20.11.2020 - 14:32 Uhr
KemnathOberpfalz

Kostenschock beim Realschulbau in Kemnath

Der Neubau der Realschule Kemnath ist das teuerste Projekt, das der Landkreis jemals in Angriff genommen hat. Doch bei 35 Millionen Euro bleibt es nicht. Die Rede ist jetzt von über 60 Millionen Euro.

Zum Neubau der Realschule gehört auch ein neuer Sportplatz. Dieser soll auf einer Fläche entstehen die als "Bodendenkmal" gekennzeichnet ist. Unter ihr befinden sich Überreste von "Altenkemnath".
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Diesen Schock verdauten die Kreisräte bislang nicht öffentlich. Statt 35 Millionen Euro soll die Realschule fast das Doppelte kosten. Auch in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses wurde das Thema hinter verschlossenen Türen diskutiert. Den Antrag auf öffentliche Debatte lehnten CSU und Liste Zukunft am Montag mit 7:4 ab. Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien wurden nun Einzelheiten bekannt, die zur Kostenexplosion beim Neubau von Realschule und Dreifachturnhalle führen. Der Landrat versicherte, dass der Landkreis trotz dieses Mammutprojektes finanziell handlungsfähig bleibe.

Sporthalle wird teurer

Pressesprecher Walter Brucker führte aus, dass die förderfähigen Kosten nach ersten Planungen im Jahr 2017/18 bei rund 35 Millionen Euro lagen. Allein diese förderfähigen Kosten hätten sich schon auf rund 41,5 Millionen Euro erhöht. Nach Beauftragung eines Architektenteams im Juni 2020 sei schnell deutlich geworden, dass für eine zeitgemäße Schule mit entsprechender technischer Ausstattung, ökologischen Ansprüchen und adäquater Belüftung – gerade in Zeiten von Corona – ein deutlich höherer Kostenrahmen zu veranschlagen sei. Ein großer Teil der Ausstattung sei erneuerungsbedürftig. "Hinzu kommen Themen wie Versorgungsküche für die zukünftige Ausrichtung im Ganztagsbereich, Bühnentechnik oder auch eine Dreifachturnhalle." Allein die Sporthalle bringe eine Kostensteigerung von rund 3 Millionen Euro. Auch die Verbesserung des Baugrundes mit entsprechender Entwässerung führten zu Mehrausgaben.

"Alle Seiten sehr überrascht"

„Es muss uns bewusst sein, dass eine Schule mit entsprechender Ausstattung sozusagen auf der grünen Wiese mit nur rein förderfähigen Kosten zu bauen, schlichtweg nicht möglich ist", betonte Landrat Roland Grillmeier in der Stellungnahme. Das sei ein Trugschluss des bisherigen Planungsprozesses und der Kommunikation gewesen. Trotz der jetzt deutlich höheren Kosten bezeichnete der Landrat das Projekt als Idealfall, weil die Stadt Kemnath im bereits vorhandenen Schulumfeld ein passendes Grundstück zur Verfügung stellen konnte.

Schnell und effektiv habe das Planungsgremium nach der Beauftragung im Juni die verschiedenen Bereiche ausgearbeitet. Beim "Jour fixe" Ende September habe sich herausgestellt, dass sich die Kosten auf deutlich über 60 Millionen Euro entwickeln. „Über diese enorme Steigerung waren alle Seiten doch sehr überrascht“, wird der Landrat zitiert. Er habe deshalb am 9. Oktober die Fraktionsvorsitzenden informiert und sie mit Vertretern der Stadt Kemnath zu einer wichtigen Planerrunde für den 14. Oktober eingeladen, sieht Grillmeier die Beteiligten frühzeitig informiert.

Einigkeit bestand darin, trotz der Kostensteigerung am zeitlichen Fahrplan festzuhalten. "Es gibt wegen der Bedeutung und der Größe der Schule und vor allem wegen der aktuellen beengten Raumverhältnisse keine Alternative. Nun gilt es Einsparungen zu finden. Auch die Stadt Kemnath zeigte Bereitschaft, sich an den Umfeldkosten stärker zu beteiligen", heißt es aus dem Landratsamt.

Sondersitzung des Kreistags

Das beauftragte Projektsteuerungsbüro BPM Hartl aus Pfarrkirchen habe bis zur Kreisausschusssitzung am 16. November Einsparungsvorschläge im Millionenbereich erarbeitet. Bei Beauftragung der Architekten im Juni sei noch nicht festgestanden, wie sich die Planungsgrundlagen auf die Kosten auswirken würden, erklärten die Projektsteuerer. Erst Mitte September sei eine belastbare Kostenermittlung möglich gewesen. Die Summe sei zwar erheblich höher als geplant, doch falle sie im Vergleich mit vielen anderen Schulbauprojekten in Bayern nicht aus dem Rahmen. Baukosten, technische und fachliche Ansprüche an neue Schulen hätten sich zwar erheblich verändert, seien aber nur zum Teil förderfähig.

"Die Kreistagssitzung am 11. Dezember wird zur Sondersitzung des Kreistages. Hier wird dieses Schulbauprojekt öffentlich behandelt", teilte Pressesprecher Brucker mit. Mit den Sparvorschlägen würden sich nun zunächst die Fraktionen befassen. "Einigen Gesprächsbedarf" habe es im Kreisausschuss zur Planerauswahl und zur Planungsentwicklung gegeben. "In Frage stellen will das Projekt jedoch keine Fraktion", so der Eindruck des Landrates.

Antrag noch im November

Man sei sich bewusst geworden, dass mit 40 Millionen Euro keine moderne Realschule mit Umfeld in dieser Größenordnung geschaffen werden könne. Der Landkreis könne weiter mit einem hohen Förderanteil von rund 70 Prozent der förderfähigen Kosten rechnen. Deswegen soll noch im November ein entsprechender Antrag gestellt werden.

"Sparen will und muss man, aber möglichst nicht an der erforderlichen Technik und an der Schulausstattung", betonte Landrat Grillmeier. „Wir verwirklichen hier ein Schulbauprojekt, das Jahrzehnte den Bildungsstandort Tirschenreuth und die Region prägen wird. Wir sind nicht der einzige Landkreis, der ein derartiges Mammutprojekt zu bewältigen hat. Trotz dieser Aufgabe werden wir weiter finanziell handlungsfähig bleiben.“

Im Juni 2020 präsentierte der Architekt dem Kreistag die Pläne

Kemnath
Die neue Realschule samt Dreifachturnhalle soll auf dieser Fläche entstehen. Das Bodendenkmal befindet sich nach der Badstraße, oberhalb des Freisportgeländes.
Das eingetragene Bodendenkmal war bereits beim Architektenwettbewerb bekannt. Um die Überreste von "Altenkemnath" nicht zu beschädigen, wird auf dieser Fläche nicht gegraben, sondern das Gelände aufgefüllt.
Hintergrund:

Kaum Mehrkosten durch Bodendenkmal

Die mittelalterliche Wüstung "Altenkemnath" nordöstlich der Berndorfer Straße ist ein eingetragenes Bodendenkmal. Auf Fundamentreste der Vorläufersiedlung der Stadt Kemnath im Nordwesten des heutigen Ortes stieß man 1980 beim Straßenbau, wie auch der Denkmalatlas Bayern dokumentiert. Hat das Bodendenkmal Anteil an der enormen Kostensteigerung beim Neubau von Realschule und Dreifachsporthalle in Kemnath? Nur sehr gering, wie aus einer Stellungnahme des Landratsamtes hervorgeht:

  • "Der zentrale Bereich des Denkmals befindet sich zwischen Badstraße (Bereich Abzweigung Berndorfer Straße bis Flötzbach), Berndorfer Straße, Staatsstraße 2665 und Flötzbach außerhalb des Baufeldes des Schulgebäudes. Das Baugrundstück der neuen Realschule (südlich der Badstraße) ist gemäß Darstellung im Denkmalatlas nur geringfügig im nordwestlichen Bereich betroffen."
  • Das eingetragene Bodendenkmal sei schon bei der Vorbereitung des Architektenwettbewerbs bekannt gewesen, betont Pressesprecher Walter Brucker. Schon damals sei das Landesamt für Denkmalpflege beratend hinzugezogen worden mit der Auskunft, dass Denkmalfunde auf dem Bereich des Baugrundstücks Schulgebäude sehr unwahrscheinlich seien.
  • Eine höhere Wahrscheinlichkeit gebe es nordwestlich der Badstraße im Bereich des neuen Sportplatzes der Realschule. Auf diesem Gebiet werde deshalb nicht gegraben, sondern das Sportplatzgelände zum Schutz des möglichen Denkmals aufgefüllt.
  • Die Baukosten des Schulneubaus würden durch das Bodendenkmal nur durch den Mehraufwand der Geländeauffüllung beeinflusst. Dieser Aufwand halte sich jedoch in Grenzen.
  • Das Bodendenkmal werde im Gesamtbudget auch in der Risikobetrachtung berücksichtigt, wie bereits in Sitzungen des Kreisausschusses und Schulausschusses dargestellt worden sei. Weitere Risiken seien mögliches Hochwasser in der Bauphase (Überschwemmungsgebiet) oder ein gestörter Bauablauf (Firmeninsolvenzen, Lieferschwierigkeiten). "Diese vorsorglich im Budget eingeplanten Risiken können eintreten, müssen aber nicht", schreibt das Landratsamt.

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