:

Hintergrund

Die Bayerische Forstverwaltung hat eine Leitlinie für die Baumartenwahl im Klimawandel erstellt. Standortgemäße Baumarten sollen weiterhin das Rückgrat des Waldes bilden, weil sie an die heimische Fauna und Flora angepasst sind. Auf Standorten, wo die heimischen Baumarten in Zukunft nicht oder sehr risikobehaftet wachsen können, kommen alternative Baumarten infrage. Alternativ heißt, dass sie ihr natürliches Verbreitungsgebiet vor Beginn der Neuzeit (Entdeckung Amerikas) nicht in Deutschland hatten. „Schon heute können wir dafür sorgen, dass die Auswirkungen des Klimawandels abgemildert werden“, sagte Lüder: nämlich durch einen gepflegten Mischwald – bestehend aus den verschiedensten Baumarten. Anhand einer Forstwirtschaftskarte erläuterten Lüder und Ferber die bereits durchgeführten und die geplanten Anpflanzungen von alternativen Baumarten.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.