09.10.2019 - 14:13 Uhr
Hessenreuth bei PressathOberpfalz

Harvester im Hessenreuther Wald: Großer Einsatz für den Klimawald

Der heiße Sommer hat den Buchen im Hessenreuther Wald zugesetzt. Mit einem speziellen Harvester werden nun abgestorbene Bäume entnommen. Die Bayerischen Staatsforsten treiben damit auch das Projekt Klimawald voran.

von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

"Das bereitet uns Kopfzerbrechen", gibt Forstbetriebsleiter Philipp Bahnmüller von den Bayerischen Staatsforsten zu. Er spricht über den Zustand der Buchen in den Wäldern des Forstbetriebs Schnaittenbach. Im Hessenreuther Wald zwischen Pressath und Erbendorf findet sich ein hoher Buchenanteil. Doch die Bäume haben in diesem Jahr gelitten. Der heiße Sommer hat ihnen zugesetzt. "Die Buche war bisher ein Hoffnungsträger für den Klimawandel", sagt Bahnmüller.

Doch die neue und etwas überraschende Entwicklung stellt die Staatsforsten nun vor eine Herausforderung. Revierleiter Hans Frisch erklärt: "Bislang war vor allem die Fichte von Dürreschäden betroffen. Doch in diesem Jahr haben auch alte Buchen 70 bis 80 Prozent ihres Laubes verloren. Sie sind von oben her dürr geworden." Das birgt auch für Wanderer, Pilzesammler und Langläufer Gefahren. Die Äste drohen auf die Wanderwege und Langlaufloipen zu fallen. "Hier sind wir in der Pflicht für Sicherheit zu sorgen", sagt Bahnmüller.

Deswegen wird derzeit eine spezielle Maschine für die Entfernung der abgestorbenen Buchen an den Wegesrändern im Hessenreuther Wald eingesetzt: Ein Harvester mit Baumhaltertechnik, der die Bäume stehend aus dem Wald entnehmen kann. Nur eine handvoll Unternehmen bietet diese Art von Baumentnahme an. Im Hessenreuther Wald führt diese Arbeiten Stefan Lorenz von der Firma Lorenz aus Bodenwöhr durch.

Mit dem etwa 850.000 Euro teuren Harvester kann dank eines speziellen Harvesterkopfes mit Greifarmen der Baum stehend entfernt werden. Wie eine Kerze wird dieser aus dem gesunden Bestand entnommen. "Diese Art der Entnahme hat viele Vorteile. Zunächst ist es einfach sicherer für die Waldarbeiter, da diese nicht von herunterfallenden Ästen getroffen werden können. Die Stehentnahme der Bäume ist zudem schonend für den Bestand, weil der Baum nicht dort gefällt wird, sondern an vorgesehenen Bereichen abgelegt wird. Es sind sanfte Riesen", erklärt Bahnmüller. Ein weiterer großer Vorteil ist die Geschwindigkeit. "Pro Stunde schaffe ich zwischen 20 und 40 Festmeter mit dem Harvester", sagt Lorenz. "Am Tag sind so bis zu 250 Festmeter möglich. Also ein Vielfaches von dem, was Waldarbeiter schaffen", erläutert Frisch.

Das so geerntete Holz ist nicht nur ein hochwertiger Rohstoff, zum Beispiel für die Möbelindustrie, sondern speichert auch langfristig das CO2, das es der Luft beim Wachstum entzogen hat. Holznutzung und -verwendung ist somit ein wichtiges Instrument im Kampf gegen den Klimawandel. "Der Wald leidet unter den höheren Temperaturen und den geringeren Niederschlägen. Wenn wir ihn aber bewirtschaften und das Holz nutzen, wird das CO2 langfristig gebunden", sagt Bahnmüller.

Das Absterben der alten Buchen im Hessenreuther Wald bedeutet aber nicht das Ende des Waldes. Denn überall steht schon die nächste Baumgeneration bereit. Buchen, Fichten, Tannen, Eichen und Ahorn. "Jede Baumart ist wichtig. Wir achten auf eine ausgewogene Mischung", erklärt Revierleiter Frisch. Seine Aufgabe ist es auch den Baumbestand im Blick zu haben. "Wir haben den Anspruch vier oder mehr Baumarten hier im Hessenreuther Wald zu haben. Fichte, Tanne, Buche und Bergahorn. Sehen wir Lücken im Wald pflanzen wir nach. Dabei orientiere ich mich am Licht, das in den Wald fällt. Wir nennen das, Lichtregime des Försters. Hier wurden seit Bestehen der Bayerischen Staatsforsten bereits 14.000 Tannen gepflanzt", erläutert er.

Forstbetriebsleiter Bahnmüller weiß, dass das Anlegen eines Klimawaldes ein langfristiges Projekt ist: "Es ist wie beim Klimawandel selbst. Den spürt man auch erst über die Jahre. Das ist auch bei den Veränderung im Wald so. Wir schauen uns in anderen Regionen um, die ein Klima haben, das uns in Zukunft bevorstehen könnte. So gibt es schon Überlegungen in Zukunft auch auf Zedernarten zu setzen. Allerdings wird das noch dauern. Sie werden wohl nächstes Jahr noch keine Zedern im Hessenreuther Wald finden."

Neben den jungen Bäumen finden sich aber auch Totholzbäume im Hessenreuther Wald. Der Harvester schneidet manche Bäume weiter oben am Stamm ab. Dieser "Hochstumpf" bleibt dann bestehen. Grund dafür ist der Tier- und Artenschutz. "Alte Buchen bieten mit ihren Baumhöhlen eine ideale Heimat für höhlenbrütende Vogelarten wie den Specht. Aber auch Haselmäuse und Insekten nutzen den Stamm als Lebensraum. Hier im Hessenreuther Wald sind auch Wildkatzen beheimatet, die die Stämme für ihre Krallen nutzen", klärt Frisch auf. Etwa zehn Totholzbäume pro Hektar verbleiben so im Wald. "Eine große Tier- und Artenvielfalt ist wichtig. Wir möchten, wo es möglich ist, Biotopbäume erhalten. Die Harvestertechnik ermöglicht es uns, nur die Krone zu fällen und den Stamm stehen zu lassen", erklärt Bahnmüller.

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