23.06.2021 - 14:17 Uhr
HirschbachOberpfalz

Solar-Panels für Schulkinder: Hirschbacher wollen Licht nach Nepal bringen

Keine Heizung, kein Licht, stundenlange Fußmärsche auf 2500 Metern: Der Schulalltag für Kinder in nepalesischen Bergdörfern ist für Deutsche unvorstellbar. Manfred Salcher und Peter Meckler aus Hirschbach wollen dort das Licht "anknipsen".

Manfred Salcher und Peter Meckler vom Hirschbacher Verein „Licht für Kinder“ haben eine beschwerliche Reise hinter sich: Im März und April besuchten sie drei nepalesische Gebirgsdörfer. Nun wollen sie den ärmlichen Schulkindern mit Solartechnik helfen.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Manfred Salcher und Peter Meckler haben eine wahre Abenteuerreise hinter sich. Die beiden Vorsitzenden des Hirschbacher Vereins „Licht für Kinder“ waren laut einer Pressemitteilung im März und April in Nepal unterwegs. Nicht, um in Corona-Zeiten Urlaub zu machen, sondern um in völlig entlegenen Hochgebirgs-Dörfern ein Hilfsprojekt für Kinder voranzubringen, die dort unter Bedingungen leben, die für Oberpfälzer Schüler völlig unvorstellbar sind. Sonne und Technik spielen dabei die entscheidende Rolle.

Salcher, selbst erfahrener Bergführer, und Meckler wollen die zwischen 2300 und 2600 Höhenmetern gelegenen Dörfer mit Solaranlagen erschließen und somit den Kindern einen Zugang zu zeitgemäßer Bildung ermöglichen. Diesem Ziel sind sie einen großen Schritt näher gekommen.

Ursprünglich wollte „Licht für Kinder“ das Dorf Nalidanda, etwa 220 Kilometer östlich von Kathmandu im Distrikt Okuldungha gelegen, mit sogenannten Solar-Home-Systemen (SHS) ausstatten. Sie werden allein von Sonnenenergie gespeist und funktionieren ohne Netzanschluss. Die Solar-Panels haben eine Leistung von 30 Watt. Eingebaute Lithium-Ionen-Akkus sorgen dafür, dass auch bei Schlechtwetter die vier LED-Lampen noch mehrere Tage lang ausreichend Helligkeit spenden. Doch aus einem Dorf sind mittlerweile drei geworden: Neben Nalidanda will der Hirschbacher Verein auch Boksuwar und Mamerkhu mit Solarstrom versorgen. Der Zeitplan der Oberpfälzer Helfer ist ambitioniert – bereits im Herbst sollen die Anlagen laufen.

Motorschaden und Rüttelpiste

Die Reise in die drei entlegenen Bergdörfer war selbst für Bergführer Manfred Salcher eine gewaltige Herausforderung. „Nach einem Motorschaden, zweimaligem Umladen des Gepäcks und vier Stunden Rüttelpiste mit dem Jeep waren wir froh, abends in einem Sherpa-Haus ins Bett kriechen zu dürfen“, erzählt er laut der Presseinfo von der Tour nach Nalidanda. Die 80 Haushalte, die zu dem Ort gehören, liegen weit verstreut auf 2300 bis 2600 Metern Höhe. Strom und elektrisches Licht gibt es dort nicht.

„Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, alle 80 Haushalte zu besuchen, um die örtlichen Verhältnisse genauer kennenzulernen. Das bedeutete drei Tage Trekking von morgens bis abends – viele Kilometer und Höhenmeter in teils schwierigem und steilem Gelände“, erklärt Peter Meckler.

Boden aus Lehm, Kochen über Feuer

Auch die Schule in Nalidanda haben sich die beiden angesehen. Bis zu zwei Stunden seien die Kinder dorthin zu Fuß unterwegs. „Die Schule benötigt neben einer dauerhaften Beleuchtung für die fünf Klassenzimmer auch Lehrmaterial und warme Jacken für die Kinder im Winter, weil die Räume unbeheizt sind“, macht Salcher die Not der Bevölkerung im Hochgebirge deutlich. Ein Solar-Home-System ließen die beiden bereits vor Ort, ebenso eine Sofortspende von 250 Euro für Winterjacken für die Schulkinder.

Die Einheimischen sollen laut der Presseinfo von den Solarsystemen hellauf begeistert gewesen sein. Bei den Lebensumständen kein Wunder: Die Mauern der Häuser bestehen aus von Hand behauenen Steinen, die Dächer aus Wellblech. Der Boden ist Lehm. Gekocht wird auf offenem Feuer. Der Rauch zieht nicht oder nur schlecht ab, was zu gereizten Augen vor allem bei Frauen und Kindern führt, die oft zu Hause sind.

Kein elektrisches Licht im ganzen Dorf

Von Nalidanda aus machten sich Meckler und Salcher auf die beschwerliche Reise weiter nach Mamerkhu und Boksuwar. Die Dorfgemeinde habe die hilfsbereiten Fremden aus der Oberpfalz herzlich empfangen. Mamerkhu hat 70 Haushalte mit insgesamt 273 Einwohnern. Es gibt eine Grundschule, ein Kloster und eine Gesundheitsklinik – aber kein elektrisches Licht im ganzen Dorf. Das Dorf Chheskam auf der anderen Seite des Flusses ist dagegen seit zehn Jahren an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. "Die Bewohner von Mamerkhu laufen deshalb oftmals drei Stunden nach Chheskam, um dort ihre Handys aufzuladen", berichtet Manfred Salcher.

Boksuwar wiederum ist volle drei Stunden Fußmarsch von Mamerkhu entfernt. Das Dorf ist sehr abgelegen und befindet sich am Rande des Makalu-Barun-Nationalparks. Auf 17 Haushalte verteilt, leben dort 113 Menschen. Die nächstgelegene Schule ist in Mamerkhu. Wollen die Kinder dorthin, müssen sie zu Fuß Wälder und Flüsse durchqueren.

10 000 Euro fehlen

Für Salcher und Meckler war nach ihrer dreiwöchigen Reise klar, dass sie allen drei Dörfern helfen und mit Solaranlagen erschließen wollen. „Dafür benötigen wir insgesamt 200 Solar-Home-Systeme. Das kostet circa 33.000 Euro, eventuelle Zuschüsse der nepalesischen Regierung schon eingerechnet“, fasst Salcher zusammen. „Für den Transport von Kathmandu und die Montage im Dorf sorgen die Gemeinden selbst. Wir unterstützen lediglich mit einer Schulung vor Ort.“

Im Oktober ist die nächste Reise nach Nepal geplant. Dann sollen die Anlagen installiert werden. Zwar hat „Licht für Kinder“ mit „Himalayan Trust Nepal“ einen professionellen Partner an der Seite. Auch Spenden sind schon eingegangen, unter anderem 5000 Euro von der Firma Naturstrom sowie 2000 Euro vom Amberger Lions Club. Für die Finanzierung fehlen dem Verein aktuell noch rund 10.000 Euro.

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Wände aus Holz, der Boden aus Lehm. Im nepalesischen Gebirgsdorf Nalidanda lernen die Kinder in teils eisigen Klassenzimmern ohne Heizung und elektrisches Licht. Der Schulweg dauert Stunden und führt durch Wälder und Flüsse.
Begeisterter Empfang für die Helfer aus Hirschbach: Auf 2500 Metern freuen sich die Bewohner der kleinen und abgelegenen Dörfer über jeden Besuch – erst recht dann, wenn sie Solartechnik für Stromlampen mitbringen.
Info:

Spenden für "Licht für Kinder"

  • Institut: Raiffeisenbank Hersbruck
  • IBAN: DE17 7606 1482 0000 3719 98
  • BIC: GENODEF1HSB
  • Alternativ Paypal: www.licht-fuer-kinder.de

"Die Bewohner von Mamerkhu laufen deshalb oftmals drei Stunden nach Chheskam, um dort ihre Handys aufzuladen."

Manfred Salcher

 

 

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