26.10.2020 - 14:36 Uhr
KemnathOberpfalz

Exklusive "Schlossführungen" im Kemnather Museum

Mehrere Führungen hatte der OGV Kemnath für seine Mitglieder im Kemnather Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum gebucht. Denn es stand das Wolframshofer Schloss auf dem Programm.

Mit großem Interesse verfolgten die Besucher im Kemnather Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum die Ausführungen von Hans Rösch (links) zur Geschichte des Schlosses Wolframshof. Einige von ihnen konnten viele Kindheitserinnerung mit einfließen lassen.
von C. & W. RupprechtProfil

Mehrere Führungen hatte der Obst- und Gartenbauverein Kemnath für seine Mitglieder im Kemnather Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum gebucht. Auf dem Programm stand das Wolframshofer Schloss.

Die Sonderausstellung "Schlossleben - Herrschaft und Gut Wolframshof in frühen Fotografien" bekamen die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins in Kleingruppen - entsprechend der Coronabestimmungen - präsentiert. Hans Rösch führte die Besucher in einen Raum mit vielen Fotografien aus dem Privatbesitz der ehemaligen Besitzerfamilien.

1054 erstmals erwähnt

Erstmals urkundlich erwähnt wurde "villa Wolframmesdorf" 1054 in einer Urkunde von Kaiser Heinrich III. Die ersten bekannten Besitzer waren die Zirkendorfer. Es folgten das Geschlecht der Potzlinger zu Ernstfeld, die Brucker und die Gotzfelder. Durch Erbe und Kauf fiel es an die Familie Ochs. Die Schwiegersöhne Sparnberger, Redwitzer und Steinhauser sowie Jörg Ochs teilten den Besitz dann unter sich auf.

Ab 1617 werden die Löschwitzer als Besitzer genannt, ab 1728 derer von Lindenfels. Als letzter Vertreter dieser Linie stirbt Max Wolfgang von Lindenfels 1982. Direkt auf Wolframshof wurde 1745 Maria Sophia Reichsfreiin von Lindenfels geboren, Mutter der Pianistin und Sängerin Therese von Zandt.

Ausgestellt waren das ursprüngliche Schloss, das noch einen typischen Turm mit Zinnen zeigte. Der nachfolgende zweigeschossige Bau hatte ein extrem steiles Satteldach. 1920 wurde das Schloss ein Raub der Flammen. Beim Wiederaufbau erhielt es das heutige dreistöckige Erscheinungsbild. Zum Ökonomiebetrieb gehörte lange Zeit auch eine Mühle.

Ursprünglich scheint das Schloss eine als Blockhaus erbaute Motte gewesen zu sein. Im 13. Jahrhundert wurde diese zu einem Steinbau ausgebaut. 1599 wurde der Ökonomiehof unter Georg Wolf Sparnberg angelegt, 1899 das Schloss im Stil des Neubarocks umgebaut. Früher war das Schloss von einer Ringmauer und einem Wassergraben umgeben. Es war eine Vorburg vorhanden, die heute nicht mehr steht.

Rösch erzählte mit viel Detailkenntnis vom Leben auf dem Schlossgut und dessen Wirkung auf die Umgebung. Die Gäste konnten ihre Kindheitserlebnisse dazugeben. Man erinnerte sich, in welchem Bereich die Bäckerei untergebracht war und welche Brücken es über die Haidenaab gab. Begegnungen mit den Besitzern waren damals an der Tagesordnung.

Nutzung als Hotel angedacht

In der Endphase der Ära von Lindenfels um 1970 war das Schlossgut rund 180 Hektar groß. Nach dem Tod von Baron Max Wolf von Lindenfels wurde es an einen gewissen Pfeifer aus München verkauft, einen Monat später erwarb Wilhelm Gleich aus Freising das Schloss. Er plante ein Hotel und Ferienhäuser mit Zeltdach. Danach kauften es Karl und Johann Klink. Sie betrieben eine Schweinezucht, was für die Anwohner nicht immer einfach war. Karl Weidner gehörte das Gut von 1984 bis 1989. Anschließend erwarb es Winfried Klann und 1994 das Ehepaar Josef und Luise Obermeier aus Ingolstadt. Seit September 2019 sind Felica und Maximilian von Grundherr Weiherhaus Besitzer von Schloss und Mühle.

Im Anschluss an die Sonderausstellung führte der Heimatforscher die Gäste durch die Vor- und Frühgeschichtliche Sammlung und erläuterte die Funde aus der Grabhügelanlage bei Wirbenz und der Umgebung von Kemnath. Nicht fehlen durfte die Waffenschau der Fortschauer Waffenmanufaktur. Rösch erklärte die Weiterentwicklung der Lade- und Zündvorgänge.Im ehemaligen Verlies konnte unter anderem ein echtes Scharfrichterschwert betrachtet werden. Die jüngste Abteilung des Museums stellt das Musikeum dar. Dort konnten die Gartler viele alte Musikinstrumente und -automaten aus der Sammlung von Anton Heindl bewundern.

Hans Rösch ist weiterhin für alle Informationen zum Schloss Wolframshof dankbar und sucht weitere alte Fotografien, Zeichnungen und Ansichten des Gutshofes.

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