01.12.2020 - 10:33 Uhr
HirschauOberpfalz

Gedenkgottesdienst für Verstorbene ermöglicht evangelischen Christen in Hirschau öffentliche Trauer trotz Corona

Zum Abschluss des Kirchenjahres am Ewigkeitssonntag gedachte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Hirschau ihrer Verstorbenen und ermöglichte den Angehörigen öffentliche Trauer auch im Corona-Ausnahmejahr.

Pfarrer Stefan R. Fischer liest beim Gedenkgottesdienst am Ewigkeitssonntag die Namen aller 2020 verstorbenen Kirchengemeindemitglieder vor, für die Kirchenvorsteher Manfred Hellbach jeweils eine Kerze an der Osterkerze entzündet.
von Adele SchützProfil

Pfarrer Stefan R. Fischer zelebrierte dazu in der Gustav-Adolf-Gedächtnis-Kirche insbesondere mit den Angehörigen der zehn in diesem Jahr verstorbenen Gemeindemitglieder einen besonderen Gottesdienst. Die musikalische Gestaltung des gut besuchten Gottesdienstes übernahm Thomas Falk an der Orgel.

„In besonderer Weise wird uns angesichts der Corona-Pandemie am Ewigkeitssonntag bewusst, wie zerbrechlich und vergänglich unser Leben ist“, bemerkte Pfarrer Fischer. Der Verlust eines geliebten Menschen bedeute stets eine schmerzliche Erfahrung. Der Geistliche betonte: „Als Christen glauben wir aber, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Denn Christus ist für uns gestorben und auferstanden, damit unser Weg ins Leben geht und dass er kommt, um uns an die Hand zu nehmen, wenn wir alles loslassen müssen.“

Fischer lud die Gottesdienstbesucher ein, ihre Gedanken noch einmal zu den Menschen zurückgehen zu lassen, die im vergangenen Jahr gestorben sind. Er machte bewusst, dass mit deren Namen Erinnerungen an das gemeinsame Leben und Gefühle verbunden seien. Der Geistliche verlas die Namen der zehn 2020 verstorbenen Kirchengemeindemitglieder und entzündete an der Osterkerze für jeden Einzelnen eine Kerze an. „Wir zünden die Kerzen an der Osterkerze an, als Zeichen dafür, dass unser Leben im Osterlicht Christi nicht verlorengeht“, bemerkte der Geistliche. Er lud die Anwesenden ein, die entzündeten Kerzen mit nach Hause zu nehmen oder sie an das Grab der Verstorbenen zu bringen.

In seiner Predigt blickte Pfarrer Fischer auf das Corona-Ausnahmejahr zurück, das insbesondere für jene schwer gewesen sei, die einen geliebten Menschen verloren haben. Nach seinen Aussagen sei es ist immer schwer, wenn man einen Menschen verliert, der einem etwas bedeute. Trauer sei laut Pfarrer Fischer nötig, um mit dem Verlust eines geliebten Menschen zurechtzukommen. Er erinnerte: „Heuer stand das Abschiednehmen vielfach noch vor ganz anderen Herausforderungen. Kein Trauergottesdienst in der Kirche, nur am Grab. Oft hat eine Beerdigung nur 15 Minuten gedauert mit Abstandhalten und Masketragen. Und das, obwohl die Trauernden doch gerade Nähe brauchen – sei es in Form einer haltenden Hand oder einer stillen Umarmung." Termine seien nicht veröffentlicht worden. Vielen sei so auch schlicht die Chance genommen worden, in Würde und in einem angemessenen Rahmen Abschied zu nehmen. "Es war und ist bis heute eine abstruse Situation", bemerkte der Geistliche. Und weiter: "Was gut tut, bleibt aus, weil es krank macht oder gar töten kann." Das allesleuchte irgendwie ein, sei aber oft schwer auszuhalten.

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