25.06.2021 - 09:54 Uhr
KemnathOberpfalz

Mehr Laubbäume für den Stadtwald Kemnath

Alle 20 Jahre ist eine Forstbetriebsplanung zu erneuern. Das gilt auch für den Kemnather Stadtwald. Der Entwurf der Neufassung enthält auch klare Handlungsempfehlungen hinsichtlich des Klimawandels.

Bei der Waldbegehung überzeugten sich Bürgermeister Roman Schäffler, Sachverständige Gisela Wenig, Katharina Hage, Johanna Wolf, Klaus Ferber, Forstdirektor Dirk Lüder, Rita Ponnath, Hermann Schraml, Martin Wittmann und Werner Nickl (von links) vom derzeitigen Baumbestand und besprachen die notwendigen Umstrukturierungsmaßnahmen.
von Josef ZaglmannProfil

Nach dem Bayerischen Waldgesetz dient ein Körperschaftswald vor allem dem allgemeinen Wohl. Er ist daher vorbildlich zu bewirtschaften. Die rechtliche Voraussetzung dafür ist unter anderem eine Forstbetriebsplanung. Diese und ein Forstbetriebsgutachten werden im Einvernehmen mit den Körperschaften von freiberuflich tätigen Sachverständigen im Auftrag der Unteren Forstbehörden erstellt. Das war im Bereich des Kemnather Stadtwaldes Gisela Wenig.

Sie hat im Sommer des Vorjahres den Entwurf eines Forstwirtschaftsplans und -betriebsgutachtens mit dem dazugehörigen Kartenmaterial erstellt. Um das Ergebnis ging es bei einer Abschlussbesprechung in der Dienststelle in Kemnath. Nach der fachlichen Prüfung durch die Untere Forstbehörde und der Stadt Kemnath wird sie den Auftrag zur Endfertigung erhalten.

"Eine wichtige Aufgabe der Forsteinrichtung ist die Sicherstellung einer nachhaltigen Waldentwicklung", erklärte Gisela Wenig. War der Wald früher reiner Naturlieferant (Holz, Einstreu für die Ställe, Waldweide), so dominieren heute die Nutz- und Wohlfahrtsfunktionen. "Der Körperschaftswald ist naturnah zu bewirtschaften", lautet eine Vorgabe des Bayerischen Waldgesetzes. Darüber hinaus ist die Stadt Kemnath an der Anrechnung naturschutzfachlicher Maßnahmen als Kompensationsmaßnahmen für Eingriffe in die Natur im Zuge der Stadtentwicklung stark interessiert.

Auch nichtheimische Arten

Der Klimawandel erfordert ein Umdenken. Heimische Waldbäume sind eher an ein kühlfeuchtes Klima angepasst. Das gilt besonders für die Fichte. Der gegenwärtige Fichten-Anteil von 66 Prozent im Kemnather Stadtwald birgt deshalb ein beträchtliches Risiko. Mischwälder mit verschiedenen Laubhölzern haben im Allgemeinen eine günstigere Prognose. Gegen die Klimafolgeschäden sollen wärme-trockentolerantere Baumarten wie beispielsweise die Eiche und örtlich nicht heimische Baumarten wie Esskastanie, Robinie und Roteiche gepflanzt und baumartenreiche Mischbestände angelegt werden. "Der weitere Waldumbau zu laubholzreichen Mischbeständen muss weitergeführt werden", betonte Forstdirektor Dirk Lüder.

"Im Stadtwald ist der Laubholzanteil im Zeitraum zwischen 1999 und 2021 von sechs Prozent auf 19 Prozent gestiegen", gab Gisela Wenig bekannt. Diese Entwicklung müsse weitergeführt werden. "Weg von der Hauptbaumart Fichte", lautet die Devise. Der Stadtwald steht also erst am Anfang einer Entwicklung zu einer Mischbestockung. Die Altersklassenverteilung wird von der "kurzumtriebigen" und sich im vergangenen Zeitabschnitt im Übermaß verjüngenden Fichte geprägt. Über 100-jährige Bestände sind nur gering vertreten. Die Pflanzungen sollen intensiviert werden, um zukünftige Mischanteile sicherzustellen.

Der Borkenkäferbefall ist latent vorhanden, Schälschäden durch Rotwild sind örtlich sehr stark. Vor allem in den Hochlagen gibt es Schneebruchschäden und Sturmwurf (Einzelabfall). Anwuchsschwierigkeiten von Laubholz-Vorbauten - besonders bei Buche - auf schlechten Standorten wurden möglicherweise durch Oberbodenversauerung aus früherer Streunutzung/Nadelholzreinanbau und Trockenjahre verschärft. Bei Wuchsstockungen werden Nachbesserungen und Startdüngung vorgeschlagen.

Zuwachs und Vorratsaufbau

Der Holzvorrat und -zuwachs sind wegen des hohen Anteils zunächst vorrats- und zuwachsschwacher Jungbestände gesunken. In Zukunft sind ein sehr deutlicher Mehrzuwachs und Vorratsaufbau zu erwarten, wenn die Jungbestände in die zuwachskräftige Phase kommen. Im Stiftungswald ist gegenüber dem Stadtwald die Notwendigkeit des Waldumbaus noch etwas verschärft. 92 Prozent des Hiebsatzes fallen hier bei der Endnutzung an.

"Insgesamt sind wir beim Waldumbau im Stadtwald auf einem guten Weg", versicherten Forstdirektor Dirk Lüder und Stadtförster Klaus Ferber. Für beide war die folgende Waldbegehung die letzte. Im Zuge der Umstrukturierung wechselt Lüder in Kürze an das AELF in Bayreuth und Ferber geht in die Freistellungsphase.

Bei der Waldbegehung war das obere Herrenholz beim Lindenhof das erste Ziel. "Auf einer Fläche von 4,5 Hektar sehen Sie hier ein Beispiel für einen gelungenen Waldumbau, nämlich einen mischwaldreichen Bestand", erklärte Gisela Wenig. "Früher standen die Fichten im Vordergrund, jetzt sind es die Eichen." Beim Bestand "Berghut" nahe bei Guttenberg (neun Hektar) wurde der frühere Kiefer-Fichtenbestand in einen lichten Buchenbestand umgewandelt. Die Altbäume haben wegen vieler Spechthöhlen eine große ökologische Bedeutung.

Am Waldecker Schloßberg "wächst ein standortgerechter Laub-Mischwald heran, in dem die Buche die vorherrschende Baumart sein wird", sagte die Forstsachverständige.

Rund um die Burgruine wurde ein Mittelwald angelegt, der die Sicht auf das imposante Bauwerk nicht behindert und den Zielen des Natura-2000-Gebietes gerecht wird. Der Schulwald im unteren Herrenholz beim Luderweiher wurde 2015 bei der Aktion "Plant for the Planet angelegt. Hier war ein großer Verjüngungsgestand mit Buchen (30,4 Hektar) zu sehen (Mischverjüngung).

Nicht weit davon entfernt ist der Zukunftswald (0,5 Hektar). Dort wurden Maßnahmen eingeleitet, die den Stadtwald für das künftige Klima fit machen. "Mit dem Pflanzen der fünf alternativen Baumarten Robinie, Roteiche, Baumhasel, Spitzahorn und Schwarzkiefer soll gezeigt werden, wie man die Wälder auf die sich stark ändernden Umweltbedingungen vorbereiten und stabiler aufbauen kann", erläuterte der Stadtförster.

An den verschiedenen Standorten entfaltete Johanna Wolf die Forstbetriebskarte vom Kemnather Stadtwald. Damit erklärten Forstdirektor Lüder und der Stadtförster den momentanen Baumbestand und wie dieser weiter verändert werden muss, um die Forstbetriebsplanung in der Praxis umzusetzen. "Das Hauptziel sind Mischwälder mit mehreren Baumarten", betonte Gisela Wenig. Diese sind bezüglich der Auswirkungen von Klimaveränderungen insgesamt stabiler als reine Fichten- oder Kiefernwälder.

Im Stadtwald wächst ein Zukunftswald heran

Kemnath
Hintergrund:

Kiefern-Anteil verringern

Bereits bei der Forsteinrichtung 1999 wurden auf großer Fläche Fichten-Bestände vorzeitig wegen Auflösung und Schäden zur Verjüngung vorgesehen.

  • Bei den Nadelhölzern wird folgende Zieltendenz angestrebt: Fichte (Anteil 2021: 66 Prozent): weitere Absenkung, Kiefer (9 Prozent): Anteile erhalten, Lärche (6 Prozent): Anteile leicht ausbauen, Tanne (weniger als 1 Prozent): Anteile ausbauen, Douglasie (weniger als 1 Prozent): Anteile ausbauen.
  • Für die Laubhölzer gilt: Buche (Anteil 2021: 8 Prozent): Anteile deutlich ausbauen, Eiche (2 Prozent): Anteile ausbauen, Bergahorn (1 Prozent): Anteile leicht ausbauen), Bike, Vogelbeere (8 Prozent): An teile mindestens halten, Roteiche (unter 1 Prozent): Anteile leicht ausbauen.
Praktikantin Johanna Wolf beim Kluppen (Messen des Durchmessers) einer Fichte. Das sind Messarbeiten, die der Inventur des Holzvorrates dienen.

"Das Hauptziel sind Mischwälder mit mehreren Baumarten."

Gisela Wenig

 

 

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