23.07.2021 - 09:16 Uhr
HirschauOberpfalz

Deutliche Bürgerkritik an geplanter Freiflächensolaranlage Kricklhof

Auch der Hirschauer Stadtrat hat inzwischen mehrere Anträge auf Freiflächensolaranlagen befürwortet. Die Behandlung des vom Projektanten als „Energiestandort Kricklhof“ bezeichneten Projekts steht noch an. Viele Bürger sehen es kritisch.

Das Thema „Energiestandort Kricklhof“" erregt bei vielen Hirschauer Bürgern Unmut. Sie sehen das Projekt eher kritisch, wie in einer Bürgerfragestunde erkennbar wurde. Diese Aufnahme stammt aus dem Raum Ebermannsdorf.
von Gerhard FleischmannProfil

Bei einem von der Stadt Hirschau organisierten Infoabend stellte Manfred Striegl von der Firma Primus gemeinsam mit Marcus Vilsmeier vom Kooperationspartner Fronteris Immobilien das Projekt „Energiestandort Kricklhof“ – eine Freiflächenphotovoltaikanlage – vor. Der Hirschauer Stadtrat habe 2008 beschlossen, energieautark zu werden. Bis jetzt liege die Quote bei etwa 26 Prozent, bislang also "Ziel verfehlt". Durch die bislang genehmigten Projekte Träglhof, Kindlas und das neue Projekt „Kricklhof“ ergebe das eine deutliche Steigerung der Deckung speziell im Sommerhalbjahr, startete Striegl.

Geplant sei auf 15,3 Hektar eine Modulfläche auf neun Hektar, 40 Prozent blieben für Abstands- und Ausgleichsflächen sowie die Eingrünung. Die ursprüngliche Planung sei verkleinert worden, die Ausgleichsfläche vergrößert. Die derzeit landwirtschaftliche Fläche werde zu extensivem Grünland mit Dünge- und Pestizidverbot. Auch eine Dorf-nahe Streuobstwiese, Totholz oder Steinhaufen als Rückzugsgebiet für Kleintiere seien vorgesehen. Die Eingrenzung erfolge durch einen Zaun sowie eine zweireihige Hecke, die in ein paar Jahren drei bis vier Meter hoch werden soll. Ergänzt werde die Hecke durch dreireihige Agrarforststreifen, deren Bäume nach einigen Jahren deutlich über zehn Meter hoch würden und dann zu Hackschnitzeln verarbeitet würden. Das steigere den Sichtschutz deutlich. Damit bleibe der Grund als landwirtschaftliche Nutzfläche erhalten, so Striegl weiter.

Blendgutachten verpflichtend

Die Anlage liefere den jährlichen Energieertrag für etwa 10 000 Personen oder 3300 Haushalte. Im Vorfeld sei ein Blendgutachten verpflichtend. Bislang werde auf der Fläche etwa fünf Prozent der für die benachbarte Biogasanlage benötigten Rohstoffe erzeugt. Die Fläche würde nur zu etwa einem Prozent versiegelt, die Module würden ohne Betonfundament aufgestellt. Manfred Striegl bot die Bildung einer Projektwerkstatt an, die den Genehmigungsprozess begleite, in der auch etwa Sprecher von Ortsteilen oder Bürger, die Einwendungen hätten, mitarbeiten könnten. Striegl: "Das ist transparenter als das Bauleitverfahren alleine, das natürlich mit Fachstellen und Bürgeranhörung durchlaufen werden muss."

Marcus Vilsmeier informierte über Beteiligungsmöglichkeiten durch Privatleute. Man wolle einen Anteil der Investition dafür anbieten. Beteiligungen seinen zwischen 1000 und 25 000 Euro möglich bei Laufzeiten zwischen 7 und 20 Jahren. Die sichere Verzinsung werde zwischen 2,5 und 3,5 Prozent liegen, hieß es. Hirschauer Bürgern werde vorrangiges Zeichnungsrecht eingeräumt. Das laufe als Crowdfunding und werde digital abgewickelt. Der größere Investitionsanteil werde über Bankzinsen finanziert. Die anfallende Gewerbesteuer bleibe in Hirschau.

Bürger üben viel Kritik

Keiner der anwesenden Bürger äußerte sich in der Diskussion positiv zum Vorhaben. Es sei auch enttäuschend, dass außer Stadtrat Rudolf Wild anfangs niemand aus dem Gremium anwesend war, kam aus den Reihen Anwesenden, die zum Großteil aus den Ortsteilen Weiher, Kricklhof und Dienhof kamen. Auch Bürgermeister Hermann Falk hatte mehr Teilnehmer erwartet.

Die Bürgermeinungen in Kürze: Der Standort sei landschaftlich völlig unpassend, störe das wunderschöne Panorama und den Blick zum Monte Kaolino. Durch den Wegfall der Fläche für die Biogasanlage fielen weitere Anfahrten für das Grüngut an, was in keiner Weise ökologisch sei. Es gebe einen Beschluss des Stadtrats im Sichtbereich Monte/Rotbühl, kein Windrad zu erlauben, bei dieser riesigen Anlage sei das scheinbar anders. Es gebe genügend freie Dächer zur Solarnutzung, da müsse kein wertvolles Agrarland genutzt werden. Die Sicht auf der Verbindungsstraße Dienhof-Kricklhof sei wegen der Kurven schon bei Maisanbau jahreszeitlich eingeschränkt, das werde sich mit der Hecke verschlechtern. Warum müsse es genau diese Fläche, voll im Sichtfeld, sein?, war zu hören. Es sollte in einem Fragebogen die Meinung der Bürger in den umliegenden Ortsteilen zum Projekt seitens der Stadt erfragt werden. Aber auch alle anderen Hirschauer könnten sich äußern.

Stadtrat muss nun abwägen

Marcus Vilsmeier und Manfred Striegl antworteten geduldig, stießen aber oft auf Kopfschütteln. Bürgermeister Hermann Falk nahm die Fragen mit, jetzt ist es am Stadtrat, in einer der nächsten Sitzungen abzuwägen, ob ein Bauleitplanverfahren anlaufen soll. Die Planungshoheit liegt bei der Stadt.

Bürger, die verhindert waren, können die Präsentationen der Projektanten auf der Internetseite der Stadt Hirschau (www.hirschau.de) einsehen und auch ihre Meinung bei der Stadtverwaltung einbringen.

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