08.04.2019 - 14:01 Uhr
KemnathOberpfalz

Bayerische Armee technisch top

Gewehre, Flinten und Pistolen: Zahlreiche Besucher kamen zum Stand der Arbeitsgruppe Fortschau des HAK Kemnath. Sie wollten ihre mitgebrachten historischen Waffen von den Experten in der Mehrzweckhalle begutachten lassen.

Bei der Ausstellung „40 Jahre Heimatkundlicher Arbeits- und Förderkreis Kemnath und Umgebung“ in der Mehrzweckhalle in Kemnath können Besucher an einem Stand der Arbeitsgruppe Fortschau Waffen begutachten lassen. Unter den Experten sind Hans Rösch (links) und Militärhistoriker Sebastian Thiem (Dritter von rechts). Christiane von Sobbe (Zweite von links) zeigt einen Sponton
von Hans RöschProfil

Der Wittelsbacher Kurfürst Maximilian II. Emanuel gründete 1689 das Armaturwerk Fortschau. Es war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die einzige größere Fabrikationsstätte für Handfeuerwaffen in Bayern. Um mehr über den heutigen Verbleib der Fabrikate aus der Waffenschmiede zu erfahren, startete der Heimatkundliche Arbeits- und Förderkreis Kemnath und Umgebung (HAK) einen Aufruf unter dem Motto "Kunst kein Krempel - Begutachtung historischer Waffen".

Die Arbeitsgruppe Fortschau stellte dafür einen Stand auf der Ausstellung des HAK zu seinem 40-jährigen Jubiläum in der Kemnather Mehrzweckhalle bereit. Besucher hatten die Möglichkeit, gesammelte Waffen von zu Hause mitzubringen und sie mit den Experten und dem Militärhistoriker Sebastian Thiem zu besprechen. Der Organisator und Ansprechpartner der Arbeitsgruppe, Hans Rösch, freute sich, dass zahlreiche Sammler und externe Berater für historische Waffen gekommen waren. Sie erklärten den Unterschied zwischen einer Luntenmuskete sowie einer Steinschlossflinte und brachten den Gästen den historischen Kontext näher. Auch Exponate aus dem Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum waren zu sehen.

Gut erhaltene Stücke

Unter anderem brachten Gäste aus Waldershof eine Flinte mit militärischem Schloss aus dem Jahr 1750 mit. Die Waffe hatte einen eingerollten Abzugbügel, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer Perkussionszündung erneuert wurde. Die Waffe war aus mehreren Teilen zusammengebaut. Laut Thiems Expertise liege jedoch der Wert der Flinte mehr im ideellen Bereich, da sich die Waffe in einem schlechten Zustand befand. Ein Mitglied des HAK brachte vier historische Waffen mit. Darunter waren ein Fortschauer Dragonergewehr (1770), ein Karabiner (1804) und zwei Pistolen (1804). Da alle Waffen gut gepflegt waren, wurden sie von dem Historiker hoch bewertet. Ein Sammler aus Kemnath hatte eine Fortschauer sowie eine Kemnather Steinschlossflinte und zwei Radschlossflinten im Gepäck. Seine Waffen waren gut erhalten.

Ein Besucher aus Friedenfels ließ sein Podewils-Lindner-Gewehr begutachten. Thiem erklärte, dass es 1858 zu einem Perkussionsgewehr umgebaut wurde. Dabei wurde ein neuer Zylinderverschluss hinzugefügt, damit die Waffe von hinten geladen werden konnte. So war es Soldaten möglich, im Liegen oder auf Knien ihr Gewehr zu laden. Auf diese Weise konnte sich die bayerische Armee seiner Zeit technisch mit anderen Staaten wie Frankreich oder Preußen messen.

Christiane von Sobbe brachte einen Sponton, also eine Stangenwaffe für Offiziere", mit. Diese Waffen dienten als "Chargenabzeichen". In der Gestaltung orientierten sich die damaligen Produzenten an Helmparten des 17. Jahrhunderts. Sie war sich sicher, dass der Sponton Major Friedrich von Sobbe gehört haben muss. Er war der Onkel von Christa Freifrau von Lindenfels. Von Sobbe war im damaligen deutschen Saargemünd stationiert und Waffenliebhaber. Gemeinsam mit einem Stapel Zeitschriften zum Thema "Historische Waffenkunde" übergab Christiane von Sobbe den Sponton dem HAK.

Keine Eintagsfliege

Der Verein war sich zum Schluss der Veranstaltung einig: "Diese Aktion und das Treffen mit Gleichgesinnten darf keine Eintagsfliege bleiben." Der HAK möchte auch weiterhin mit der Stadt Kemnath die Bedeutung der "Waffenmanufaktur Fortschau" mit der Hilfe von Sebastian Thiem wissenschaftlich aufarbeiten lassen. Wer eine Waffe mit der Markierung "Fortschau" besitzt, kann sich für eine Begutachtung im Museum mit Bildern von der Waffe unter der E-Mail-Adresse info[at]hakkem[dot]de melden.

Die Steinschlossflinte stammt aus dem Armaturwerk Fortschau. Deutlich zu erkennen ist das an der eingearbeiteten Prägung auf der Schlossplatte.
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