08.09.2020 - 10:39 Uhr
HirschauOberpfalz

Historischer Rathausdachstuhl von Hirschau wird als Modell ausgestellt

Ein Kunstwerk ist von Januar bis April unter den geschickten Händen des 82-jährigen Zimmerermeisters Josef Hauer entstanden. Der Mann aus Parkstein hat einen Nachbau des historischen Dachstuhls des Hirschauer Rathauses angefertigt.

Hinter dieser Eingangstür des Hirschauer Rathauses ist nun das Dachstuhlmodell zu bewundern. In Empfang genommen wird es von (von links) Karl Müller (Betreuer der Projekte), Manfred Reiß (Vorsitzender des Heimatvereins Parkstein), Maria Hauer und ihr Mann Zimmerermeister Josef Hauer sowie (rechts neben dem Modell) Josef Donhauser (Vorsitzender des Vereins der Zimmerer und Schreiner Amberg) und die Bürgermeister Hermann Gebhard, Bärbel Birner und Hermann Falk.
von Gerhard FleischmannProfil

Josef Hauer bastelte als 33. von 34 historischen Dachstuhlnachbauten in seiner ehemaligen Zimmerei in Parkstein einen Nachbau des historischen Konstrukts im Hirschauer Rathaus an. Dessen Dachstuhl stammt aus dem Jahr 1490 und ist in seiner Art einmalig in der Oberpfalz.

Wie das Original besteht die Kopie aus 961 Einzelteilen, nur verbunden mit 2039 Holznägeln und 4000 Zapfenverbindungen – so wie es im 15. Jahrhundert üblich war. Bürgermeister Hermann Falk nahm in Anwesenheit von Josef Hauer, seiner Frau Maria und des Organisators Karl Müller, eines pensionierten Fachlehrers aus Amberg und ebenfalls Fachmann im Zimmererhandwerk, das fertige Modell im Rathaus in Empfang. Die Idee zu dem Projekt hatte Josef Kohl aus Massenricht. Falk zeigte sich begeistert von dem Kunstwerk, das im Treppenaufgang des Hirschauer Rathauses zu bestaunen ist.

Um das Jahr 1490 sei bei einem Bauwerk dessen Haltbarkeit eine wichtige Eigenschaft gewesen, bemerkte Josef Hauer. Und mit einem Augenzwinkern meinte er: "Über 500 Jahre hat das Original schon gehalten – heute werden Häuser manchmal schon nach 50 Jahren wieder abgerissen." Der Dachstuhl des Hirschauer Rathauses ist im Original 28,5 Meter lang und 14,5 Meter breit, das Modell misst etwa zwei mal einen Meter. Alle Teile sind nummeriert. 5278 Meter Kantholz, insgesamt 178 Kubikmeter, sind im Original verbaut.

Hauer hat etwa drei Monate Zeit in das Modell investiert, täglich um die acht Stunden. Für ihn sei das nicht nur ein Hobby. Vielmehr sei es seine Passion, der Bevölkerung den Zimmererberuf und die Kunstfertigkeit früherer Zeiten nahe zu bringen. Er sei begeistert von diesem Handwerksberuf und beeindruckt davon, welche Kunstwerke früher ohne Computer mit relativ einfachen Werkzeugen, enormem Fachwissen und viel Geduld geschaffen worden seien.

Josef Hauer betrieb von 1960 bis 2005 eine eigene Zimmerei, die er dann zehn Jahre verpachtete. Seit 2016 hat er sich dem Bau von Dachstuhlmodellen verschrieben. Das Rathaus in Weiden, der Salzstadel in Regensburg, der Liebfrauendom zu München und der außergewöhnliche Dachstuhl der Basilika St.Martin in Amberg finden sich ebenso unter seinen Werken wie der älteste Dachstuhl Tschechiens, der auf der Franziskanerkirche in Eger sitzt. 22 seiner Modelle werden wohl heuer noch nach Eger umsiedeln und dort im Rahmen eines bayerisch-böhmischen Projekts zu sehen sein.

Inzwischen schauen Professoren mit ihren Studenten, aber auch Baufachleute öfters bei Josef Hauer vorbei. Er sei nur der Handwerker, die Projekte selbst erläutere meist Karl Müller, meinte Hauer bescheiden. Hauer will an seiner Kunst nichts verdienen. So konnten sich Manfred Reiß vom Heimatverein Parkstein und Josef Donhauser als Vorsitzender des Vereins der Zimmerer und Schreiner Amberg über Spenden freuen. Denn die anwesenden drei Hirschauer Bürgermeister Hermann Falk, Bärbel Birner und Hermann Gebhard hatten privat Geld zusammengelegt. Donhauser trug Hauer zudem die Ehrenmitgliedschaft im Verein an, was der positiv aufnahm.

Die Nummer 33

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