19.09.2021 - 09:35 Uhr
HohenfelsOberpfalz

Army zur Gefechtsübung in Hohenfels: "Wie Superbowl für uns“

Die Stryker-Brigade aus Vilseck stellt die Mehrheit der übenden Truppen bei „Saber Junction 21“ im Truppenübungsplatz Hohenfels. Insgesamt sind es knapp 3800 Soldaten, die an der Gefechtsübung teilnehmen; Oberpfalz-Medien waren dabei.

Tag und Nacht immer gefechtsbereit zu sein gehört bei "Saber Junction 21" für die Soldaten dazu.
von Paul BöhmProfil

Im Truppenübungsplatz Hohenfels läuft bis zum 24. September die US-Großübung „Saber Junction 21“ - dies aber ohne größere Lärm- und Geräuschentwicklung. Keine Schallmauer wird durchbrochen und niemand wird erschreckt, so die Army gegenüber der Presse. Nur leichtes Knattern der Hubschrauber und sporadischer Gefechtslärm sind in Schmidmühlen, Hohenburg und im übrigen Lauterachtal bei ungünstiger Windrichtung zu hören. Drohnen ziehen zwar ihre Kreise über dem Gefechtsfeld, aber das war es dann auch bisher, heißt es bei einem Pressetermin im Übungsplatz. Etwas mehr als 2000 US Soldaten des 2. US Cavalry Regiments aus den Rose Barracks in Vilseck sind heuer schon zum zweiten Mal nach Hohenfels gekommen, um ihre Einsatzfähigkeit unter Beweis zu stellen. Gut 600 Radfahrzeuge, 80 Kettenfahrzeuge und etwa vierzig Hubschrauber haben die „Dragoner“ im Tross dabei.

3800 Teilnehmer

Zu den teilnehmenden Nationen gehören zusätzliche Truppenkontingente aus Bosnien, Herzegowina, Bulgarien, Ungarn, Italien, Litauen, Moldawien, Nordmazedonien, Polen, Rumänien, Serbien der Ukraine und dem Vereinigten Königreich. Insgesamt sind es etwa 3800 Teilnehmer, die derzeit in Hohenfels üben.

Erstmals sind auch Soldaten der 3. Britischen Division in die Ausbildungseinrichtung der US Army nach Hohenfels zur Übernahme der Leitfunktion verlegt worden. Wie die Army mitteilt, handelt es sich um eine Validiierungsübung des gemeinsamen multinationalen Bereitschaftszentrums der USA für das 2. (US) Kavallerie-Regiment /2 CR) und die 1. Combat Aviation Brigade (1CAB). Das Ziel sei, die beiden Brigaden auf dem bayerischen Truppenübungsplatz, der größten US-Ausbildungseinrichtung in Europa, eine Reihe von anspruchsvollen Missionen durchspielen zu lassen, um sich für die Einsatzbereitschaft in möglichen europäischen und afrikanischen Krisengebieten zu qualifizieren, um den Verbündeten Sicherheit zu geben und das Bündnis der NATO zu stärken. Außerdem soll die Zusammenarbeit der 14 teilnehmenden Verbündeten und Partnernationen gefördert werden. Ein etwa 50-köpfigen Team des Hauptquartieres der 3. Britischen Division leitet und koordiniert dieses Mal die Ausbildung, hieß es.

Abwechslungsreiches Gelände

Für Major John Ambelang vom 2d Calvalry Regiment ist es "wie der Superbowl, wenn man nach Hohenfels zum Üben kommen kann", erzählt er in Kittensee, wo seine Einheit den rückwärtigen Gefechtsstand betreibt. „Das Gelände ist sehr abwechslungsreich strukturiert und sehr fordernd. Es ist ein imposanter Übungsplatz mit immens vielen Möglichkeiten, die verschiedensten Trainingsszenarien abzubilden."

Besuch im Übungsplatz

Oberpfalz-Medien waren hautnah bei der Übung dabei, hier die Schilderung der Eindrücke: Man muss schon früh am Morgen nach Hohenfels kommen, um in das Übungsgelände zu gelangen. Herbstnebel hängt noch in den Wäldern zwischen Albertshof und Kittensee und es ist beunruhigend ruhig. Man hört zwar Hubschraubergeräusche und dann nur wieder den eigenen Motor. Frische Spuren führen hie und da in die Wälder, wo sich die einzelnen Einheiten ihre Gefechtspositionen eingerichtet hatten. Gesicherte Stacheldrahtsperren sind auszumachen. Um eine Waldecke kommen fast lautlos einige Stryker-Schützenpanzer gefechtsmäßig gefahren. Man winkt sich höflich zu und dann ist es auch schon wieder vorbei, obwohl sich auf dem Truppenübungsplatzgelände mehr als 3000 Soldaten draußen in der Box aufhalten. Im Zeltlager von Kittensee, dem Gefechtsstand der Stryker, gibt Hauptmann Fong einen kleinen Lagebericht. Ein erstes Ziel beim Pressetermin ist ein Besuch der Stabs- und Versorgungskompanie der 3rd Squadron, 2nd Stryker Cavalry Regiments, das versteckt hinter Buschgruppen ihre Gefechtsstand samt Feldküche eingerichtet hat.

Infanterie lauert hinter Felsblöcken

Ein regennasse Spur ist der Wegweiser bergwärts. Ihr Chef, Major Tyler Inman berichtet, dass sich seine Einheit nicht nur um die Verpflegung zu kümmert, sondern auch noch eine ganze Menge militärischer Aufträge für die eigene Sicherheit zu erfüllen hat. Er erzählt, dass er erst seit drei Monaten in Deutschland sei, aber er hoffe, dass seine Standzeit mindestens drei Jahre oder auch länger sein kann. „I like it, to stay here in Bavaria“, sagt er, obwohl er bisher auch am Standort Vilseck ziemlich eingespannt ist. „Ich mag die Leute, ich mag die Menschen, sie sind alle sehr freundlich zu uns.“ Man hat dies auch auf der Herfahrt von Vilseck wiederholt bemerkt, als die Menschen immer wieder freundlich winken. Freilich, einen Traum hätte Major Tyler Inman dann schon noch, der Besuch des Oktoberfestes, meint er lachend.

Der Weg führt zurück über aufgeweichten Boden zum Bus für die Pressevertreter. Beim OP 19 (Operation-Point 19) in der Nähe der ehemaligen Ortschaft Pielenhofen scheint die Lage angespannt. Infanterie hat sich hinter Felsblöcken verschanzt und die Schiedsrichter schauen hinüber zum Schauerstein und warten mit einem Karton Simulatoren und Nebelkerzen unter dem Arm auf ihren Einsatz.

Black Hawk-Hubschrauber starten

In der Nähe des Dorfes Albertshof an der westlichsten Ecke des Truppenübungsplatzes gibt es die Möglichkeit, einem Schwarm von Black Hawk-Hubschraubern zuzuschauen, der sich gerade zu einem Einsatz aufmacht. Der Wind der Rotoren fegt über das herbstliche Gras und aus Richtung Raversdorf, Weidenhüll und Schwend mischt sich entfernter Gefechtslärm dazwischen. Es sind keine Panzermotoren, sondern nur das leichte Knattern von Maschinenwaffen, denn die Stryker sind fast lautlos bei dieser Übung in Hohenfels unterwegs. Man hört sie nicht, man sieht sie erst in letzter Sekunde, aber sie sind da.

Mehr über den Übungsplatz Hohenfels

Hohenfels

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.