21.09.2021 - 18:45 Uhr
Hütten bei GrafenwöhrOberpfalz

Ziegler-Group macht Tempo: In Hütten für Werk 28 Hektar Wald gerodet

Die Ziegler-Group macht Tempo. Im Industriegebiet Hütten-Nord soll so schnell wie möglich ein Holzfaser-Dämmplattenwerk entstehen. Die Rodung ist schon erfolgt und zeigt die Dimension des Multimillionen-Projekts.

Anfang September waren hier ein Dutzend Harvester im Industriegebiet Hütten-Nord zugange. Sie schufen die Grundlage für das neue Ziegler-Werk.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Mit Klein-Klein hat sich Unternehmer Stefan Ziegler, Chef der Ziegler-Group mit Stammsitz in Plößberg, noch nie aufgehalten. Aktuell entsteht im Gewerbegebiet Hütten-Nord ein neues Werk für Holzfaser-Dämmplatten. Am 25. August 2021 hat die Ziegler-Group die Neuansiedelung bekannt macht. Zehn Tage später waren 28 Hektar Wald gerodet.

Die Rodung ist baurechtlich gedeckt. Seit 1996 gibt es einen rechtsverbindlichen Bebauungsplan für das Industriegebiet. Einer schnellen Bebauung steht damit nichts im Weg. "Dafür gibt es Industriegebiete", sagt Bürgermeister Edgar Knobloch. Zeitlich mag das für Außenstehende flott aussehen. Die Gespräche mit Ziegler hätten aber deutlich früher begonnen, der Deal sei dann im August relativ kurzfristig öffentlich geworden. Knobloch bittet um Verständnis: "Wenn ich einem Interessenten in den Verhandlungen Diskretion verspreche, dann halte ich das auch."

Ziegler stellt Pläne vor

Das Unternehmen selbst kündigt für Oktober eine Pressekonferenz im Stammhaus an, in der das Projekt den Medien vorgestellt werde, so Sprecher René Oertel. In der Presseerklärung vom 25. August hatte die Ziegler-Group die Neuansiedlung von 100 Arbeitsplätzen am "modernen Produktionsstandort für nachhaltige Holzfaserdämmprodukte" angekündigt.

Ziegler baut in Hütten laut Branchenjournal Holzkurier viermal größer als in Bärnau (12 Hektar). Der Holzkurier schreibt von einem "der größten Produktionsstandorte für Holzfaserdämmung weltweit". Das Industriegebiet Hütten-Nord gibt das her: Die 1996 ausgewiesenen 43 Hektar Industriefläche in Hütten-Nord sind bis heute weitgehend unbebaut. Aus Sicht der Stadt Grafenwöhr ist die Ansiedlung ein echter Glücksgriff.

Der Bund Naturschutz sieht das naturgemäß skeptischer. Ihm geht es zu forsch voran. Die Kreisgruppe Neustadt/WN-Weiden hält die Rodung - noch vor dem Abschluss und der Genehmigung der Bauleitplanung - für "juristisch fragwürdig". Die Naturschützer kritisieren, dass es ein "probates Mittel zu sein scheint, Entscheidungen dieser Tragweite in Zeiträume reduzierter öffentlicher Aufmerksamkeit (Hauptferienzeit) zu legen". Damit würden kritische Auseinandersetzungen mit der Thematik auf ein Mindestmaß begrenzt.

Bauleitplanung läuft noch

In der Tat ist die nötige Änderung des Bebauungsplanes noch nicht genehmigt. Die Stadt Grafenwöhr steckt mitten in der Bauleitplanung. Das Planungsbüro TB Markert aus Nürnberg hatte im Juli einen Vorentwurf für die Änderung des Bebauungsplanes erstellt. Wichtigste Änderung: Die erlaubte Gebäudehöhe auf dem Ziegler-Areal beträgt 45 statt bisher 10 Meter, auf einem Flurstück 60 Meter. Der Stadtrat stimmte dem Vorentwurf in der Sitzung vom 22. Juli 2021 zu. Inzwischen wurden die Träger öffentlicher Belange gehört, der Plan lag vier Wochen öffentlich auf. Das Planungsbüro hätte den überarbeiteten Entwurf am Donnerstag, 23. September 2021, in der Stadtratssitzung zur Genehmigung vorlegen sollen. Laut Knobloch wurden die Planer nicht fertig. Jetzt ist die Oktober-Sitzung anvisiert.

Als Träger öffentlicher Belange hat auch der Bund Naturschutz Stellung genommen. Der Bebauungsplan sieht vor, dass 38 der 43 Hektar versiegelt werden können. Der Bund Naturschutz mahnt, dass Oberflächenwasser so kaum versickern kann. Die Möglichkeiten von Regenrückhaltebecken sollten geprüft werden. Zum Grünordnungsplan merkt der BN sarkastisch an: "In der ,Durchgrünung des Industriegebiets' eine Minderung des Eingriffs zu sehen, dürfte bei einer derartigen Flächenversiegelung auch bei Menschen mit einer außergewöhnlich hohen Vorstellungskraft die Grenzen der Phantasieleistung sprengen." Für die im Gebiet lebenden sechs Feldermausarten sind 120 Kästen aufgehängt worden. Damit ist dem Fledermausbestand laut BN nur bedingt geholfen. Wichtig wäre so wenig Lichtemission wie möglich.

Deshalb baut Ziegler in Hütten

Hütten bei Grafenwöhr
Vorentwurf geänderter Bebauungsplan Industriegebiet Hütten-Nord.
Standort Ziegler im Industriegebiet Hütten-Nord.

Die BN-Kreisgruppe hält eine vor Genehmigung der Bauleitplanung durchgeführte Rodung für juristisch fragwürdig."

Jürgen Holl, Bund Naturschutz

Jürgen Holl, Bund Naturschutz

Dafür gibt es Industriegebiete. Es ist alles abgelaufen, wie das ablaufen muss.

Edgar Knobloch, Bürgermeister von Grafenwöhr

Edgar Knobloch, Bürgermeister von Grafenwöhr

 

 

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