15.10.2021 - 17:50 Uhr
HahnbachOberpfalz

Die Glöckner vom Frohnberg

Wenn die Glocken der Frohnbergkirche in Hahnbach läuten, dann kommen drei Menschen ganz schön ins Schwitzen, denn hier ist das Geläut noch reine Handarbeit. Drei "Glöckner" müssen die Glocken über dicke Seile zum Schwingen bringen.

Die Glöckner vom Frohnberg - heute sind das (von links) Josef Moosburger, Luisa Bauer und Lars Romfeld.
von Autor MMAProfil

Die Frohnbergkirche (Hahnbach/Landkreis Amberg-Sulzbach) hat als einzige ihrer Art in der Region noch ein "handbetriebenes" Glockengeläut. Damit die drei Glocken im Turm läuten, braucht Mesnerin Rosa Maria Rauch drei fitte Helfer: Vor allem, um die beiden größeren Glocken in Schwingung zu bringen, sind schon etwas Puste, Kraft und Ausdauer nötig. Geläutet werden die Glocken über drei dicke Seile, die von der Glockenstube oben im Turm durch Löcher im Boden nach unten führen.

Früher reichten die Seile bis hinunter in den Turmeingang, dann wurden sie bei der letzten Renovierung verlegt. Seither enden sie in einem kleinen, verschlossenen Raum im Turm, der etwa auf Höhe der Empore liegt – damit haben neugierige Kirchenbesucher, die auch gerne mal selbst am Seil ziehen würden, keinen Zugriff. Hintergrund ist aber auch, dass man bei den neu aufgestellten Opferstocklichtern vor dem Eingang zum Turm Brandgefahr vermeiden will. "Professionelle" Glöckner gibt es am Frohnberg übrigens nicht. Wenn dort Gottesdienst gefeiert wird, sucht sich Mesnerin Rosa Maria Rauch einfach drei Freiwillige für dieses spezielle "Ehrenamt".

1430 Anfänge der Wallfahrt

Bereits um 1430 werden schon Anfänge einer Wallfahrt auf den Frohnberg erwähnt. Um 1665 wird von einem „Kirchl unserer Lieben Frau vom Fronberg“ oder einer Kapelle „Beatae Virginis“ („der glückseligen Jungfrau“) berichtet. Aus dem einstigen Petrusheiligtum war ein Marienheiligtum geworden. 1670 sollen sich dort zwei Wunder ereignet haben und die Wallfahrt erreichte ihren ersten Höhepunkt. Bald schon wurde die Kirche zu klein: 1725 begann man, das jetzige Gotteshaus zu errichten. 1751 wurde der Bau feierlich abgeschlossen. Diese Jahreszahl kann man noch immer, in Stein gehauen, hoch oben am Turm entdecken. Gekrönt wird der kupferne Zwiebelturm von einer vergoldeten Zeitkapsel und einem ebenso vergoldeten Patriarchenkreuz mit einem Stern, der das Gotteshaus als Marienheiligtum ausweist.

Zwei Jahre hatte man für den Bau des 25 Meter hohen Turms im Westen unter der Verantwortung des Maurermeister Georg Diller aus Amberg gebraucht. Überschattet wurde dieses Projekt vom Tod dreier Arbeiter im nahen Steinbruch. Die verwendeten weichen Sandsteinquader verlangen immer wieder aufwendige Reparaturen. Zeitweise war die Statik des Turms sogar so stark gefährdet, dass nur die kleine Glocke geläutet werden durfte – und zeitweise gar keine mehr.

Aufwendige Sanierung

Die letzte aufwendige Sanierung durch das Regensburger Architekturbüro von Carola Setz wurde 2013 abgeschlossen. 1200 Injektionsbohrungen mit etwa 12.000 Kilo Hohlraumversiegelungen waren nötig gewesen. Die Risse im Mauerwerk wurden mit 36 Metern Spiralanker gesichert, während 90 Meter Ringanker, auf vier Ebenen verteilt, nun die statische Sicherheit des Turms gewährleisten. Somit können auch alle drei Glocken angstfrei geläutet werden.

1880 beschrieb Pfarrer Johann Hofweber Turm und Geläut folgendermaßen: „75 Stufen führen zum Glockenstuhl mit den eingeschnittenen Zahlen und Buchstaben ,A.K. - J.G.D - 1753‘. Die große Glocke hat 1 Meter Durchmesser, 3,13 Meter Umfang und 0,84 Meter in der Höhe; um den Rand läuft die Inschrift "Johann di Vall in Amberg hat mich gegossen – anno 1780 – zu Ehren Maria bin ich von Feuer und Hiz geflossen"; darüber ist die Krönung Mariä, der hl. Joseph mit dem göttlichen Kinder und ein Kruzifix mit dem hl. Jakobus in erhabener Arbeit.

Nicht mehr die Originale

Die mittlere Glocke hat 0,59 Meter im Durchmesser, 1,87 Meter im Umfang und 0,50 Meter in der Höhe; am unteren Rande ist zu lesen: "Zu Ehren der unbefleckten Empfängnis der seligsten Jungfrau Maria". Darunter ist ebenfalls die Krönung Mariens abgebildet, und am Kranz oben stehen die Worte "Jacob Divall in Amberg goss mich A. 1837". Die kleinste Glocke hat 0,43 Meter Breite, 0,36 Meter Höhe und 1,35 Meter Umfang, oben um den schönen Kranz herum steht die Inschrift "Sancta Maria mater Dei ora pro nobis! Anno 1678" und in der Mitte ein Medaillon mit Maria mit der Krone, mit einem Zepter in der Rechten und mit dem gleichfalls gekrönten Christkind auf der Linken.

Im Kirchturm hängen heute noch drei Glocken, aber nicht mehr die Originale. Die zwei großen alten Glocken der Kirche aus dem Mittelalter und der Barockzeit sind nicht mehr vorhanden. Die kleine Glocke aber findet sich noch im nahen Dorf Kötzersricht. Einst fand sie ihren Ehrenplatz über einer Hofeinfahrt. Seit dem Neubau des Anwesens durch die Familie Hedwig und Hans Heidlinger ist sie nun an der Giebelseite des neuen Stadels angebracht und wird bei jedem Sterbefall im Ort zum Gebet geläutet.

Als Dank für eine Spende

Die Vorgeschichte: 1898 stellte Pfarrer Franz Seraph Kutschenreiter eine Gipsmadonna in der Lourdeskapelle auf dem Frohnberg auf. Diese hatte die Kötzersrichter Familie von Stefan und Margareta Dorner, Hausname „Stoffl“, gespendet. Zum Dank und als Anerkennung schenkte er ihnen die kleine, ausgesonderte Glocke vom alten Geläut der Frohnbergkirche. Dieses hatte man sowohl 1837 und dann wieder 1901 austauschen müssen.

Die derzeitigen drei Glocken im Turm entstanden alle im 20. Jahrhundert. Die beiden größeren Glocken wiegen 401 und 680 Kilo. Sie wurden 1901 beziehungsweise 1949 in der Gießerei Johann Hahn in Landshut gegossen. Die kleinste Glocke mit 320 Kilo goss Karl Hamm 1935 in Regensburg.

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