05.03.2021 - 15:13 Uhr
KemnathOberpfalz

In Kemnath deutliches Signal an Arbeitgeber

Die „Metaller“ legten am Freitag auch bei Siemens Kemnath die Arbeit nieder. Wegen Corona unterschied sich die Aktion von den bisherigen.

Coronabedingt wurde auf eine Kundgebung bei Siemens in Kemnath verzichtet, die Forderungen der IG Metall kamen aber bei den Beschäftigten trotzdem an.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Früh um 4.30 Uhr standen die ersten IG-Metall-Vertrauensleute vor den Werkstoren des Siemens-Standortes Kemnath, um ihre Kollegen zum Warnstreik aufzurufen: Die Beschäftigten aller Schichten sollten früher ins Wochenende starten, auch diejenigen, die im Homeoffice arbeiten.

Ganz klassisch wurden die Warnstreikaufrufe verteilt - natürlich mit Maske und Abstand anlässlich der Corona-Lage. "Wir machen das wie immer, nur anders", fasst Harald Tretter, Betriebsratsvorsitzender und Vertrauensmann zusammen. "Wie immer" war, dass alle Schichten aufgerufen wurden und dass man die Anwesenden mit der Verteilung von Flugblättern informierte. Auch die Bereitschaft, sich am Warnstreik zu beteiligen, war unter den Kollegen so hoch wie üblich. "Vielleicht sogar ein bisschen höher, denn dass die Arbeitgeber überhaupt nichts bieten, stößt in der Belegschaft auf Unverständnis", meint Tretter.

Die Auftragslage sei sehr gut, ebenso wie die Betriebsergebnisse. "Wir wollen unseren fairen Anteil. Schließlich haben wir unter erschwerten Bedingungen - Maskenpflicht, veränderte Schichtsysteme, Homeoffice, Homeschooling - zu diesem Ergebnis beigetragen. Dass die Arbeitgeber nicht nur eine weitere Nullrunde verlangen, sondern auch noch an unser Weihnachts- und Urlaubsgeld wollen, geht gar nicht", betont Andreas Schiedlofsky von der Vertrauenskörperleitung.

Man fordere eine Erhöhung der Entgelte um vier Prozent. Betrieben, denen es schlecht gehe, könnten die Erhöhung auch für einen Teilentgeltausgleich bei Arbeitszeitreduzierung nutzen. "Damit sichern wir gleichzeitig Beschäftigung und stärken die Kaufkraft. Das kommt dann den anderen Branchen wieder zugute, dem Einzelhandel oder der Gastronomie beispielsweise, wenn diese wieder öffnen dürfen. Außerdem brauchen unsere jungen Menschen Perspektiven. Wir fordern daher die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden und dual Studierenden", konkretisiert Vertrauenskörperleiter Marco Bauer die Forderungen.

"Anders als sonst" war, dass es keine Kundgebung vor dem Werkstor gab. Bei der Frühschlussaktion gingen alle einfach früher ins Wochenende. Das sei in Ordnung so, schließlich gehe es ja hauptsächlich darum, dass Arbeitsstunden ausfallen, sagt Gewerkschaftssekretärin Antonia Enßner. "Meistens verstehen die Arbeitgeber unsere Forderungen erst, wenn es weh tut."

Siemens-Beschäftigte sind sauer

Kemnath

Die Kundgebung wurde schlicht ins Internet verlagert. Per Youtube-Video konnten sich dort die Warnstreikenden über den Stand der Verhandlungen in der Tarifrunde informieren und hören, was in den anderen Betrieben los war. Um 11.30 Uhr verließen die Beschäftigten der Früh- und der Normalschicht das Werk. "Wenn den Arbeitgebern dieses deutliche Signal nicht ausreicht, sind wir vorbereitet. Wir können bei weiteren Warnstreiks noch nachlegen. Uns fallen da noch viele Möglichkeiten ein, wie wir unter Einhaltung der Hygienevorschriften die Kollegen stärker mit einbinden können", so Tretter.

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