09.04.2021 - 13:55 Uhr
Großensees bei LeonbergOberpfalz

Junger Landwirt auf Instagram: Werben um mehr Anerkennung durch Verbraucher

Um den Bezug der Menschen zur Landwirtschaft zu verbessern, postet Lukas Haberkorn aus Großensees regelmäßig Bilder von seinem Milchviehbetrieb auf Instagram. Der 24-Jährige will damit das Bild der Landwirtschaft ins rechte Licht rücken.

Lukas Haberkorn ist Landwirt aus Leidenschaft. Um das Image der Landwirtschaft aufzupolieren, rückt Lukas seine Arbeit auf Instagram in ein neues Licht.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

„Ohne Landwirte keine Lebensmittel.“ Schon seit der Grundschule weiß Lukas Haberkorn aus Großensees in der Gemeinde Leonberg: Er möchte Landwirt werde, obwohl sich das Bild dieses Berufs in der Öffentlichkeit gewandelt habe. Immer öfter stünden Landwirte in der Kritik, würden zum Sündenbock. „Die Vergehen einzelner schwarzer Schafe, dürfen nicht die Wahrnehmung in der Gesellschaft bestimmen“, sagt der 24-Jährige.

Um das angekratzte Image aufzupolieren, rückt der junge Landwirt seine Arbeit auf der Internetplattform Instagram in ein neues Licht. Sein Ziel: Den Verbrauchern seine Arbeit näherbringen, um so den Bezug zur regionalen Landwirtschaft zu stärken.

Arbeit im Vordergrund

"Die Beziehung der Menschen zur Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren verändert", meint Haberkorn. In den Städten und teilweise auf dem Land kennen immer weniger Menschen einen Landwirt persönlich. Das war früher anders: Da hatte der Opa oder der Onkel noch einen Bauernhof. "Schade", findet Haberkorn, schließlich gehe so auch die Wertschätzung für Lebensmittel verloren.

Die Produkte, die es heute zu kaufen gibt, stammen aus der ganzen Welt - wo sie herkommen und wie viel Arbeit dahinter steckt, ist vielen unbekannt. Das will der junge Mann mit seinem Instagram-Account (@haewy_farm) ändern. "Ich will den Menschen zeigen, was und wie ich arbeite", erläutert er. "Alle Schritte haben einen Grund und fügen sich wie ein Zahnrad ineinander."

Am 1. November 2019 postete Lukas Haberkorn sein erstes Foto. Inzwischen folgen seinem Instagram-Profil 525 Menschen. Sich selbst in den Vordergrund stellen möchte er aber nicht. "Es soll nur um die Landwirtschaft gehen", sagt er. Nach vermehrten Anfragen kam er aber der Bitte nach und veröffentlichte auch Fotos von sich. "Die Nutzer wollen wissen, wer hinter den Bildern steckt", erklärt er.

Braunvieh für mehr Biodiversität

Um ein System hinter seine Posts zu bekommen, hat sich Haberkorn einen Plan zurechtgelegt: "Da mir auch Menschen folgen, die mit der Landwirtschaft nichts zu tun haben, erkläre ich alles so einfach wie möglich." Denn es bringe es nichts, gleich mit den Feinheiten in die Materie einzusteigen. "Meine Posts bauen aufeinander auf. Was ich im Frühling sähe, ernte ich im Herbst als eigenes Tierfutter oder für die Herstellung von Lebensmittel." Die Nutzer sollen erfahren, dass "Landwirte für die Versorgung mit regionalen und hochwertigen Lebensmitteln enorm wichtig sind".

Lukas Haberkorn lebt und arbeitet auf dem Hof seiner Eltern - ein Familienbetrieb, den es bereits seit Generationen in Großensees gibt. Vor elf Jahren baute die Familien einen neuen Laufstall. 75 Milchkühe finden darin Platz. "Wir halten das braun-weiße Fleckvieh, das perfekt als Zweinutzungsrasse geeignet ist", erklärt Haberkorn. Diese sei nicht einseitig auf ein Leistungsmerkmal gezüchtet sind, denn sie werde gleichermaßen zur Fleischerzeugung wie zur Milchproduktion genutzt.

Auf diesem Instagram-Account stellt Lukas Haberkorn seine Arbeit vor

Um für mehr Biodiversität zu sorgen und weil ihm die Rasse auch sehr gut gefällt, besitzt der Stiftländer eine Kuh der Rasse Braunvieh. Inzwischen hat die „Kathl“ schon zweimal Nachwuchs bekommen – einen Bullen und vergangenes Jahr Kälbchen „Klara“. Das Braunvieh – mit grauem Fell – stammt aus dem Alpenraum und ist ebenfalls eine Zweinutzungsrasse, allerdings „etwas schlanker“. Fasziniert ist Haberkorn auch von der schwarzen Nase und den langen Wimpern.

Mindestens vier Stunden verbringen er und seine Eltern im Stall - jeden Tag, auch am Wochenende. "Für mich ist das kein Problem", sagt der 24-Jährige. "Die Arbeit mit den Tieren macht mir Spaß." Gemolken wird zweimal am Tag. Danach bekommen die Tiere, je nach Milchmenge, eine Extraportion Kraftfutter als Belohnung. Die richtige Menge errechnet der Computer. Mindestens 40 Cent pro Liter Milch wären für den Landwirtschaftsmeister nötig, um kostendeckend wirtschaften zu können. "In allen Branchen haben sich die Preise erhöht, nur nicht für die Lebensmittelhersteller."

Umdenken in der Gesellschaft

Mehr Transparenz und bessere Informationen über geplante und beschlossene Gesetze erhofft sich Lukas Haberkorn vonseiten der Politik: "Da wurde zu viel über die Köpfe hinweg entschieden." Wichtig sei aber auch ein Umdenken seitens der Verbraucher. "Sie fordern mehr Bio, wollen aber nicht mehr dafür bezahlen." Lukas Haberkorn sucht auch das Gespräch mit Tierschützern und Vegetariern. "Jeder Landwirt will, dass es seinen Tieren gut geht, anders können auch keine hochwertigen Lebensmittel hergestellt werden." Dafür brauchen die Tiere laut Haberkorn vor allem viel Luft, Licht und Platz. "Wichtig sind auch hochwertiges Futter und bequeme Liegeboxen zum Relaxen und Wiederkäuen", ergänzt er. Für Wohlbefinden sorge auch eine Massage-Bürste, die von den Tieren gut angenommen werde.

Eine funktionierende Landwirtschaft ist nach Ansicht des 24-Jährigen besonders in Krisenzeiten wichtig. Durch die Corona-Pandemie habe aber ein Umdenken in Bezug auf lokale Lebensmittel eingesetzt. Offen geht Haberkorn auch mit heiklen Themen um. Auf Instagram erklärt er, warum die Kälbchen von der Mutter getrennt werden, wieso seine Kühe keine Hörner haben und wie er die Gülle auf dem Feld ausbringt. Für die Zukunft wünscht er sich, dass er den Betrieb seiner Eltern weiterführen kann. „Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen“, sagt er.

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Info:

Ausbildung in der Landwirtschaft

  • Die Ausbildung zum Landwirt dauert drei Jahre, wobei das erste Vollzeitunterricht an der Berufsschule vorsieht. „Danach ist man zwei Jahre im Ausbildungsbetrieb“, informiert Lukas Haberkorn. "Dort sieht man, wie andere Betriebe arbeiten und man wird selbständiger."
  • Während der Zeit im Ausbildungsbetrieb vertieft man an einem Tag in der Woche in der Berufsschule sein Wissen. Hinzu kommen Lehrgänge und Schulungen an Landmaschinen- und Tierhaltungsschulen.
  • Die Meisterprüfung kann man an Landwirtschaftsschulen oder Fachschulen für ökologischen Landbau ablegen.
  • "Staatlich geprüfte Agrarbetriebswirt" kann sich nennen, wer die Höhere Landbauschule erfolgreich abschließt. "Die Schule dauert zehn Monate und findet in Vollzeit statt", erklärt Haberkorn. In Bayern gibt es in Triesdorf, Rotthalmünster und Weiden-Almesbach eine solche Schule.
  • Weiterbildungen und Spezialisierungen sind unter anderem an Technikerschulen möglich.

 

 

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