16.11.2020 - 13:59 Uhr
HahnbachOberpfalz

Sozialpädagogin aus Hahnbach trägt in Freizeit Bundeswehr-Uniform

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Als Ungediente zur Bundeswehr? Das geht. Julia Schuster aus Hahnbach darf nach einer Ausbildung eine Uniform tragen. Seit einigen Wochen spielt sie im Reservistenmusikzug mit – und war mit den Kameraden auch schon auf der Schießbahn.

Julia Schuster hat eine mehrwöchige Ausbildung absolviert, die es ihr erlaubt, Uniform zu tragen.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Mal etwas machen, was sie noch nie getan hat. Körperlich an ihre Leistungsgrenzen gehen. Julia Schuster aus Hahnbach schlägt mit der Ausbildung ASSA – ausgeschrieben steht das für das Wortungetüm Allgemeine Streitkräfte Soldatische Gemeinsame Ausbildung – neue Wege ein. Die Ausbildung dauert vier Wochen. Wer sie absolviert, darf eine Flecktarn-Uniform tragen und sich fortan mit dem Dienstgrad Jäger schmücken.

„Also quasi nix – Schulterglatze“, sagt Schuster und erklärt damit, wie weit unten sie in der Rangordnung eigentlich steht. Aber darum geht es ihr bei der Sache nicht. Es ist neben der Herausforderung, die sie sucht, noch eine andere Sache, die sie antreibt: „Man kommt da hin und Kameradschaft lernt man von der ersten Minute an. Es ist nicht nur so ein Blabla, sondern gelebte Kameradschaft. Sie (die Kameraden vom Reservistenmusikzug) interessieren sich und freuen sich so füreinander.“

Alle zwei Wochen Probe

Prinzipiell ist es aber so, dass Julia Schuster einen ganz anderen Beruf ausübt und daran auch nichts ändern möchte: „Ich bin gerne Sozialpädagogin. Der Platz den ich habe, ist schon der richtige.“ Die junge Hahnbacherin arbeitet im Ernst-Nägelsbach-Haus, wo sie Leiterin einer Mutter-Kind-Gruppe ist. Deshalb betont Schuster, dass sie keine neue Karriere anstrebt.

Vielmehr kam sie zur Bundeswehr eher durch Zufall. Die Hahnbacherin ist schon immer musikalisch, spielt seit der dritten Klasse bei den Marktbläsern. Vom Reservistenmusikzug, bei dem der Schwager aktiv ist, hat sie öfter schon mal was gehört. Als der Mann ihrer Schwester schließlich sagt „Komm’ halt einfach mal mit, Klarinetten können wir eigentlich immer brauchen“, zögert sie nicht lange. Die Hahnbacherin ist von Anfang an begeistert: „Ein super Orchester mit richtig coolen Musikern und Menschen.“ Alle zwei Wochen findet eine Probe statt. Der Vergleich mit den Marktbläsern hinkt, erklärt Schuster. „Bei den Reservisten sind viele Berufsmusiker dabei.“ Neben Klarinette spielt die 31-Jährige noch Saxofon und „ein bisschen Querflöte“.

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Um eine Uniform tragen zu dürfen, reicht eigentlich schon eine Wochenend-Ausbildung. Schuster hat sich trotzdem für eine „längere Version“ entschieden. Von den vier Wochen hat sie in diesem Jahr bereits zwei absolviert, zwei weitere will sie im kommenden Jahr ableisten. „Ich habe mir gedacht, wenn du schon bei dem Orchester dabei bist, dann richtig“, sagt die Hahnbacherin. Sie kann sogar noch weitere Kurse belegen und würde dann auch recht schnell aufsteigen. Zuerst bis zur Gefreiten. Mit weiteren Laufbahnen sogar bis hin zum Dienstgrad Unteroffizier oder Offizier. Das ginge dann aber schon in die Richtung „Berufssoldat“. „Da musst du richtig in Einsatz gehen. Das traue ich mir doch nicht zu.“ Vielmehr sieht sie ihr Engagement beim Reservistenmusikzug als „schönes, cooles Hobby“.

Und wie ist das jetzt so als Frau bei der Bundeswehr, die in der Minderheit ist? Vor allem die Älteren hätten sie am Anfang schon kritisch beäugt, erzählt Schuster. Nachdem sie bewiesen habe, dass sie musikalisch was drauf hat, sei sie akzeptiert worden. Die Jüngeren seien ohnehin aufgeschlossener. „Es ist halt wirklich echte Gleichbehandlung, wenn ich als Frau keine Sonderbehandlung bekomme, sondern ich mache das gleiche wie die Männer. Klar muss ich mich vielleicht doppelt so sehr anstrengen“, sagt Schuster. Sie meint dabei so Dinge wie eine gemeinsame Unternehmung vor gar nicht allzu langer Zeit. Gemeinsam mit den Kameraden vom Musikzug ging es auf die Schießbahn in Gailoh. Samt etwa 25 Kilogramm schwerer Schutzweste und G36-Gewehr. Um mithalten zu können, hat Schuster sogar begonnen, im Fitnessstudio zu trainieren. „Ich habe gemerkt, dass ich mehr Kraft brauche.“

Julia Schuster
Julia Schuster:
  • Julia Schuster ist studierte Musik- und Sozialpädagogin und hat zuvor Erzieherin gelernt
  • Dank einer vierwöchigen Ausbildung darf sie eine Bundeswehruniform tragen
  • Dank einer vierwöchigen Ausbildung für ungediente Zivilisten darf sie eine Bundeswehruniform tragen
  • Sie spielt im Reservistenmusikzug mit und ist dabei nur eine von wenigen Frauen

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