22.09.2020 - 14:13 Uhr
KemnathOberpfalz

Firma Ponnath Pionier beim Thema Tierschutz

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Qualität und Tierschutz - und damit wirtschaftlichen Erfolg haben: Diese Richtung hat das Kemnather Unternehmen Ponnath mit seinem neuen Sortiment "Ponnath 1692" und dem "Traditionshof"-Programm eingeschlagen.

Landwirt Tobias Reichert und Firmenchef Michael Ponnath (von links) haben keine Berührungsängste mit den Schweinen.
von Holger Stiegler (STG)Profil

"Das ist der Beginn eines Weges und in gewisser Weise Pionierarbeit. Vom Big Business sind wir noch weit entfernt", erzählt Firmenchef Michael Ponnath. Ortstermin in Gerolfingen, einem knapp 1000-Seelen-Dorf im mittelfränkischen Landkreis Ansbach: Der Altmühlsee ist mit dem Auto eine Viertelstunde entfernt, zum Firmensitz von „Ponnath Die Meistermetzger GmbH“ nach Kemnath sind es knapp 200 Kilometer. Das Landwirte-Ehepaar Tobias Reichert und Helen Bowe bewirtschaftet dort einen Hof mit gut 800 Schweinen, es ist der erste und bisher einzige in Ponnaths "Traditionshof"-Programm.

"Hier kooperieren wir mit dem Deutschen Tierschutzbund", berichtet Ponnath. Hof und Produkte des "Ponnath 1692"-Tierschutz-Sortiments sind mit dem "Für mehr Tierschutz"-Label in der Premiumstufe zertifiziert. Die Ställe des Partner-Landwirts sowie die ganze Wertschöpfungskette, die hinter den Produkten steht, wurden entsprechend den Kriterien des Tierschutzbund-Labels sowie des Traditionshof-Programms umgestaltet.

Doppelt so viel Platz

Für den Außenstehenden ist es freilich schwer einzuschätzen, was ein "glückliches Schwein" ausmacht. Die Rahmenbedingungen vor Ort - und auch der fehlende typische "Schweinestall-Duft" - sind allerdings offensichtlich dazu angetan, dass es den Tieren gut geht und die bekannten Bilder von der Massenschweinehaltung in viel zu kleinen und viel zu schmutzigen Ställen vergessen machen: Jedes Schwein hat garantiert eineinhalb Quadratmeter Platz im Stall - das ist doppelt so viel wie in der konventionellen Haltung, im Liegebereich gibt es keine Spalten am Boden. Dieser ist stattdessen plangefestigt und mit organischem Material - also Langstroh - eingestreut. "Da der Stall mit Stroh als Beschäftigungsmaterial ausgelegt ist, sind die Tiere auch beschäftigt", erklärt Landwirt Reichert.

Futter ohne Gentechnik

Ein Kupieren der Schwänze ist verboten, auf die prophylaktische Gabe von Antibiotika wird verzichtet, stattdessen gibt es ein umfassendes Gesundheits-Monitoring. Auch das Futter ohne gentechnisch veränderte Organismen (GVO) kommt - mit Ausnahme des GVO-freien Sojas - von den Feldern, die zum Hof gehören. Das sind nur einige Kriterien des Programms, die weit über die Regeln der konventionellen Schweinehaltung hinausgehen. "Der Stall ist durch den Auslauf ins Freie permanent belüftet, deswegen riecht es auch kaum", erklärt Reichert. Drei bis vier Monate verbringen die Tiere in dem weitläufigen Stallbereich, in dem sie frei herumlaufen und toben können, dann haben sie ihr Schlachtgewicht von 95 bis 100 Kilogramm erreicht.

"Tierschutz und Tierwohl enden aber nicht im Stall", betont Michael Ponnath. Eine Kooperationsvereinbarung gibt es deswegen auch mit dem Schlachthof Bamberg, um beispielsweise eine sichere und tiefe Betäubung sicherzustellen. Auch das bekannte Futter vom Hof wird mit den Schweinen zum Schlachthof transportiert - das hilft dabei, den Stress zu mindern.

Projekt ausbauen

In Deutschland wird seit einigen Monaten wieder viel diskutiert über Fleischqualität, Fleischkonsum, Tierwohl und Tierschutz. Aber Michael Ponnath ist hier nicht einfach nur "aufgesprungen", sondern beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit dem Thema. "So ein Programm lässt sich nicht von jetzt auf gleich aus dem Boden stampfen." Der Anfang sei gemacht, nun gelte es, das Angebot Schritt für Schritt auszubauen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass das der richtige Weg und die richtige Philosophie für unsere
Branche sind.

Michael Ponnath

Die Gespräche mit möglichen weiteren Höfen laufen, ebenso die Vermarktung der derzeit sechs "Ponnath 1692"-Produkte - Bierschinken, Leberkäse, Wiener Würstchen, Kochhinterschinken, Lyoner und Leberwurst. "Hinter dem neuen Konzept und den Produkten stehen die gesamte Familie Ponnath und ich mit unserem Namen", macht der Firmenchef deutlich. Und das ist eine ziemliche "Hausnummer", denn das Unternehmen kann nicht nur auf eine über 325-jährige Geschichte bis ins Jahr 1692 zurückblicken, sondern gilt auch als der älteste Betrieb im Metzgerhandwerk in Deutschland. Michael Ponnath führt das Unternehmen mit einer Jahresproduktion von etwa 52 000 Tonnen nun in zwölfter Generation.

Landwirte als Partner

Wertschöpfung, Nachhaltigkeit - und eben auch Tierschutz: Das sind die Prinzipien, die Michael Ponnath mit dem neuen Kurs verfolgt: "Ich bin fest davon überzeugt, dass das der richtige Weg und die richtige Philosophie für unsere Branche sind!" Auch gehe es ihm darum, die Landwirte als Partner zu sehen und zu begreifen.

Auch in einem anderen Bereich geht die Firma Ponnath neue Wege

Kemnath

Die Schweine, die auf dem mittelfränkischen Hof geboren, aufgezogen und gemästet werden, werden nach der Schlachtung allesamt in Kemnath weiterverarbeitet. "Wenn das Programm wächst, ist die Produktion auch an anderen Standorten möglich", sagt Ponnath. Letztlich liege es jetzt aber am Kunden, wie erfolgreich dieser Ansatz werde und ob er sich ausbauen lasse.

Hintergrund:

Fünf Jahre Planungssicherheit

Das mittelfränkische Landwirte-Ehepaar Tobias Reichert und Helen Bowe praktiziert die Strohhaltung der Schweine schon geraume Zeit und steht ideell absolut hinter dem Programm. Investiert wurde in der Vergangenheit eine sechsstellige Summe in den Hof, um ihn „Ponnath-konform“ umzubauen. „Wir können jetzt besser für die Zukunft planen“, sagt Reichert. Das hat mit zwei Garantien zu tun, zu denen sich der Kemnather Unternehmer Michael Ponnath ihnen gegenüber verpflichtet hat – nämlich die Abnahmemenge sowie auch einen garantierten Abnahmepreis für mindestens fünf Jahre.

Viel Frischluft und viel Platz haben die gut 800 Schweine in ihrem Stall.
Auch nach außen hin wird sichtbar gemacht, dass es sich um einen besonderen landwirtschaftlichen Betrieb handelt.
Was ein Schwein zum "Glücklichsein" braucht, weiß wohl niemand genau: Die Rahmenbedingungen des Ponnath-Programms gehen optisch auf alle Fälle in die richtige Richtung.
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