29.12.2020 - 09:53 Uhr
Oberpfalz

Ein Heiliger, der Grenzen überschreitet

In Bayern und Böhmen wird der Heilige Nepomuk verehrt. Gezeigt wird er auf Altarbildern mit Birett und Chorherrengewand. Den Zeigefinger führt er gelegentlich vor den geschlossenen Mund - ein Zeichen für die Wahrung des Beichtgeheimnisses. In der Hand trägt er ein Kruzifix.

von Rainer ChristophProfil

Betrachtet man einen Kirchenbau aus kunsthistorischer Sicht, dann stehen einzelne Bildwerke oder die Raumgestaltungen im Mittelpunkt. In diesem Beitrag soll die Aufmerksamkeit auf Altäre gelenkt werden, die dem Heiligen Nepomuk gewidmet sind. Er ist einer der populärsten Heiligen, dem in Bayern und Böhmen - aber auch in vielen anderen mitteleuropäischen, katholischen Gegenden - besonders gedacht wird. Gerade in den spätbarocken Kirchen sind Nepomukaltäre eine Besonderheit. Im Blickpunkt stehen die Altar-Aufbauten und die Altar-Blätter oder das Deckenbild.

Der Heilige wird auf allen Bildern in seiner typischen Kleidung gezeigt. Nepomuk erkennt der Betrachter an seinem typischen Chorherrengewand als dominierende Figur auf dem Hauptblatt der Altäre. Über der schwarzen Soutane wirft ein weißes Rochett Falten, darüber wärmt ein Hermelin-Schulterüberwurf, die weiß-schwarze Mozetta - so in Waldau, Waldeck, Neualbenreuth, Neustadt/NW, Püllersreuth (Kirchendemenreuth) oder im Franziskaner-Kloster in Pilsen (CZ).

Märtyrer-Palme

Als Kopfbedeckung trägt er oft ein Birett. Gleichfalls gehört zur typischen Ikonographie des Nepomuk das meist in seinem linken Arm liegende Kruzifixus und der vor den geschlossenen Mund geführte Zeigefinger. Das bedeutet: Er wahrt das Beichtgeheimnis. In Waldeck hält er in der anderen Hand die Märtyrer-Palme, was nicht selten vorkommt. Nepomuk hat beides selbst nicht im Blick, seine Augen sind in der Regel zum Himmel gerichtet.

Auf allen Bildern sieht der Betrachter Engel, die ihn aus der Moldau, vielfach auch auf einer Wolke zum Himmel geleiten oder ihn mit einem Sternenkranz krönen. Die Königin, so lautet die Sage, fand durch die Erscheinung von fünf Sternen den Leichnam in der Nähe des Agnes-Klosters an der Moldau. Jeder Stern steht für einen Buchstaben des lateinischen Wortes TACUI (= Ich habe geschwiegen).

Immer wieder geben Maler auch Einblick in die Umgebung, sei es die Moldau, die Karlsbrücke oder die Prager Burg im Hintergrund. Auch die Madonna mit dem Kind gehört häufig zur "Himmelfahrt" des Brückenheiligen, der vom Dominikaner-Papst Benedikt XIII. 1729 heiliggesprochen wurde.

Wie in vielen Seitenkapellen unserer Kirchen zeigt das obere Deckenbild des Altarblattes die eigentliche Widmung der Kapelle. In den erwähnten Beispielen den Mensch und Priester Johannes Welflin von Pomuk als Glaubensvorbild.

Akanthus-Blätter

Nepomukaltäre mit dem Schmuck durch das filigrane Schnitzwerk von Akanthusblättern lassen den Altar fast schwerelos erscheinen. Beim Akanthusaltar vermisst der Betrachter den klassischen architektonischen Aufbau. Eine Blüte erlebte das Ornament im Barock, also in der Zeit, als die Heiligenverehrung von Böhmen aus ging. Schnell gelang die Verbreitung des Kults und hier reihen sich auch die besonderen geschnitzten Altäre ein, die wir in der Oberpfalz bis heute vorfinden.

Die Stadt Kemnath ist offizielle Partnerstadt von Nepomuk (CZ). Der Innenraum der Kirche besteht aus einem achtseitigen Hauptschiff, dessen Deckengewölbe Wenzel Lorenz Reiner 1727 mit herrlichen Fresken verzierte, die Motive aus dem Leben des Hl. Johannes von Nepomuk zeigen. Der ursprüngliche, den Raum dominierende Nepomuk-Altar, mit Baldachin und versilberter Statue des Heiligen, der sich in der Mitte der Kirche befunden hatte, wurde entfernt. Ursache war ein Brand im Jahre 1835.

Seinen Platz nahm ein neuer, kleinerer Altar ein. Er wird "Johannes Wiege" genannt, denn gerade an dieser Stelle soll der kleine Johannes geboren sein, angeblich stand hier vor dem Kirchenbau das Wohnhaus seiner Eltern. Auch der Hauptaltar wurde durch einen neuen im Neorenaissance-Stil ersetzt. Die anderen Altäre und die Kanzel konnten restauriert werden.

Sternenkranz

Wie die Madonna, so trägt auch Nepomuk als einziger Heiliger einen Kranz von Sternen. Er fünf, die Gottesmutter zwölf. Vielfach umgeben den leidenden und sterbenden Nepomuk auch neun Sterne und sind somit ein auch bei dem großen Meister Cosmas Damian Asam gebräuchlicher Verweis auf die Zuwendung des Himmels.

In seinem Heimatland Böhmen wurde er zum Schutzpatron ernannt. Bayern steht neben dem Schutz der Gottesmutter Maria auch unter seinem Schutz. Auch ist er Schutzpatron des Jesuitenordens.

Die Botschaft, die von ihm ausgeht, brachte der ehemalige, inzwischen verstorbene Studentenpfarrer Klaus Stock, ein gebürtiger Friedenfelser, treffend zum Ausdruck: "Aufrichtig dem andern zuhören, vertrauensvoll sein Anliegen aufnehmen. Dies mit gefalteten Händen zu bedenken, es nicht zur Rettung des eigenen Ansehens hinauszuposaunen, es nicht gegen andere zu verwenden, es nicht einfach gedankenlos veröffentlichen, das ist der Kern der Predigt dieser Altare und die Botschaft eines Nepomuk-Bildes.

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