10.01.2020 - 15:57 Uhr
HahnbachOberpfalz

Die Geschichte(n) des Hahnbacher Faschingszugs

Als Teenager war Evi Höllerer zum ersten Mal beim Hahnbacher Faschingszug. Ihre Liebe zum Fasching ist geblieben. Marianne Moosburger, die seit vielen Jahren über den Gaudiwurm berichtet, kann auch manche Geschichte beisteuern.

Der Schalkenthanerweg trat 2017 als Paradiesvögel auf.
von Autor MMAProfil

Evi Höllerer ist inzwischen Dritte Bürgermeisterin Hahnbachs. Als sie dort zum ersten Mal beim Faschingszug dabei war, sei sie wohl 14 oder 15 Jahre alt gewesen, sagt sie. Und erinnert sich noch genau: Auf den Anhänger eines alten Bulldogs aus dem Jahr 1957 hatten damals die "Gasslleit" einen Dampfer gebaut - eine Reminiszenz an das Gassllied, das sich der Vilsnähe rühmt.

Die Volleyballerinnen punkteten als Dalmatiner.

Als Hippie fing's an

In fröhlicher Hippie-Aufmachung durfte Höllerer damals Süßigkeiten auswerfen und ausgelassene Stimmung verbreiten. "Ich war einfach begeistert vom ganzen Drumherum. Für mich war das der absolut beste Einstieg in meine Liebe zum Fasching, die bis heute geblieben ist", schwärmt Höllerer. Marianne Moosburger, seit vielen Jahren AZ-Berichterstatterin beim Faschingszug, erinnert sich an eine "komische Situation". Als sie einmal nach dem Zug nach Hause eilen wollte, um Fotos und Bericht für die Zeitung fertig zu machen, entdeckte sie zwei "fast schon blau gefrorene, leicht bekleidete und recht verstörte Mädchen" am Kreisel an der Gockelwiese. Beide waren offensichtlich "nicht mehr ganz nüchtern" und weinten leise vor sich hin.

Fasching wie aus dem Ei gepellt.

Tränen am Kreisverkehr

Ob sie helfen könne, fragte sie vorsichtig. "Wir warten jetzt schon über eine Stunde auf meine Mutter, die uns abholen wollte, aber sie kommt und kommt nicht", schniefte eines der Girlies. "Weiß sie denn, wo ihr seid?", fragte Moosburger. "Freilich", kam zur Antwort, "am Kreisel. Und meine Mutter schreibt auf dem Handy, dass sie uns dort schon seit einer Stunde sucht, aber nicht findet." "Das gibt's doch nicht!", schluchzte das Mädchen herzergreifend. "Dann ist sie höchstwahrscheinlich am anderen Kreisel bei der Max-Prechtl-Schule", wusste Moosburger. "Was, hier gibt es noch einen Kreisel? Das darf doch nicht wahr sein", kam es von den beiden, die daraufhin sofort ihrer "Taxi-Fahrerin" Bescheid gaben, die sie dann gleich abholte.

Die Pariserin und der Dialekt

Zu einer ihrer lustigen Faschings-Erinnerungen gehört für Moosburger das Lied vom "Dowackwack". Ihre französische Freundin Viviane Contor war wieder einmal zur Faschingszeit auf Besuch, denn so viel ausgelassene Fröhlichkeit kannte sie in Frankreich nicht. "Aus Spaß brachten wir uns gegenseitig lustige Lieder bei", erzählt Moosburger. Ihre Lektion für die Freundin hieß: "Der Dowackwack, der Dowackwack, der Dowack is mei Leben, der Dowackwack, der Dowackwack, der Dowack is mei Freid." Es dauerte nicht lang und Viviane konnte Melodie und Text perfekt singen.

Am Stammtisch im Gasthof Ritter, aus dem Moosburger stammt, fragte man die dort schon bekannte Viviane, ob sie auch etwas Bayrisches sagen oder singen könne. "Klar, kann ich: Das Lied vom Dowackwack", kam die prompte Antwort. Aufgefordert, dies auch zu beweisen, sang die Pariserin stolz ihr erstes Lied im Dialekt. Auf die Frage eines Gastes, ob sie denn auch wisse, was der Dowack sei, strahlte Viviane übers ganze Gesicht und verkündete ernst, im Brustton der Überzeugung: "Freili, mej Leben!".

Die perfekte Verkleidung

Einmal, so erzählt Marianne Moosburger, "wollte ich total verkleidet unerkannt an einem maskierten Faschingsball teilnehmen". Mit einer Bekannten zusammen wurde eine Maske für den ganzen Kopf gesucht, gefunden und ein fremdes Kleid ausgeliehen. "Mutig betraten wir den Rittersaal, wo mein Mann hinter der Theke als Schankwirt aushalf", erzählt sie. "Doch ich war noch keine fünf Meter gegangen, da hörte ich hinter mir schon: Ja, Marianne, was machst du denn da? Er hatte mich an meinem Gang erkannt. Die ganze Verkleidung hatte nichts genutzt. Ich hab' es wohl deshalb auch nie wieder versucht, denn: Es kummt ja doch alles aaf!"

Im Hahnbacher Fasching eine Institution: Franz Erras

Hahnbach
Im Blickpunkt:

Fasching oder Karneval?

Schauen wir uns erst einmal die beiden Wörter an, deren Herkunft – wie auch manch anderes in dieser Zeit – leider nicht eindeutig ist.

Im Bairischen wird bekanntlich das Wort Fas(t)nacht verwendet. Zum ersten Mal taucht im Mittelhochdeutschen ein „vaschanc, vaschang oder vassang“ auf. Dies wurde als „Ausschank des Fastentrunks“ gedeutet. Auch legte man Fas(t)nacht als „Abend vor Beginn der Fastenzeit“ aus.

Vielleicht liegt aber auch das Wort „faseln“ „fruchtbar sein, gedeihen“ zugrunde. Denn im Althochdeutschen bedeutet „fasal“ die Nachkommenschaft und im Mittelhochdeutschen ist „vasel“ das Zuchtvieh. So wird der Zuchthengst als „Faselhengst“ bezeichnet. Möglicherweise weist diese Herkunft auf eine alte Bedeutung für Fruchtbarkeit hin. Demnach war der Fasching oder die Fas(t)nacht ursprünglich ein Fruchtbarkeitsfest im Vorfrühling, worauf auch heute noch manche Bräuche und Spiele an diesem Tag hindeuten. Doch gegen diese Deutung wird auf eine Herkunft aus dem indogermanischen „pwos“ verwiesen, was so viel wie „reinigen, läutern“ bedeutet und damit auf eine christlichen Gebräuchen ähnliche Reinigungsnacht (mit Fasten).

Das Wort Karneval wurde als Lehnwort von dem italienischen Substantiv „carnevale“ im 17. Jahrhundert übernommen. Es stammt wohl vom von mittellateinischen „carnelevarium“ und verweist auf die Vorfastenzeit. Es galt nämlich dann „carnem levare“, was so viel heißt wie „das Fleisch wegnehmen“. Denn es herrschte lange ein Fleischverbot zur Fastenzeit.

Nicht ganz unlogisch ist aber auch die Deutung des Wortes „Karneval“ als „Carne vale!“, also „Fleisch lebe auf“, also „genieße noch diese Tage vor der eigentlichen Fastenzeit“, welche ja bekanntlich mit dem Aschermittwoch beginnt und zum Verzichten auffordert.

Der Faschingszug in Hahnbach 2019

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