18.09.2020 - 09:28 Uhr
HirschauOberpfalz

Bach in Hirschau mit Fäkalien überschwemmt

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Am Ufer gammelt Klopapier vor sich hin. Im Wasser schwimmen braune Teilchen. Das ist der Schweitzbach in Hirschau, ein ekelhaftes kleines Rinnsal, das unterhalb der B14 zum Fäkalien-Abtransport mutiert ist. Anwohnern stinkt das zum Himmel.

Der Schweitzbach in Hirschau vom Mittlerem Torgartenweg aus: Das Ufer ist gesäumt von getrocknetem Klopapier, im Wasser schwimmen braune Hinterlassenschaften. Anwohner beklagen den Zustand.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Der Weg dorthin führt durch den Mittleren Torgartenweg, der parallel zur B14 und zur Ortsmitte in Hirschau verläuft. Hier haben die Anwohner braunen Tretminen den Kampf angesagt. "Hier bitte nicht" ist vor einer durchgestrichenen Hunde-Silhouette zu lesen. Oder: "Lassen Sie Ihren Hund zur Abwechslung mal vor ihre eigene Tür kacken", heißt die unmissverständliche Anweisung auf den Schildern, die an Gartenzäunen angebracht wurden und den Weg von Spaziergängern säumen.

Der Appell der Anwohner an den gesunden Menschenverstand eines Herrchens oder Frauchens ist unverkennbar. Am Ende des kurzen, geschotterten Wegstücks, kurz vor der Einmündung in die Burgstraße, helfen aber auch keine Hinweistafeln mehr. Hier bringt der Schweitzbach menschliche Fäkalien mit. Das Gewässer steht vor Dreck und fließt kaum noch. Auf dem eingemauerten Uferrand gammelt meterweise benutztes Klopapier vor sich hin. Den Anwohnern stinkt das.

Sie wandten sich an Oberpfalz-Medien, um auf das Problem öffentlich aufmerksam zu machen. Im Rathaus, im Wasserwirtschaftsamt, im Gesundheitsamt - überall seien sie schon vorstellig geworden, dort sei das Problem seit Jahren bekannt. Es passiere aber nichts, berichten die fünf Personen, die lieber anonym bleiben möchten. Die Zeit, in der während des Lockdowns die meisten Hirschauer zu Hause bleiben mussten, hat ihr Geduldsfass nach Jahren endgültig zum Überlaufen gebracht. Normalerweise würden nach einem Regen tonnenweise braune Hinterlassenschaften angeschwemmt. An diesem Vormittag hat es schon seit längerem nicht mehr geregnet und trotzdem gammelt Dreck vor sich hin. "Das ist noch gar nichts", echauffieren sich Anwohner und berichten von Schmeißfliegen und ekelhaftem Geruch. Schon ein kurzer, normaler Regenguss bringe mittlerweile braune, mit Klopapier garnierte Soße. Bei Starkregen hatten die Anwohner schon selbige im Keller.

"Das ist ein großes Problem", bestätigt Bürgermeister Hermann Falk auf Nachfrage. Er verspricht: "Wir versuchen eine Lösung zu finden." In Gesprächen mit dem Landratsamt und dem Wasserwirtschaftsamt sei bereits versucht worden, das Problem zu ergründen. Das Problem sei ein Regenrückhaltebecken einige Meter entfernt, das bei Regen überlaufe. Bautechniker Thomas Dotzler von der Stadt Hirschau erklärt die technischen Details: Normalerweise laufe das Abwasser durch das Rückhaltebecken zur Kläranlage, wo es gereinigt werde. Bei Regen werde die erhöhte Flüssigkeitsmenge im Becken zwischengelagert. Wenn der Speicherplatz ausgeschöpft sei, finde ein Überlauf statt. Ein verdünnter Teil werde ans Gewässer abgegeben. Warum "hygienische Störstoffe" nun ebenfalls in den Bach mitgehen, erklärt Dotzler mit den turbulenten Strömungen, die beispielsweise bei Starkregen stattfinden. "Durch die Verwirbelungen werden Toilettenartikel mit ausgeschwemmt." Das Becken sei 1995 nach dem damaligen Stand der Technik eingebaut worden.

Was bisher dagegen getan wurde: "Als erste Maßnahme wurde eine sogenannte Froschklappe eingebaut. Weiter wollen wir in dem Rückhaltebecken einen Rechen einbauen, der die Fäkalien zurückhält", sagt Falk. Hier liefen bereits Gespräche mit Fachfirmen. Die Lösung des Fäkalien-Problems werde der Stadt Hirschau zwischen 80 000 und 100 000 Euro kosten. "Das Geld ist im aktuellen Haushalt eingeplant", verspricht der Bürgermeister. Ob sich im Schweitzbach dann wieder Lebewesen ansiedeln, ist offen. Ein Anwohner erzählt, wie er als Kind dort Fische gefangen hat. "Mit leeren Dosen, die wir einfach auf den Grund gedrückt haben." Ein anderes Paar habe das Wasser immer zum Gartengießen genommen. "Da hätte man heute die Düngung gleich dabei", witzelt der Rentner. So richtig lachen kann aber keiner. Wenn schon das Fäkalien-Problem auf die Schnelle nicht gelöst werden kann, dann sollte man vielleicht den Kanal komplett einhausen, lautet ein Vorschlag.

"Eine Einhausung wird seitens des Wasserwirtschaftsamts nicht gewünscht", sagt Bürgermeister Hermann Falk. Doch er verspricht: "Auf jeden Fall soll diese Problematik noch in diesem Jahr gelöst werden. Der Bach wurde ja bereits ausgebaggert, um den Abfluss zu beschleunigen. Ich hoffe, dass wir das technisch in den Griff bekommen." Das hoffen die Anwohner auch.

Auf jeden Fall soll diese Problematik noch in diesem Jahr gelöst werden. Der Bach wurde ja bereits ausgebaggert, um den Abfluss zu beschleunigen.

Bürgermeister Hermann Falk

Bürgermeister Hermann Falk

Artikel über den Stadtrat Hirschau finden Sie hier

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