09.10.2020 - 15:37 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Tannenberglift wird doch repariert

Klimaerwärmung, kürzere Winter mit weniger Schnee. Die Betriebstage des Tannenberglifts verringern sich seit Jahren. In der zurückliegenden Wintersaison nahm er seinen Betrieb gar nicht auf. Dennoch soll er weiter laufen.

Die Rollen für die Seilführung. Für ihre Erneuerung muss die Gemeinde 28493,47 Euro aufbringen.
von Bernhard KreuzerProfil

Der Gemeinderat beschloss am Donnerstag gegen die Stimmen von Bürgermeister Thomas Kaufmann und Drittem Bürgermeister Eberhard Besold, den Auftrag für eine kostspielige Reparatur des Tannenberglifts umgehend zu erteilen. Bei diesem Tagesordnungspunkt hatte der Rathauschef zuvor auf die Besprechung in der nichtöffentlichen Sitzung am 10. und der folgenden Begehung vor Ort am 26. September sowie auf das Ergebnis des in Auftrag gegebenen Prüfberichts verwiesen.

Rollenführung und Antrieb

Dabei wurde festgestellt, dass die Rollenführungen des Seiles zwingend repariert werden müssen. Kosten dafür: 28.493 Euro. Des weiteren bedarf der Antrieb einer dringenden Überprüfung. Die Ausgaben für die Prüfung betragen laut Kaufmann allein schon 3200 Euro. Er erinnerte weiter an das zusätzliche jährliche Defizit des 50 Jahre alten Liftes, das zwischen 20.000 und 30.000 Euro pendelt.

Der Rathauschef sah im Tannenberglift aber auch ein Markenzeichen für die Gemeinde. Er steigere die Lebensqualität und rege die Vereinstätigkeit an. Die Bergwacht und den Förderverein für den Lift nannte er als Beispiele. Nach seiner Meinung müsse zwischen wirtschaftlichen und emotionalen Gesichtspunkten bei der anstehenden Entscheidung abgewogen werden. Diese Prüfung müsse vor der kompletten Überprüfung der gesamten Anlage unter Einbeziehung der Arbeitssicherheit getroffen werden und dürfe sich nicht alleine auf die angesprochenen Mängel beziehen, forderte er. "Es zeigt sich, dass bei einer kompletten Überprüfung noch Kosten auftreten können, die noch nicht erhoben wurden." Der Bürgermeister schlug deshalb vor, die bevorstehende Saison den Liftbetrieb ruhen zu lassen, bis alle Kosten und ein Gesamtkonzept ermittelt sind.

CSU-Fraktionssprecher Bernhard Söllner räumte ein, dass bei einer wirtschaftlichen Betrachtung der Lift zugesperrt werden müsse. "Das wollen wir nicht", betonte er. Werde der Lift für ein Jahr zugesperrt, dann wäre es "für immer vorbei", war sich sicher. Seit 2011 sei nicht mehr in die Anlage investiert worden. In seiner Beurteilung sprach er die ausgefallene Liftsaison und die Ungewissheit des bevorstehenden Winters an. Jedoch bekräftigte er: "Wir wollen aber, dass er in der Saison 20/21 laufen soll."

Für die CSU-Fraktion verlangte Söllner eine schnellstmögliche Reparatur des Lifts. Dieser gehöre der ganzen Region und nicht alleine Immenreuth. Zugleich forderte er auf, mit den umliegenden Kommunen Kontakt zum Erhalt der Anlage aufzunehmen.

10.000 Euro vom Förderverein

Unterstützung erhielt Söllner von IWG-Gemeinderat und Vorsitzender des Fördervereins "Tannenberg 2011 e.V.", Ludwig Melzner. Eine großzügige Spende des Fördervereins von 10.000 Euro sicherte er zu den anstehenden Reparaturkosten zu. Alleine durch den Einsatz der Mitglieder habe die Gemeinde in den vergangenen neun Jahren 12.000 Euro gespart, erinnerte Melzner. Seine Forderung war ebenfalls eine schnelle Instandsetzung des Lifts, damit Ski- und Rodeltage der Schulen sowie Skikurse abgehalten werden können. Das Liftgelände sei ein Anziehungspunkt für junge Familien und steigere den Fremdenverkehr. "Der Kinderlift ist in seinem sehr guten Zustand", ergänzte Melzner noch. Am Fortbestand des Tannenberglifts wollen auch die Freien Wähler festhalten. Ihr Sprecher und Dritter Bürgermeister Eberhard Besold vermisste ein Gesamtkonzept für die Sanierung. "Das Ende der Fahnenstange bei den Kosten ist noch nicht erreicht", appellierte er.

Alleine in den Überprüfungskosten des Antriebs mit den erwähnten 3200 Euro seien noch keine Aufwendungen für die Instandsetzung enthalten, machte Besold aufmerksam. Aber auch auf das fehlende Hygienekonzept, ohne dieses auch ein reparierter Lift nicht laufen dürfe. Besold plädierte deshalb für eine Aussetzung der Saison 2020/21 und für die Erstellung eines Gesamtkonzeptes.

Die Anregung von Markus Schmid (FW), eine Nutzung des Liftgeländes im Sommer in Betracht zu ziehen, wurde mit dem Hinweis auf die Auflagen durch das Naturschutzkonzept verworfen. Das Areal ist außerhalb der Wintersportsaison als Trockenbiotop ausgewiesen.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis beim Tannenberglift ist auch einmal in einer Bürgerversammlung angesprochen worden

Immenreuth

Eine hohe finanzielle Belastung für die Gemeinde sah Gerhard Tretter (SPD). Seine Anregung war, in der Coronazeit nur den Kinderlift zu betreiben. Er machte zugleich die Gemeinderäte auf frühere Aussagen aufmerksam: "Bei der nächsten höheren Reparatur ist Schluss." Mit den Gegenstimmen von Thomas Kaufmann und Eberhard Besold beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, die angesprochene Reparatur sofort einzuleiten und ein Hygienekonzept zu erstellen.

Hintergrund:

Schließung oft Thema

Die hohen freiwilligen Leistungen für den Skilift Tannenberg waren in der Vergangenheit stets ein Grund für die Ankündigung, diesen zu schließen. Bei der Vorstellung des Konsolidierungskonzepts der Gemeinde zum Antrag auf Stabilisierungshilfe hatte Bürgermeister Thomas Kaufmann bekräftigt, dass die Kommune keine freiwilligen Leistungen mehr leisten dürfe, zu denen sie vertraglich nicht verpflichtet sei. Kaufmann sprach hier auch die Reparatur des Daches des Skiliftgebäudes an, die in der öffentlichen Sitzung am Donnerstag kein Thema war.

Die Rollen für die Seilführung. Für ihre Erneuerung muss die Gemeinde 28493 Euro aufbringen.
Alleine für die Überprüfung des Antriebs muss die Gemeinde 3200 Euro hinblättern. Die Reparaturkosten für die Beseitigung der Geräusche im Motor sind noch nicht beinhaltet.
Die Rollen für die Seilführung. Für ihre Erneuerung muss die Gemeinde 28.493 Euro aufbringen.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.