11.08.2020 - 11:03 Uhr
HohenfelsOberpfalz

Zwischen Coronapandemie und Staubwolken: US-Army übt bei Manöver "Saber Junction 2020"

Mit „Saber Junction 20“ ist diese Woche das Manöver der 7th Army Training Command angelaufen. Immer dabei: der Mund- und Nasenschutz, der auch gegen den Hohenfelser Staub hilft. Bei 30 Grad trainieren mehr als 4000 Soldaten in der Region.

von Paul BöhmProfil

Das jährliche Training am US-Truppenübungsplatz in Hohenfels hat Tradition. Es dient dazu, die Einsatzbereitschaft der 173. amerikanischen Luftlandebrigade zu bewerten. Dabei werden vereinte Luft- und Bodenübungen in einem multinationalen Truppenverband durchgeführt, um die Zusammenarbeit innerhalb der Verbündeten und Partner zu steigern. Heuer zählen Albanien, Georgien, Lettland, Litauen, Moldawien, Nord-Mazedonien, Rumänien, die Ukraine und die USA zu den Übungsteilnehmern.

Erstmals wieder gemeinsam

„Saber Junction 2020“ steht aber auch deshalb im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, weil die Militärs in Hohenfels nach Monaten der Pause wegen der Coronapandemie erstmals wieder unter erschwerten Bedingungen gemeinsam üben können.

Schon bei der Anreise, so berichtet Major Davarius Sharpe von der Task Force Covid, mussten die ankommenden Verbände strenge Regeln einhalten. Beim Gesundheitsscreening, das alle Soldaten bei ihrer Ankunft in Deutschland noch vor dem Beginn der Übung durchlaufen mussten, hatte es zwar einige Covid-19-Fälle gegeben. „Die Betroffenen seien identifiziert, entsprechend isoliert und nach zwei Wochen Wartezeit und weiteren Tests wieder in ihre Einheiten integriert worden", erklärt der Major den Medienvertretern zum Auftakt der Übung. Eine eigens eingerichtete Isolationsstation, ein spartanisch mit etwa 70 Feldbetten ausgestattetes Zelt, habe aber noch nicht zum Einsatz kommen müssen. Dann geht für die Soldaten hinaus aufs Gelände.

Landung im kniehohen Gras

Der zunächst verhaltene Fluglärm hinter Baumwipfeln nimmt schnell zu. Dann tauchen mehrere Chinook CH 47 auf, um die angehängten Humvees gleich hinter der ehemaligen Ortschaft Haidensbuch in einer dicken Staubwolke abzusetzen. Kurze Zeit später kommen Ospreys (Senkrechtstarter) vom 22. Marine Expeditionary Team über die Hügelkette angeflogen und setzen mehrere Gruppen von Fallschirmjägern der 173. Luftlandebrigade im kniehohen Gras ab, ehe sie sich eilig vom Acker machen. Es dauert nur ein paar Minuten. Dann ist das Spektakel schon wieder vorbei. Die Staubwolke setzt sich, die abgesetzten Soldaten huschen durch die Buschreihen und tauchen tief geduckt im nahen Waldrand ab.

Ruhig hingegen ist es im Übungsdorf nahe bei Emhof. Roleplayer, Komparsen oder Civilian on the Battlefield, wie sie genannt werden, sitzen gemütlich vor den Hauseingängen, schlendern durch das Dorf und warten auf ihren ersten Einsatz. Der Bürgermeister des größten Übungsdorfes, wie er respektvoll genannt wird, Steve O´Donnell und sein Vize Wolfgang Traub warten mit ihrem Team auf den nächsten Auftrag, „Wann wir zum Einsatz kommen, wissen wir nicht, denn das hängt vom Fortschritt der Übung ab", erzählt Steve O´Donnell. „Derzeit sind es 27 Zivilisten, die hier die Dorfbevölkerung realitätsnah spielen. Uns ist es wichtig, dass wir Personal ohne militärisches Hintergrundwissen haben, denn so können die Übungen real ablaufen.“

Roleplayer gesucht

Wer also kommt, weiß man im Dorf nicht. Sind es die „Men in Black“, die Opfor-Soldaten des 1.4 Infanteriebataillons aus Hohenfels, sind es die übenden Truppen oder ist es nur ein Fahrzeug oder ein Spähtrupp auf der Suche nach Trinkwasser? „Wenn jemand den Job eines Roleplayers machen möchte: Wir suchen immer gute Leute", sagt Steve O´Donnell. Meist seien es Rentner, Studenten oder Arbeitslose, die bei anheuern und sich ein paar Dollar dazuverdienen möchten.

Dann geht es weiter zur nächsten Station: Auf der Feldlandebahn bei Emhof erklärt Oberstleutnant Nathan Strohm eine von seiner Brigade eingesetzte Drohne vom Typ „Shadow“. „Bis aus einer Höhe von 16000 Fuß, etwas weniger als 5000 Meter, liefert die Drohne hervorragendes Bildmaterial zu Aufklärungszwecken oder für die Markierung von Zielen für Kampfhubschrauber." Das ist „Modern Environment“ für die Arbeit auf dem Gefechtsfeld, wie er sagt. Bei ihr komme es zunehmend auf elektronische Kriegsführung an.

Gut getarnte Patrouillenfahrzeuge schlängeln sich entlang von Stol-Airfield, wie die Amerikaner die Feldlandebahn bezeichnen. Aus Südosten kommt Fluglärm auf und ehe man sich sammeln kann, setzen CH 47 Hubschrauber vom Typ Chinook auf der Feldlandebahn auf. Schnell werden in einer aufgewirbelten Staubwolke kleinere Gefechtsfahrzeuge auf der Landepiste samt mehreren Gruppen von Fallschirmjägern abgesetzt.

Manöver bis 27. August

Ehe sich der Staub gelegt hat, sind sowohl die Chinooks hinter den Baumwipfeln abgetaucht als auch die abgesetzten Soldaten mit ihren wendigen Fahrzeugen im Wäldchen nahe des ehemaligen Weilers Wölsdorf untergetaucht. Nicht einmal zehn Minuten hat alles gedauert, dann ist die Feldlandebahn wieder wie leer gefegt. Es ist alles ruhig geworden, nur auf der anderen Seite der Landebahn hört man einen getarnt stehenden Generator surren, der wohl die Klimaanlage für den angrenzenden Hangar betreibt.

Die Übung der US Army dauert noch bis zum 27. August. Während dieser Zeit müssen die Anwohner mit Militärfahrzeugen zwischen den beiden Truppenübungsplätzen rechnen.

Informationen zum geplanten Abzug von US-Truppen aus Deutschland

Grafenwöhr

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