18.04.2021 - 16:03 Uhr
HirschauOberpfalz

Gustav-Adolf-Gedächtniskirche hat Außensanierung bitter nötig

Eine Glocke, die mehr quietscht als klingt, ein kalter Lufthauch beim Vaterunser und die Gefahr, dass einem beim Rausgehen ein Dachziegel auf den Kopf fällt: Die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche hat eine Außensanierung bitter nötig.

Die Schäden am Dach der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche und die undichten Dachrinnen machten eine Sanierung des Gotteshauses unumgänglich. Die Finanzierung der Maßnahme wird allerdings ein finanzieller Kraftakt für die evangelische Kirchengemeinde.
von Adele SchützProfil

"In diesem traurigen Zustand sollen kommende Generationen die Hirschauer Gustav-Adolf-Gedächtniskirche nicht vorfinden", meint Stefan Fischer, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Hirschau. Schließlich soll das Gotteshaus doch ein strahlender Identitäts-Ort evangelischen Lebens sein. Den Mitgliedern seiner Gemeinde versichert er: "Wir brauchen die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche aus guten Gründen auch in Zukunft."

„Kleine Ausbesserungsarbeiten, die ich auch gerne selbst in die Hand nehme, reichen bei dem Ausmaß der Schäden nicht mehr, da müssen Profis ran", sagt Pfarrer Stefan Fischer.

Der Zahn der Zeit habe an der im Frühjahr 1932 eingeweihten Kirche genagt. Gerade in den vergangenen Jahren hätten sich Ausbesserungsarbeiten am Dach gehäuft, immer wieder seien Dachziegel verrutscht oder heruntergefallen. Kostspielige Reparaturen seien die Folge gewesen. "Einmal waren die Firstziegel betroffen, so dass der Eingang zur Kirche gesperrt werden musste", so Fischer. Gottesdienst-Besucher hätten in dieser Zeit die Kirche nur über die Sakristei betreten können.

Bei einem Ortstermin seien die Architektin der Verwaltung und ihr Kollege der Evangelischen Landeskirche angesichts der Schäden am Dach zu dem Ergebnis gekommen, dass dieses neu eingedeckt werden müsse. Weitere Schäden am Gebäude machen laut Fischer eine umfassende Außensanierung dringend nötig. Dabei sollen die Flügeltüren abgedichtet und der Kirchenvorraum mit einer Schmutzfangmatte ausgestattet werden. Angeschafft würden auch neue Dachrinnen.

"Eine gewaltige Summe"

Damit das Glockengeläut künftig besser klinge, soll die Glockenaufhängung nebst Schallläden erneuert werden, so Fischer weiter. Ausgetauscht werden außerdem die Schlösser. So könnte dann die Sakristei abgesperrt, die Kirche auch außerhalb der Gottesdienste geöffnet werden.

Die Kosten für die Außensanierung gibt der Pfarrer mit 140 000 Euro an. "Eine gewaltige Summe für eine Gemeinde mit gerade einmal 800 Mitgliedern", kommentiert er diese Zahl, betont aber auch: "Wir wollen unseren Enkeln keine marode Kirche überlassen und haben uns deshalb entschlossen, diese Investition zu tätigen." Zuwendungen der Landeskirche und der öffentlichen Hand seien wahrscheinlich.

Zwar habe die evangelische Kirche schon Rücklagen für die Sanierung gebildet, doch die gesamte Summe könne nur mit privaten Zuwendungen aufgebracht werden. Inzwischen sei eine Förderergemeinschaft der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche gegründet worden, Spenden seien auf deren Konto (DE26 7606 9486 0000 1717 00; Verwendungszweck Kirchensanierung) möglich. Angesichts einer eigentlich notwendigen Generalsanierung sei die Außensanierung weniger als wünschenswert. Denn: "Die ebenso erforderliche Innensanierung muss erst einmal warten."

Ein Ort der Begegnung

Der Pfarrer hofft nun auf viele Spenden, so dass der jetzt geplanten Maßnahme die Innensanierung folgen könne. Allerdings betont er, dass es ihm nicht in erster Linie um die Spenden gehe. "Denn was nutzt eine frisch sanierte Kirche, wenn sich niemand mit ihr identifiziert?", so seine rhetorische Frage. Kirche sei ein Begegnungs- und Identitätsort des evangelischen Lebens, aber auch ein Ort, an dem Menschen ein Stück Heimat finden sollen. "Ohne die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche ist die evangelische Kirchengemeinde in Hirschau heimatlos", sagt der Pfarrer. Und genau deshalb setzt er sich für den Erhalt der Kirche und damit für deren Renovierung ein.

"Generationen vor uns haben mit Mühe und viel Herzblut für eine eigene Kirche gekämpft, um einen Ort des Trostes bei Gott zu haben. Familienfeste und auch Trauerfeiern machen die Kirche zum Erinnerungsort und insbesondere der Empfang der Sakramente zum Segensort", sagt der Pfarrer und verweist darauf, dass die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche dank ihrer Akustik eine bedeutende Konzertkirche sei. Durch ein neues Schließsystem könne die Kirche künftig auch außerhalb der Gottesdienste offen sein - als Raum, um dem Alltag zu entfliehen und durchzuatmen.

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