Das gab es nicht einmal im Zweiten Weltkrieg: Martini-Kirchweih ohne Wirtshaus

Das hat es nicht einmal während des Zweiten Weltkriegs gegeben: Die Wirtshäuser in Kaltenbrunn und Dürnast bleiben heuer zur Martini-Kirwa zu.

Einer der 14 Backöfen, in dem bis in die 60er Jahre Brot- und Kirwakuchen gebacken wurden. Leider blieb kein einzier dem Markt erhalten. Links im Bild das alte Rathaus, unterhalb das alte Schulhaus, heute Autowerkstatt, das ehemalige Wirthaus "Hansmatters" (später Panzerwirt) und die evangelische St.-Martins-Kirche.
von Siegfried BockProfil

Es kommen auch kaum Verwandte, wegen der Pandemie und des Lockdowns werden die Kontakte auf ein Minimum beschränken.Wenigstens ein Wirt bietet einen Abholservice für den Kaltenbrunner Kirchweihteller an.

Nur noch wenige Familie backen Kirwakuchen und Küchel selbst. Bis Mitte der 60er Jahre geschah dies im letzten von einstmals 14 Backöfen im Markt.

Im Tagebuch vom 15. November 1942 schreibt der damalige Lehrer und Ahnenforscher Gottfried Glockner: "Die ersten 20 Mann russischer Offiziere sind heute eingetroffen. Kuchen gibt´s und teilweise auch Kücheln, wenn auch weniger wie sonst. Auch Fleisch wurde mehr gekauft, zum Teil mit eingesparten Marken, zum anderen Teil (Selbstversorger) durch Vorgriff. Auch Fische gibt`s. Freilich, die jungen Leute müssen auf das Tanzen verzichten, das sonst schon um 15 Uhr, am Kirwamontag schon um 10 Uhr begann. Nur beim 'Hansmatters' merkte man, dass heute ein anderer Tag ist. Dort wurde auch Ziehharmonika gespielt."

Und zum Kirchweihsonntag, 14. November, 1943 vermerkt Glockner: "Man denkt und plaudert über das Schöne in der Friedenszeit, wenn die Kirchweih so richtig gefeiert wurde. Wohl gibt es auch Gänsebraten, mitunter auch Fisch. Weil die Fleischmarken meist fehlen, müssen Familien mit einem Pfund Fleisch auskommen. Auch das Backen von Kücheln und Kuchen hat sich gegen früher stark eingeschränkt. Es fehlen Schmalz und Fett, Sirup und Weinbirln. Aus diesem Grunde wurden Kuchen mit Apfelschnitten, Käskuchen usw. gebacken. Einige hatten auch gedörrte Schwarzbeeren auf die Kuchen gelegt. Ganz besonders im Winter ist das Dünnbier widerwärtig, wenn man trinkt, friert einen meistens. Kirchweihgäste sind sehr wenig da."

Kirchweihsonntag, 12.November 1944: "Wehmütig denkt das Herz an das Vergangene. Ja, die Kirchweih, das war der Höhepunkt des ganzen Jahres. An keinem Tag des Jahres war die Bratpfanne so voll. Vettern und Basen kamen aus allen Himmelsrichtungen. Auf dem Marktplatz waren die Kirwastände, hoch schnellte die Schaukel, flitzend drehte sich das Karussell. Eine alte Orgel erzählt schweratmend von Liebe und Leid. All das wurde überboten vom Geschrei des billigen Jakob. Ja, da tun sich heuer Parallelen auf."

Wenigstens können zur Kirchweih trotz Corona heuer festliche Gottesdienste gefeiert werden. Die Geistlichen laden dazu diesen Samstag, 18.30 Uhr, und Sonntag, 9 Uhr, in der katholischen und Sonntag, 9 Uhr, in der evangelischen St.-Martins-Kirche ein. Chöre dürfen aufgrund der Pandemie nicht mitwirken. Bereits diesen Freitag, 18 Uhr, wird in der Pfarrkirche der Fatimarosenkranz nach Anleitung von Altötting-Pilgerpfarrer Hannes Lorenz gebetet.

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