26.02.2021 - 10:12 Uhr
Haselbrunn bei SpeinshartOberpfalz

Es gurrt und gackert, kräht und bellt bei Kleintierzüchter Josef Kaufmann

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Der Umgang mit Federvieh und genügsamen Kaninchen lässt auch in der Corona-Pandemie keine Langeweile aufkommen. Dazu die überregional bekannten und preisgekrönten Dalmatiner vom Klosterblick. Willkommen im Tierreich von Josef Kaufmann.

Die intensive Pflege und Fürsorge ist besonders in den Wintermonaten groß, wenn auch bei den Kaninchen Nachwuchs eintrifft
von Robert DotzauerProfil

Es ist kein Geheimnis, dass das Durchschnittsalter der aktiven Kleintierzüchter steigt. Viele gehören in Coronazeiten zur „Risikogruppe“. Wenn man der Pandemie und dem Lockdown eine gute Seite abgewinnen will, dann vielleicht die: Jeder Züchter hat nun viel Zeit, seinem Hobby nachzugehen – so auch Josef Kaufmann. Der Haselbrunner gehört zu den Idealisten der Kleintier- und Hundezucht. Sein Tierreich gleicht schon fast der auf der Arche Noah. Hühner in vielen Rassen, die berühmten weißen Tauben, preisverdächtigte Kaninchen, zierliche Wachteln und die Rassezüchtung edler Dalmatiner: Kaufmann ist Experte, Tierliebhaber und Tierschützer zugleich.

Dalmatiner vom Klosterblick

Der 70-jährige Josef Kaufmann gehört zu den Pionieren der Kleintier- und Hundezucht. Seine Dalmatiner „vom Klosterblick“ ist sein ein und alles. Mit seinem Engagement für diese besonders friedfertige Hunderasse, mit der sich schon Könige und Fürstenhäuser schmückten, gelangte er zu internationalem Ruf. Die jährlichen Schauveranstaltungen auf internationaler Ebene im Züchterheim in Tremmersdorf gehören zu den bedeutendsten Dalmatiner-Treffen Deutschlands. Die Schönheitsprüfungen und Zuchtzulassungen für Dalmatiner in Tremmersdorf sind ein Muss im Terminkalender deutscher und ausländischer Züchter.

Rühmen kann sich Kaufmann mit den eigenen Zuchterfolgen. Die getupften Schönheiten sind in alle Welt verstreut. Glückstrahlend zeigt Josef Kaufmann auf seinen jüngsten Zuchterfolg. Sieben Rüden und eine Hündin, erst ein paar Wochen jung, suchen die Körperwärme der Dalmatiner-Mama. Derweil tummeln sich „Zenzi" und "Zora“, die neun Monate alten Jungtiere in der für sie noch ungewohnten Schneelandschaft. In beide setzt der „Dalmatiner-König von Haselbrunn“ viel Hoffnung. „Wenn alles passt, werden Zenzi und Zora in zwei Jahren die Zuchthündinnen des Klosterblicks“, sagt er.

Tauben: Rennpferde des kleinen Mannes

Für Sanftmut, Treue und Poesie hat Josef Kaufmann ein Händchen. Der Haselbrunner schwört auch auf die Symbolik weißer Tauben als Boten des Glücks und des Friedens. Deshalb setzt Kaufmann mit Unterstützung von Tochter Carina und Schwiegersohn Martin Grabowski auf die Botschafter des ewigen Glücks. Eine ganze „Luftflotte“ im strahlenden Weiß wartet in den geräumigen Schlägen auf ihren Einsatz. Eingebunden sind auch schon die Enkelkinder Milena und Max. Auch sie lieben und pflegen die sanften Gurrer. Vor allem bei Hochzeiten bekommen die Paare Gelegenheit, die schneeweißen Prachtexemplare als Glücksbringer in den Himmel steigen zu lassen. Zum Einsatz kommen dann auch bei standesamtlichen oder kirchlichen Trauungen treffende Sprüche für die Hochzeitspaare.

Bei Kaufmanns kommt der Besucher aus dem Staunen nicht heraus. In den Kaninchenställen ist Nachwuchs eingetroffen. Der Züchter muss viel Zeit für die Jungtiere aufwenden. „Doch es ist die schönste Zeit des Zuchtjahres“, erklärt der „Zoodirektor“. Nachwuchs erwartet er auch von seinen Bielefelder Kennhühnern und von der Wachtelkolonie. Kaufmann bietet seinen Tieren bestmögliche Lebensbedingungen, wo immer möglich in naturnahen Gehegen.

Doch nicht alles ist Gold, was glänzt. So fehlen ihm, dem Gründungsvorsitzenden des Kleintierzuchtvereins Speinshart/Tremmersdorf die Kontakte mit anderen Gleichgesinnten. Das Züchterheim ist geschlossen und Märkte in der Corona-Pandemie verboten. Züchterbesuche und Treffen aller Art, wie zum Beispiel die Lokalschauen und Taubenmärkte, fallen aus. Eine schwere Zeit, die er so noch nicht erlebt hat, so Kaufmann. Kein Unglück kommt selten allein. Der Kleintierzüchter muss nun auch die Vogelgrippe fürchten. „Die strengen Hygieneregeln belasten die Freunde des Federviehs zusätzlich“. Deshalb kann er auch mit seinen wunderbaren Zuchterfolgen nicht glänzen und sich nur still freuen.

Beispielhafter Gemeinschaftsgeist

Glanzpunkte setzte Kaufmann in seiner Züchterkarriere allemal. Die noch junge Geschichte des Kleintierzuchtvereins Speinshart und Tremmersdorf ist eng mit dem Namen des leidenschaftlichen Züchters verbunden. Kaufmann wurde vor 30 Jahren zum Motor der Vereinsgründung. Als Gründungsvorsitzender leitete er den Verein mit viel Hingabe 28 Jahre lang. Unterstützung fand er im Familienkreis. Ehefrau Elfriede stand ihm als Schatzmeisterin zur Seite. Doch auch die Tiefen des Lebens musste er erdulden. Unerwartet kam der Tod von Ehefrau Elfriede.

Nach gut überstandener schwerer Krankheit gibt ihm die Liebe zu den Tieren Halt und Erfüllung. Für die großen Leistungen um den Kleintierzuchtverein und für das Tierwohl ernannte der Verein ihn vor zwei Jahren zum Ehrenvorsitzenden. Als Zuchtwart des Vereins ist der Mann mit dem legendären braunen Cordhut weiter aktiv. Die Tiere als Gottes Schöpfung zu achten, dafür ist Josef Kaufmann angetreten. Am 19. Februar feierte er seinen 70. Geburtstag und unterstrich dabei, dass er die dankbare Aufgabe habe, den Mitmenschen den artgerechten Umgang mit Tieren zu lehren.

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