09.09.2019 - 14:30 Uhr
KemnathOberpfalz

Nicht alles Silber, was glänzt

Zum Tag des offenen Denkmals nahm Silberschmied Markus Tischner im Kemnather "Musikeum" Familienschätze unter die Lupe.

Preziose oder Plunder? Zum Tag des offenen Denkmals nahm Silberschmied Markus Tischner (links) im Kemnather "Musikeum" Familienschätze unter die Lupe.
von Bernhard PiegsaProfil

Bares für Rares winkte am Sonntag zwar nicht an der Kemnather „Museumsmeile“. Doch Silberschmied Markus Tischner, den der Heimatkundliche Arbeits- und Förderkreis (HAK) zum Tag des Offenen Denkmals ins Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum eingeladen hatte, bekam dennoch reichlich zu tun: Viele Geschichtsfreunde nutzten die Gelegenheit, Familienschätze darauf prüfen zu lassen, ob sich unter Glanz und Patina tatsächlich das wertvolle Edelmetall verbirgt, dem das Museum zurzeit die Sonderausstellung „Alles Silber!?“ widmet.

Dass bei der sorgfältigen Begutachtung von Besteckteilen oder Schmuck manche Illusion zerstob und das vermeintliche „Silber“ sich als Imitat oder nur oberflächlich versilbertes Blech erwies, überraschte nicht. Aber auch erfreuliche Überraschungen gab es - wie etwa das Zigarettenetui, das sich als gediegene Augsburger Wertarbeit aus dem frühen 19. Jahrhundert entpuppte. Markus Tischners Urteil konnten die Besucher vertrauen: Seit 30 Jahren gehört er zu der nur mehr kleinen „Gilde“ der Oberpfälzer Silberschmiede.

Die wegweisende berufliche Weichenstellung verdanke er dem Pfarrer der Regensburger Pfarrei Sankt Emmeram, verriet Tischner: „Mein Vater war dort Mesner, und weil ich mir zwar noch nicht ganz schlüssig über meinen Berufsweg war, mir aber eine Arbeit als Kunstschmied durchaus vorstellen konnte, vermittelte mir der Pfarrer den Kontakt zu einer bekannten Regensburger Silberschmiedewerkstätte.“ In Neustadt an der Waldnaab betreibt Markus Tischner heute sein eigenes Atelier: „Vor allem von den katholischen, aber in zunehmendem Maße auch von evangelischen Kirchengemeinden erhalte ich immer wieder Restaurierungs- und Neuanfertigungsaufträge vor allem für liturgische Geräte.“

Die Anfragen kämen keineswegs nur aus der Nordoberpfalz: „Auch für die Prämonstratenserabtei Windberg in Niederbayern habe ich schon arbeiten dürfen.“ Darüber hinaus fertige er Schmuck und Grabzierrat: „Aber für einen Vollzeit-Lebensunterhalt reicht alles das heute nicht mehr aus.“ Deshalb arbeite Tischner auch bei einem weltweit tätigen Weidener Unternehmen für die Vermietung von Hochleistungs-Kameraausrüstungen.

Gern nutzten die Museumsbesucher auch die Gelegenheit zu einem Rundgang durch die Musikautomatenschau „Musikeum“, die im kommenden Jahr ihren fünften „Geburtstag“ feiert, und zum Plaudern und Fachsimpeln bei Kaffee und Kuchen.

Info:

Silber und Saurier, Kriegszeit und „Kohle“

Noch bis Ende November kann die Ausstellung „Alles Silber!? Schätze aus der Silberkammer“ in der Fronveste, Trautenbergstraße 36, besichtigt werden. Darüber hinaus zeigt das Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum Sonderschauen über das Kemnather Münzwesen von 1623 bis 1921 sowie über „Lebewesen der Vorzeit – die Saurier“. Geöffnet ist das Museum sonntags von 14 bis 16 Uhr, am ersten Sonntag des Monats zusätzlich von 10 bis 12 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Für Freitag, 4. Oktober, ab 19 Uhr lädt der Heimatkundliche Arbeits- und Förderkreis Kemnath und Umgebung überdies zum Vortrag des Kastler Heimatforschers Hans Walter über „Kemnath und Umgebung im Dreißigjährigen Krieg“ ins „Musikeum“, Trautenbergstraße 30, ein. (bjp)

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