27.01.2020 - 16:50 Uhr
Hermannsreuth bei EbnathOberpfalz

Lach-Yoga: Training für Körper und Lachmuskeln

Kollegin Lucia Seebauer macht beim "Lach-Yoga" in Hermannsreuth bei Ebnath mit. Anfangs ist ihr gar nicht komisch zumute - jedoch lernt sie, mit welchen Techniken man ohne Grund lachen und dabei noch seinen Körper stärken kann.

Eine komische Übung, die auf jeden Fall zum Lachen anregt, ist das Löwen-Lachen. Kollegin Lucia Seebauer ist beim Lach-Yoga.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Ich stehe vom Stuhl auf, nehme das rechte Bein nach vorne, klatsche in die Hände und fange an, grundlos zu lachen: "Ho-ho-ha-ha-ha". Mit den anderen Kursteilnehmern wiederhole ich die Übung. Zuerst komme ich mir merkwürdig vor. Dann, als der ganze Raum laut vor Lachen schallt, kommt das "Ha-ha-ha" ganz von allein.

Keine Verrenkungen

Meine Backen glühen, die Kiefermuskeln ziehen sich bis zu den Ohren und meine Bauchmuskeln schmerzen: Ich bin beim Lach-Yoga mit Dr. Ute-Heide Kleppik vom Institut für positive Lebensführung. Die Ärztin aus Parkstein erklärt: "Lach-Yoga tut allen gut." Gleichzeitig nimmt sie den Besuchern die Angst: "Es gibt Techniken, die aus dem Yoga kommen, aber wir machen keine Verrenkungen." Im Gasthaus "Zum Dorfanger" in Hermannsreuth hat der Kreisverband Tirschenreuth des Bayerischen Bauernverbandes den Kurs als Teil seines Winterprogrammes organisiert. "Wahrscheinlich kann sich keiner recht vorstellen, was wir heute machen", sagt Kleppik zur Begrüßung.

Beim Lach-Yoga trainieren und entspannen die Teilnehmer gleichzeitig Körper, Geist und Seele. Zudem haben sie jede Menge Spaß mit den verschiedenen Techniken von Dr. Ute-Heide Kleppik.

Die Medizinerin, die sich auch mit alternativen Heilmethoden auskennt, erklärt verschiedene Techniken, Hintergründe und den aktuellen Wissenstand der Lachforschung (Gelotologie). Dazwischen zeigt sie verschiedene Übungen. "Wenn ich meine mimische Muskulatur zu einem Lächeln bewege, wird ein neuromuskolöser Reflex ausgelöst", sagt die Expertin. Das bedeutet, durch das Lächeln werden Glückshormone im Stammhirn ausgeschüttet, was helfen kann, Stress abzubauen.

Dr. Ute-Heide Kleppik zeigt eine Übung, die jeder mitmachen kann. Sie nimmt ihr rechtes Bein nach vorne, klatscht in die Hände und lacht dazu: "Ho-ho-ha-ha-ha".

Erwachsene lachen zu wenig

"Ein Kind lacht wesentlich mehr als ein Erwachsener." So lachen Babys bis zu 30 000 Mal durchschnittlich am Tag. Kinder lachen bis zu 400 Mal und Erwachsene nur noch 15 Mal pro Tag. "Das ist zu wenig. Wir sollten öfter Lachen, denn das ist gesund." Die Kursteilnehmer sollen ihre Mundwinkel nach hinten ziehen und ihre Nachbarn neben sich auf den Stühlen anlächeln. Ich blicke den Damen an meiner Seite ins Gesicht und merke: Die freundlichen Gesichtszüge stecken an. Meine Laune steigert sich und ich lasse die Atmosphäre auf mich wirken.

Kleppik: "Es ist wie Fitnesstraining. Beim Lachen werden rund 80 Muskeln im Körper beansprucht." Auch die Atmung wird positiv beeinflusst. "Durch das Lachen atmet man tiefer ein, und der Körper wird besser mit Sauerstoff versorgt. Stoßweises Ausatmen reinigt die Lungen von Kohlenstoffdioxid." Es geht an die Praxis. Ein wichtiger Tipp: "Beim Lachen ohne Grund sollte der Intellekt abgeschaltet werden." Wir machen eine Atemübung. Es geht los: Ich atme, wie beim klassischen Yoga, tief in den Bauch ein. Zusätzlich hebe ich die Arme nach oben über den Kopf. Beim Ausatmen senke ich sie langsam. Im nächsten Schritt kommt das Lachen hinzu. Ich merke, wie beim Ausatmen die Luft kräftiger aus meinen Lungen weicht.

Beim "Lach-Yoga" in Hermannsreuth bei Ebnath hatten die Teilnehmer viel Spaß.

Die nächste Übung ist ein Steigerungslachen: Ich beginne mit einem leisen "Ha-ha-ha", dann werde ich lauter. Je lauter ich lache, desto intensiver wird das Lachen. "Wie fühlen Sie sich?", fragt die Referentin. "Gelöst", sagt eine Teilnehmerin. "Jetzt kommt etwas ganz dämliches", kündigt Kleppik an. Sie stellt die Übung Simba-Mutra (Löwen-Lachen) vor und nimmt ihre Arme nach oben, hält sie seitlich neben den Kopf und formt ihre Finger zu Krallen. Dann streckt sie ihre Zunge weit raus und lacht kräftig. Sie geht auf die Menschen zu, sie tun es nach. Ich komme mir komisch vor, doch meine Scham fällt, da jeder im Raum mitmacht. Es macht Spaß und lockert die Stimmung auf. Aus allen Richtungen hört man ein Kichern, Glucksen oder Prusten im Raum.

Beim Lach-Yoga trainieren und entspannen die Teilnehmer gleichzeitig Körper, Geist und Seele. Zudem haben sie jede Menge Spaß mit den verschiedenen Techniken von Dr. Ute-Heide Kleppik
Lachforschung und Lach-Yoga:

Lach-Yoga und Lachforschung

Lach-Yoga wurde 1995 von dem indischen Arzt Dr. Madan Kataria entwickelt. Er hat gezielte Atemübungen aus dem klassischen Yoga mit dem therapeutischen Wirkungsweisen des Lachens verbunden. "Yoga ist eine Lebensphilosophie, in der Körper, Geist und Seele als eine Einheit begriffen werden." Lach-Yoga soll helfen zu entspannen und den Kopf abzuschalten. Die Gelotologie ist die Wissenschaft von der Wirkung des Lachens. Es ist ein anerkannter Forschungszweig. Demnach wurde bereits erwiesen, dass Lachen bestimmte Muskeln trainiert, das Unterbewusstsein beeinflusst und Anspannungen lösen kann.

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