28.02.2021 - 13:58 Uhr
Kaibitz bei KemnathOberpfalz

In Kemnather Land mit Nistkästen gegen Eichenprozessionsspinner

Im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner setzt die Stadt Kemnath jetzt auf tierische Unterstützung. 50 Nistkästen für Meisen und Fledermäuse werden dafür an Bäumen im Kemnather Land angebracht.

Stadtgärtner Florian Frank und Biodiversitätsberaterin Nicole Bergler bringen verschiedene Nistkästen im Kemnather Land an.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Schon seit mehreren Jahren wird in Kemnath aktiv gegen den Eichenprozessionsspinner vorgegangen. Im vergangenen Jahr bekam Stadtgärtner Florian Frank beim Entfernen der Nester Unterstützung vom Maschinenring Tirschenreuth. In Zukunft sollen Fledermäuse und Meisen bei der Bekämpfung der Raupen helfen. Dafür brachte Frank zusammen mit Nicole Bergler von der Unteren Naturschutzbehörde 50 Nistkästen im Kemnather Land an.

"Das Aufhängen der Nistkästen ist besonders sinnvoll, weil Meisen die Raupen bis zum dritten Verpuppungsstadium fressen können", erklärt Nicole Bergler, die als Biodiversitätsberaterin bei der Unteren Naturschutzbehörde beschäftigt ist. Mit dem dritten Verpuppungsstadium entwickelt der Eichenprozessionsspinner die für den Menschen gefährlichen Brennhaare.

"Ob es funktioniert, werden wir erst in drei bis vier Jahren sehen."

Stadtgärtner Florian Frank

Die Meisen können so helfen, die Population zu dezimieren. Fledermäuse wiederum fangen später die Falter beim Ausschwärmen ab. Weitere natürliche Feinde des Eichenprozessionsspinners sind Wiedehopf und Kuckuck, die die Raupen auch in späteren Stadien noch aufnehmen können. Mit den tierischen Helfern geht im Landkreis auch die Stadt Mitterteich gegen den Schädling vor. 80 Nistkästen wurden im vergangenen Jahr angebracht. "Ob es funktioniert, werden wir erst in drei bis vier Jahren sehen", sagt Frank.

Höhlen aus Holzbeton

"Die Bruthöhlen bestehen aus atmungsaktivem Holzbeton und sind sehr langlebig", erklärt Bergler. Der Fledermaus-Spaltenkasten ist gut 50 Zentimeter lang und 30 Zentimeter breit. Die speziellen Nistkästen für Kleinmeisen bringt Florian Frank in über zwei Metern Höhe an. "Die Fluglöcher sind recht klein, so passen nur Kleinmeisen wie die Blau-, Tannen- oder Haubenmeisen hindurch", erläutert Bergler. Die Meisenkästen sind rund 30 Zentimeter groß.

Lineare Gehölzstrukturen

Der richtige Standort ist vor allem bei den Spaltkästen für die Fledermäuse entscheidend. "Fledermäuse leben am liebsten an Orten mit linearen Strukturen", erklärt Bergler. Die Tiere orientieren sich entlang linearer Gehölzstrukturen wie Baumreihen oder Alleen. "Größere Hecken- oder Staudenreihen geben ebenfalls Orientierung", ergänzt Bergler.

Eine passende Baumreihe befindet sich zum Beispiel am Mooswiesengraben in Kaibitz. "Die Fledermäuse können hier sehr gut durchstarten und am Boden entlang jagen", sagt Bergler. Die Spaltenkästen werden nicht nur in Kaibitz, sondern auch in Löschwitz, Berndorf und Guttenberg angebracht, "eben überall dort, wo es in den vergangenen Jahren zu Problemen mit dem Eichenprozessionsspinner kam", führt Frank aus. Einen weiteren Teil der Nistkästen wird Stadtförster Klaus Ferber im Stadtwald anbringen.

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Stadtgärtner Florian Frank bringen in Kaibitz Nistkästen für Fledermäuse und Meisen an.
Hintergrund:

Der Eichenprozessionsspinner

  • Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter und ist in den Eichenwäldern in Süd- und Mitteleuropa heimisch.
  • Durch den Klimawandel breitet sich die Raupenart auch bei uns weiter aus.
  • Laut Bund Naturschutz sind vor allem die Brennhaare der Raupen gefährlich. Diese enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Es kann Haut-, Augen- und Atemwegsreizungen hervorrufen, in schweren Fällen allergische Schocks, Atemnot oder den Verlust des Augenlichts.
  • Der ausgewachsene Falter ist braun-grau, mit einem buschigen Kopf und schwachen Querstreifen auf den Vorderflügeln.

 

 

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