27.11.2020 - 11:47 Uhr
KemnathOberpfalz

10. Todestag von Peter Hofmann: Als „Siegmund“ für immer verstummte

Peter Hofmann war der "Heldentenor" schlechthin. Am Sonntag, 29. November, jährt sich der Todestag des Wahl-Kemnathers zum zehnten Mal.

Abseits der Bühne und der Glamour-Welt galt Peter Hofmann als ganz normaler Typ, der Pferde wahnsinnig liebte und viel Zeit auf der Koppel bei Schloss Schönreuth verbrachte. Mit den Pferdestärken seiner Harley war er auch immer wieder im Kemnather Land unterwegs.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Er war der "Parsifal" in Bayreuth, der "Lohengrin" an der Metropolitan Opera in New York, das "Phantom der Oper" in Hamburg, Old Firehand bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg - das Repertoire von Peter Hofmann konnte sich sehen und hören lassen. Vor zehn Jahren, am 29. November 2010, ist der einstige Heldentenor im Alter von 66 Jahren an den Folgen einer akuten Lungenentzündung gestorben. Die letzten Jahre seines Lebens waren von seiner Parkinson-Erkrankung geprägt. Zuletzt lebte er mit seiner Frau Sabine, mit der er seit 2007 verheiratet war, und seiner Tochter Laura im oberfränkischen Göpfersgrün bei Wunsiedel.

Hofmann war ein Weltstar - und gleichzeitig aber auch in der nördlichen Oberpfalz verwurzelt. Fast zwei Jahrzehnte seines Lebens verbrachte und lebte er bei Kemnath auf Schloss Schönreuth. Seit 2007 gibt es in der Kemnather Stadtbücherei eine Peter-Hofmann-Dauerausstellung, die dessen Karriere Revue passieren lässt und von dessen Bruder Fritz organisiert wurde.

Der damalige Kemnather Bürgermeister Werner Nickl hatte die Ausstellung bei der Eröffnung als "Hommage an einen großen Künstler und Bürger der Stadt" bezeichnet. Gewohnt hat Hofmann unter anderem auch im ehemaligen Schulhaus in Friedersreuth bei Pressath, das er umbaute und das als Rückzugsraum diente, sowie vor seinem Wegzug ins Fränkische nochmals in Kemnath selbst.

Skifahren am Tannenberg

Hofmann auf dem Rücken seiner Pferde, unterwegs mit dem Rolls-Royce und der Harley durch das Kemnather Land oder beim Skifahren am Tannenberglift in Immenreuth - so ist Peter Hofmann auch heute noch vielen Menschen in der Region in Erinnerung. Groß gefeiert wurde 1983 auch die Eheschließung Hofmanns mit Berufskollegin Deborah Sasson, die der damalige Bürgermeister Rudi Ponnath im Kemnather Standesamt vornahm. Auch Peter Hofmanns Mutter und deren Mann lebten bis zu ihrem Tod in Kemnath, Bruder Fitz wohnt immer noch im benachbarten Kastl.

Geboren wurde Hofmann am 22. August 1944 in Marienbad, aufgewachsen ist er in Darmstadt. Er studierte Gesang an der Hochschule für Musik in Karlsruhe. Sein Operndebüt gab er 1972 als Tamino in Mozarts "Zauberflöte" in Lübeck. Der Durchbruch gelang ihm allerdings 1976 mit seinem Debüt bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth. Im so genannten "Jahrhundertring" unter dem Dirigat von Pierre Boulez und der Regie von Patrice Chéreau übernahm er die Rolle des Siegmund, auch die Rolle des Parsifal verkörperte er in derselben Spielzeit. Bis einschließlich 1988 agierte Hofmann in Bayreuth, als "Heldentenor" Wagner'scher Prägung sang er unter anderem auch zahlreiche Partien an der Metropolitan Oper New York und an allen großen Opernhäusern der Welt.

Als Phantom der Oper

Die Opernmusik war allerdings nicht das einzige Fach Hofmanns: Erfolge feierte er auch als Sänger im Unterhaltungsbereich sowie bei verschiedenen Rundfunk- und Fernsehsendungen. Einer noch breiteren Öffentlichkeit wurde Peter Hofmann allerdings ab 1990 bekannt, als er die Titelrolle in dem Musical "Phantom der Oper" von Andrew Lloyd Webber bei der deutschen Erstaufführung in Hamburg übernahm.

Ich bin überzeugt, dass die Wirkung der Musik eine Brücke schlagen kann zwischen den Menschen, zwischen den Generationen – darum singe ich.

Peter Hofmann

Darüber hinaus veröffentlichte Hofmann zahlreiche Tonträger, auf denen er beispielsweise Lieder von Elvis Presley oder Country-Songs interpretierte. Bereits 1983 war ihm mit seinem Album "Rock Classics" der Durchbruch im Pop-Bereich gelungen: Der Tonträger war über zehn Wochen die Nummer eins in den Charts und damit das erfolgreichste Pop-Album dieser Zeit. "Ich bin überzeugt, dass die Wirkung der Musik eine Brücke schlagen kann zwischen den Menschen, zwischen den Generationen - darum singe ich", hat Peter Hofmann einmal selber über sein Wandeln zwischen den Genres gesagt.

2000 letzter Auftritt

1999 folgte dann der Schock für die Fans und die Musikwelt: Peter Hofmann machte seine Erkrankung öffentlich. "Parkinson. Diese Krankheit passt nicht zu mir. Diese Krankheit passt zu niemandem! Sie stört und zerstört. Sie setzt immer enger werdende Grenzen. Und sie fordert heraus!", hieß auf seiner Homepage. Die letzten Bühnenauftritte absolvierte Hofmann im Jahr 2000, anschließend zog er sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück.

"Größter deutscher Tenor"

In der Boulevard-Presse wurde in den Folgejahren immer mal wieder über familiäre Zwistigkeiten, den Gesundheitszustand Hofmanns sowie dessen finanziellen Verhältnisse spekuliert. Bei der Trauerfeier wenige Tage nach Hofmanns Tod später in der Friedhofskirche Wunsiedel würdigte ihn seine langjährige Bühnenpartnerin Anna-Maria Kaufmann als "den größten deutschen Tenor des 20. Jahrhunderts". Vergessen ist Peter Hofmann auch heute noch nicht: Neben der Dauerausstellung in Kemnath gibt es eine Internetseite (http://peterhofmannstartenor.wordpress.com), die Fritz Hofmann mit einer amerikanischen Musikjournalistin ins Leben gerufen hat.

Das Bayreuther Festspielhaus, wo Peter Hofmann jahrelang auftrat, soll saniert werden

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Fritz Hofmann hat darüber hinaus im Jahr 2012 ein Buch mit Anekdoten aus dem Leben seines Bruders veröffentlicht. Das Werk "Peter Hofmann. Geschichten aus einem bewegten Sängerleben" kann unter anderem in der Stadtbücherei Kemnath erworben werden. Seit zwei Jahren erinnern auch - auf Bestreben von Fritz Hofmann - eine Tafel am Marienbader Geburtshaus Hofmanns sowie ein Porträt im dortigen Stadtmuseum an den Weltstar.

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