27.09.2020 - 11:53 Uhr
HohenfelsOberpfalz

Combined Resolve XIV: Großer Einsatz auf dem Übungsplatz in Hohenfels

Die Übung Combined Resolve XIV fordert die Soldaten, denn die Messlatte liegt hoch. In diesen Tagen geht der Einsatz am Truppenübungsplatz Hohenfels dem Ende zu. Oberpfalz-Medien war einen Tag lang dabei.

von Paul BöhmProfil

Sehr früh am Morgen müssen die Zeitungsleute aufstehen, um bei der Großübung unter US-Führung am Truppenübungsplatz Hohenfels live dabei zu sein. Joyce Costello vom Joint Multinational Readiness Center (JMRC) hatte die Fahrt mitten hinein ins Übungsgeschehen vorbereitet.

Für die teilnehmenden Soldaten ist das Training, das in dieser Woche zu Ende geht, zu einer Herausforderung geworden: zum einen wegen der Koordinierung der Auftragsstruktur und dem Zusammenspiel der Einheiten, zum anderen wegen des Wetters.

Staub, Hitze, Herbstregen, Corona

Es ist die ganze Bandbreite der Hohenfelser Wetterkapriolen gewesen, die sie mit ins Kalkül ihrer Entscheidungen einbeziehen mussten. Während die ersten Tage noch von spätsommerlichen Temperaturen mit begleitenden Staubwolken geprägt waren, kamen in der Schlussphase der Gefechte der erste Herbstregen und der sprichwörtliche Hohenfelser Lehm des aufgeweichten Bodens dazu. Ein besonderes Augenmerk in jeder Phase der Übung galt aber den erhöhten Sicherheitsvorschriften der Covid-19-Maßnahmen.

Bei der Großübung des US-Heeres Combined Resolve XIV, also kombinierte Entschlossenheit, auf dem Truppenübungsplatz übten Soldaten im Feld das Zusammenwirken der unterschiedlichen Truppenverbände aus verschiedenen Partnerländern und deren Befehlsstruktur.

Knapp 3500 Teilnehmer aus acht Verbündeten- und Partnerländern haben dieses Szenario vorangebracht. Die Übung soll vor allem die Bereitschaft der Panzerbrigaden-Kampfteams und Teile der 3. Infanteriedivision zusammenzuschweißen. Sie ist, so ist es einer Presseinformation der US-Army zu entnehmen, "konzentriert auf die Stärkung der Fähigkeit zur Zusammenarbeit verschiedener Strukturen". Dieses möglichst realistische Training ist sehr wichtig, um neben der Theorie die Praxis durchzuspielen. „Es gibt uns die Möglichkeit, in einer Umgebung zu trainieren, die wir auf keine andere Weise replizieren können“, heißt es in der Presseinformation.

Anders als "Saber Junction 2020"

Von amerikanischer Seite sind neben starken Panzerverbänden der 1. Kavallerie-Division, die 101. Combat Aviation Brigade, das 18. Bataillon zur Unterstützung für zivile Angelegenheiten und das 3. Bataillon des 121. Infanterieregiments der Georgia National Guard beteiligt. Weitere Teilnehmer kommen aus Rumänien, Slowenien, der Ukraine, Litauen, Italien, Nordmazedonien, Polen und Frankreich. Im Gegensatz zu der erst vor wenigen Wochen zu Ende gegangenen Übung Allied Spirit 20 ist Combined Resolve XIV eine ganz andere Übung.

US-Army übt bei Manöver "Saber Junction 2020"

Hohenfels

Sperren, Gräben, Stacheldraht und deren Sicherung hindern das Vorwärtskommen. Im Mittelpunkt stehen straff geführte Panzereinheiten, die von Infanterieverbänden und Pionieren Gefechtsunterstützung bekommen. Während sich "Saber Junction 2020" vor allem durch schnell verlegbare Luftlandeeinheiten mit Fallschirmjägerunterstützung ausgezeichnet hatte, geht es dieses Mal um eher herkömmliche Gefechtsfeldstruktur mit schnellen Panzerverbänden und Infanterie.

Massiv abgesichert ist auch der Brigadegefechtsstand der US-Panzerbrigade hinter dem Burgberg von Hohenburg hinüber zur ehemaligen Ortschaft Viehausen. Hier hat man Kommandostrukturen geschaffen, die einer befestigten Kleinstadt gleichen, denn schließlich laufen hier die militärischen Übungsfäden zusammen.

Auch nachts unterwegs

Da kommt es schon einmal vor, dass ein nächtlicher Aufklärungsversuch eines Schützenpanzers vom Typ Bradley in einer Minensperre kläglich scheitert oder ein hervorragend in Stellung gebrachter Mannschaftstransportwagen (MTW) der OPFOR-Soldaten mit einer panzerbrechenden Rakete einen Kampfpanzer M1 Abrams erfolgreich aufs Korn nimmt. Dass alles in geordneten Bahnen mit realitätsnaher Ausrichtung abläuft, dafür sorgen verschiedene Schiedsrichterteams, die bei jeder Gefechtshandlung dabei sind.

In der ehemaligen Ortschaft Haasla, oder Circletown, wie die Amerikaner sagen, weil es dort einen Kreisverkehr gibt, hat die Gegnertruppe der OPFOR-Kräfte ihren Gefechtsstand bezogen. Von dort begleitet der Chef der Bravo-Kompanie des 1. Bataillons des 4. Infanterieregiments, Peter Fortier, den Pressetross mit einem Hummer bis an die Grenze des Einzugsbereiches seiner Leute bei der ehemaligen Ortschaft Oberdietldorf.

Pioniere sind dort im freien Gelände mit mehreren schweren Planierraupen dabei, versetzt Panzergräben aufzuschieben und Sperren zu sichern. Sie sind gut einen Kilometer von Matzhausen entfernt. Damit machen sie ein Vordringen der angreifenden Panzer- und Infanterieverbände unmöglich.

Die Hohenfelser Opposing Forces (OPFOR) werden regelmäßig von den Soldaten des 1. Bataillons aus dem 4. Infanterieregiment gestellt. Ihre Hauptaufgabe ist es, den aus dem westlichen Teil des Übungsplatzes, aus der Velburger Ecke, anrückenden Verbänden – salopp gesagt – das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Feindliche Taktik des "Hausherrn"

Dass diese in Hohenfels stationierte Einheit einen besonders ausgezeichneten Ruf hat, liegt nicht nur daran, dass sie mit dem Gelände als „Hausherr“ bestens vertraut ist. Es ist auch ihre Motivation, mit der sie sich immer wieder gegen einen vermeintlich viel stärkeren Gegner stemmt, um so ihre „Balance of Power“ ins Gefecht einzubringen. Sie operiert meist nach feindlichen Taktiken und Einsatzgrundsätzen, um so innerhalb der militärischen Übung die größtmögliche Authentizität für die gegnerische Truppe darzustellen.

Lediglich drei dieser Ausbildungszentren betreibt die US-Army weltweit. Es sind das National Training Center in Fort Irwin im Bundesstaat Kalifornien, das Joint Readiness Training Center (JRTC) in Fort Polk im Bundesstaat Louisiana und das Joint Multinational Readiness Center (JMRC) in Hohenfels mit dem 1. Bataillon des 4. eigenständigen Infanterieregiments als permanente Gegner.

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Kommentare

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Yasmine McEvoy

Dieser Artikel beschreibt wirklich gut, was dort passiert. Als ehemalige COB bringt mich diese Berichterstattung zum Schmunzeln. Es ist auch als Rollenspieler wirklich ein Spass, dass Leben der uebenden Soldaten so schwer wie möglich zu machen.

29.09.2020