18.05.2020 - 11:18 Uhr
Kastl bei KemnathOberpfalz

Anliegen kommen auf allen Kanälen

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Seine ersten Tage als Kastler Bürgermeister hat Johann Walter hinter sich. Und auch schon ein erstes kurioses Erlebnis gehabt.

Johann Walter ist seit 1. Mai Bürgermeister in Kastl, und schon mittendrin im "Geschäft".
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Die Kastler kennen Johann Walter. Schließlich haben sie ihn zu ihrem neuen Bürgermeister gewählt. Doch nicht alle Mitarbeiter der Verwaltungsgemeinschaft Kemnath waren mit seinem Gesicht vertraut, wie er an seinem ersten Arbeitstag hat feststellen müssen. Im Interview erzählt er aber auch von seinen Plänen und Erwartungen.

ONETZ: Nach gut 40 Jahren sind Sie Ihrem Vater im Amt des Bürgermeisters nachgefolgt. War das schon immer Ihr Ziel?

Johann Walter: Ob ich schon immer Bürgermeister werden wollte, kann ich so pauschal nicht beantworten. Edeltraut Haberkorn, eine meiner Kinderpflegerinnen im Kindergarten, erzählte mir beim Einstandsbesuch in der Einrichtung, dass ich damals schon gesagt haben soll, dass ich auch mal Bürgermeister werden will. Das ist aber schon weit über 30 Jahre her. Vielleicht lag es auch daran, dass damals an meiner Spielzeugkiste ein Aufkleber von Franz-Josef Strauß geklebt ist und ich mich irgendwann mit ihm befasste. Dass ich aber konsequent darauf hingearbeitet hätte, das möchte ich nicht behaupten. Das Interesse, die Gemeinde und die Heimat zum Positiven zu gestalten, war schon immer da. So kam irgendwie eines zum anderen.

ONETZ: Als ehemaliger JU-Ortsvorsitzender, Kastler CSU-Chef und Gemeinderat haben Sie einiges an kommunalpolitischer Erfahrung vorzuweisen. Wo sehen Sie darin einen Vorteil für Ihre künftigen Aufgaben?

Johann Walter: In den vergangenen 20 Jahren konnte ich zahlreiche Personen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft kennenlernen. Daraus entstanden zum Teil echte Freundschaften und ein weit verzweigtes Netzwerk aus Persönlichkeiten, die man jederzeit um Rat fragen kann. Darüber hinaus konnte ich viele Erfahrungen sammeln, die mich lehrten, wie man mit nicht alltäglichen Situationen umgeht oder wie man Themen angeht, um erfolgreich sein zu können. Das geht nicht daheim am Wohnzimmertisch.

ONETZ: Wie vereinbaren Sie zeitlich die Arbeit als Bürgermeister mit der Tätigkeit bei Siemens in Kemnath?

Johann Walter: Zum 1. Mai habe ich meine Wochenarbeitszeit bei Siemens auf 20 Stunden reduziert, die ich überaus flexibel erbringen kann. In Absprache mit meinen Kollegen sowie Vorgesetzten kann ich es mir nun relativ frei einteilen, wann ich im Betrieb, im Rathaus oder bei Terminen vor Ort bin. Unabhängig davon erreichen mich mittels Telefon, Whatsapp, E-Mail, Facebook, Instagram und Skype fast rund um die Uhr zahlreiche Anliegen und Themen.

Hans Walter bekommt bei der Bürgermeisterwahl über 60 Prozent der Stimmen

Kastl bei Kemnath

ONETZ: Auf welchen Aspekt des Bürgermeisterdaseins freuen Sie sich am meisten?

Johann Walter: Am meisten freue ich mich darauf die zahlreichen Themen, die wir in den vergangenen Monaten auf Fraktionsebene und zum Teil auch schon fraktionsübergreifend definiert haben, angehen zu können. Ziel muss es sein, unsere Kommune weiterhin den Herausforderungen der Zeit anzupassen, Chancen zu nutzen und Neues zu probieren. Dabei dürfen aber unsere dörfliche Kultur, Traditionen und Brauchtum nicht dem Trend der Globalisierung und Digitalisierung geopfert werden. Ein Mittelweg zwischen Wünschenswertem, Notwendigem und Machbarem ist gefragt.

ONETZ: Wie sah Ihr erster Arbeitstag als Bürgermeister aus?

Johann Walter: Meinen ersten offiziellen Arbeitstag im Rathaus in Kemnath werde ich wahrscheinlich nicht so schnell vergessen. Zum Einstand brachte ich zwei Obstkörbe für die Mitarbeiter mit. Als ich damit vor der Eingangstüre stand und versuchte, den Schlüssel zum Aufsperren zu finden, öffnete mir eine Mitarbeiterin. Als ich eintrat, fragte sie mich, ob ich denn einen Termin hätte, weil sonst könne sie mich nicht hereinlassen. Als ich dann hinauf zu meinem Büro ging, war ihr das natürlich extrem peinlich, weil sie noch nicht wusste, dass ich ja der Neue sei. Nach mehreren Gesprächen über die Abläufe im Rathaus, einem Rundgang mit Kemnaths Bürgermeister Roman Schäffler durch die Zimmer und dem Unterzeichnen erster Schriftstücke besuchte ich mittags das Kinderhaus Pusteblume und anschließend den Bauhof, um mich hier auch „offiziell“ vorzustellen. Nachmittags ging es weiter zu Siemens.

ONETZ: Welche Aufgaben oder Projekte möchten Sie als erstes angehen?

Johann Walter: Bedingt durch die Corona-Pandemie müssen wir zeitnah klären, wie es zum Beispiel mit der Betreuung im Kinderhaus weiter geht, ob und in welchen Umfang ein Kinderferienprogramm heuer möglich sein wird und wie die Planungen mit den Veranstaltungen wie dem historischen Erntedankzug, der am 20. September stattfinden sollte, weiter gehen. Parallel dazu müssen wir die Ausweisung unseres neuen Baugebietes „Lettenwiese 3“ angehen, damit 2021 vielleicht die ersten Bauwilligen beginnen können. Groß ist die Freude, dass wir in diesem Monat auch mit der Sanierung der Ortsverbindungsstraße von Gründlhut bis Altköslarn und weiter bis Haidhügel, Neuenreuth und Reuth beginnen können. Diese Maßnahme im Bereich des Kernwegenetzes begleitet uns schon seit über sechs Jahren. Ebenso möchte ich eine Strategie erarbeiten, wann wir in welchem Umfang innerörtliche und außerörtliche Straßen sanieren wollen beziehungsweise können. Gleichzeitig müssen wir wohl aber bei anstehenden Haushaltsberatungen eher nüchtern und konservativ planen, da wir nicht wissen, wie sich die Coronakrise auswirken wird.

ONETZ: Ein Ende der Corona-Pandemie ist nicht absehbar. Wird diese Ihre Arbeit und die des neuen Gemeinderates beeinflussen?

Johann Walter: Die Sitzungen werden wohl nicht mehr so schnell im Kastler Rathaus stattfinden, sondern in einem Raum wie dem Schützenhaussaal oder die Mehrzweckhalle, um genügend Abstand halten zu können, auch zu den Zuhörern. Die Gesichtsmaske ist bereits zum stetigen Begleiter geworden. Persönliche Termine sollten so gut wie möglich erst nach vorheriger Absprache und mit ausreichend Abstand stattfinden. Wo dies nicht immer möglich ist, wird man Wege finden müssen, um nicht alles in den Onlinebereich verlegen zu müssen. Grundsätzlich habe ich aber festgestellt, dass man vieles telefonisch, per Mail oder per Videokonferenz besprechen und klären kann. Deshalb wird es interessant, wie und in welchem Ausmaß künftig große Sitzungsrunden und Versammlungen stattfinden müssen oder ob diese nicht weiterhin auch ohne Corona per Videokonferenz durchzuführen wären. Ein großes Dankeschön möchte ich allen Näherinnen aussprechen, die Hunderte von Gesichtsmasken genäht und kostenlos zur Verfügung gestellt haben. Ebenso möchte ich mich bei allen Feuerwehrdienstleistenden bedanken, die Informationszettel und Gesichtsmasken verteilt haben, sowie Bürgermeister Josef Etterer und allen Mitarbeitern in der Verwaltung, im Bauhof und Kindergarten, die nach wie vor alles am Laufen halten. Die Bürger selbst haben mit großer Vernunft die Beschränkungen mitgetragen und somit zur Eindämmung der Pandemie maßgeblich beigetragen.

ONETZ: Wie stellen Sie sich die Arbeit mit den Gemeideräten vor?

Johann Walter: Mir ist eine offene, ehrliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit überaus wichtig. Die Themen und Ergebnisse müssen im Vordergrund stehen, persönliche Belange hintenanstehen. Durch zahlreiche Vorgespräche denke ich, sind wir auf einem vielversprechenden Weg. Ob uns das immer gelingen wird, weiß ich nicht. Meine Türe ist für jeden offen. Aus diesem Grund haben wir im Gemeinderat auch einen beratenden Hauptausschuss beschlossen, der sich mit grundlegenden Themen wie Instandhaltungs-, Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen bei kommunalen Liegenschaften, mit Grundsatzfragen zu Energie, (Elektro-)Mobilität und Digitalisierung, Naturschutz und Biodiversität sowie Konzeptionen zu kommunalen Einrichtungen beschäftigt.

Artikel zur Nominierungsversammlung im September 2019

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