29.07.2021 - 13:39 Uhr
Griesbach bei MähringOberpfalz

Abstammung von Johann Andreas Schmeller geklärt

Josef Beer konnte eine Lücke in der Ahnenforschung des großen deutschen Germanisten abschließend klären: Die Familie von Johann Andreas Schmeller stammt aus Griesbach in der Oberpfalz.

Portrait-Zeichnung von Johann Andreas Schmeller, der 1785 in Tirschenreuth geboren worden ist. Vor 130 Jahren, am 20. Juli 1891, wurde am Tirschenreuther Marktplatz sein Denkmal errichtet.
von tspProfil

Es ist schon eine eindrucksvolle Arbeit, die Josef Beer aus Griesbach mit der Erforschung der Ahnenreihe von Johann Andreas Schmeller aktuell abgeliefert hat. Er konnte damit bisher vorliegende Erkenntnisse korrigieren und abschließend belegen, dass die Vorfahren des großen Mundartforschers allesamt von der Griesbacher Schmeller-Linie abstammen.

Die Abstammung Schmellers war bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht endgültig geklärt. Gegen Ende der 1970er Jahre arbeitete der Ahnenforscher Karlheinz Schmeller aus Veitshöchheim daran. Er kam zu dem Ergebnis, dass Johann Andreas Schmeller von einer Schmeller-Linie aus Redenbach, dem Nachbardorf Griesbachs, abstamme. Kleiner Nebeneffekt: Der Ahnenforscher war damit selbst mit Schmeller verwandt. Der Griesbacher Josef Beer entdeckte Anfang 2002 zufällig diese Arbeit. Sie stimmte mit seinen Erkenntnissen zur Abstammung Schmellers nicht überein, weshalb er die Arbeit dazu nochmals aufnahm.

Behauptung des Onkels

Bereits 1997 begann Josef Beer mit der Ahnenforschung, nach seiner Pensionierung. Er erforschte die Linie der Familie Beer aus Griesbach. Der heute 85-Jährige wollte wissen, ob sein Onkel Ludwig Beer - Steyler Ordenspriester und lange Jahre Präfekt in St. Peter in Tirschenreuth - Recht hatte mit seiner Behauptung, die Beers von Griesbach seien mit dem Sprachforscher Johann Andreas Schmeller verwandt.

Diesen Bezug konnte Josef Beer alsbald nachweisen. Seine Großmutter väterlicherseits ist eine geborene Schmeller, diese Linie trifft sich mit der Schmeller-Linie des Mundartforschers bei dessen Urgroßvater Adam Schmeller, der von 1694 bis 1750 in Griesbach lebte.

Hinweise in Schmellers Tagebuch

Die Geschichte der Familie Schmeller in der Pfarrei Griesbach begann früh. Bereits im 16. Jahrhundert taucht im Mannbuch des Klosters Waldsassen der Name Schmeller (Schmöllerlein, später Schmeller) in Griesbach und Redenbach auf. Schmeller selbst vermutet in seinen Tagebüchern, dass sich ein verabschiedeter, womöglich preußischer Soldat im 17. Jahrhundert in Griesbach eingekauft und einen Kramerladen eröffnet habe.

Nach Ansicht Beers kann diese These nicht stimmen, da nach 1660 ein Zuzug eines Schmellers "von auswärts" nicht feststellbar ist. Der ehemalige Kreisheimatpfleger Franz Busl vermutete auf Basis des Tagebucheintrags von Johann Andreas Schmeller dann Thüringen als Stammheimat der Schmeller. Auch diese Aussage ist laut Josef Beer nicht belegbar.

Regensburgerin bestätigt Beer

Als der Griesbacher Hobbyforscher dann 2002 zufällig auf die Arbeit von Karlheinz Schmeller stieß, war er erstaunt, dass dieser die Abstammung des Johann Andreas Schmeller auf die Redenbacher Schmeller zurückführte. Josef Beer überprüfte daraufhin seine Arbeit nochmals anhand der Pfarrmatrikel, die er im Bischöflichen Zentralarchiv in Regensburg einsehen konnte, kam aber zum gleichen Ergebnis wie vorher. Der Mundartforscher stammt von der Griesbacher Schmeller-Linie ab. Um sicherzugehen, schaltete er die versierte Ahnenforscherin Lore Pöppel aus Regensburg ein, die seine Forschungsergebnisse bestätigte: Die Familie von Johann Andreas Schmeller stammte aus Griesbach ab. Die zwei Schmeller-Familien aus Redenbach (Gáigl und Stoffl) hatten dagegen bis ins 17. Jahrhundert hinein keinerlei verwandtschaftliche Beziehungen zur Griesbacher Schmeller-Linie.

Fehler beim Ur-Ur-Großvater

Karlheinz Schmeller machte in seiner Ahnenforschung einen Fehler beim Altvater, dem Ur-Ur-Großvater von Johann Andreas Schmeller - Jakob Schmeller, der von 1656 bis 1730 in Griesbach lebte. Zeitgleich lebte ein Jakob Schmeller auch in Redenbach und einer in Asch. Eine komplizierte Ausgangslage für den Hobby-Ahnenforscher. Karlheinz Schmeller übernahm das Geburtsdatum des Redenbacher Jakob Schmeller und fügte dazu das Sterbedatum des Griesbacher Jakob Schmeller.

Dieser "neue" Schmeller, den es nie gegeben hat, war seiner Forschung zufolge der Altvater von Johann Andreas Schmeller und nunmehr ja geboren in Redenbach. "So was kann passieren, wenn man bei diesen Daten nicht akribisch aufpasst, vor allem bei drei Personen mit absolut gleichen Namen, die zeitgleich in unmittelbarer Nachbarschaft gelebt haben", meint Josef Beer. Er glaube nicht, dass es Absicht von Karlheinz Schmeller war, sich den berühmten Dialektforscher in seine Ahnenreihe zu holen, eher eine Nachlässigkeit.

Auf die Frage, warum Beer so lange mit der Veröffentlichung seiner Arbeit gewartet hat, antwortete er: "Mein Schulkamerad, der Redenbacher Konrad Schmeller, hat sich so gefreut, dass er mit dem Schmeller verwandt ist. Die Freude wollte ich ihm nicht nehmen." Konrad Schmeller ist inzwischen verstorben.

Stammbaum im MQ zu sehen

Karlheinz Schmeller übergab seine Arbeiten damals der Schmeller-Gesellschaft in Tirschenreuth, wo die Unterlagen seitdem aufbewahrt werden. Am heutigen Freitag wird dieser Sachstand korrigiert: Josef Beer übergibt im Museumsquartier seine Unterlagen und einen überarbeiteten, handgemalten Stammbaum Schmellers, den er in Auftrag gegeben hat, als Geschenk an die Schmeller-Gesellschaft. Dazu auch noch eine Ahnentafel in der Größe von 1,30 mal 0,65 Meter. Den Stammbaum bekommt die Stadt als Dauerleihgabe der Schmeller-Gesellschaft für das Schmeller-Zimmer im Museumsquartier.

Christian Ferstl, Vorsitzender der Schmeller-Gesellschaft, zeigte sich beeindruckt: "Das ist das Maximum an Information, mehr zur Abstammung von Johann Andreas Schmeller geht gar nicht." Die gesamte Genealogie der Familie Schmeller soll laut Ferstl im Jahrbuch der Schmeller-Gesellschaft für das Jahr 2021 erscheinen, das in der ersten Hälfte 2022 aufgelegt wird. "Josef Beer hat eine Lücke in der Schmeller-Forschung auf beeindruckende Weise geschlossen, zukünftig wird dank seiner Arbeit die Abstammung des Johann Andreas Schmeller als ,abschließend bearbeitet' gewertet."

Stadtführung: Pikantes und Süßes auf den Spuren von Johann Andreas Schmeller

Tirschenreuth
Das Grab von Johann Andreas Schmeller befindet sich am alten Südfriedhof in München. Dort hat er ein Ehrengrab, das von der Stadt München gepflegt wird.
Hintergrund:

Zur Person

  • Josef Beer wurde 1936 in Griesbach geboren. Vater von drei Söhnen.
  • Berufliche Stationen: Kommunalaufsicht am Landratsamt, von 1974 bis 1986 Kreiskämmerer. Dann Wechsel zur Stadt Tirschenreuth, dort von 1986 bis 1997 ebenfalls Kämmerer.
  • Ehrenamtliche Tätigkeiten: In der Kirchenverwaltung zuständig für das Kettelerhaus. Von 1987 bis 1997 Geschäftsführer des Elisabethenvereins, gemeinsam mit Schwester Josefine baute er den heute professionell laufenden Pflegedienst auf.
  • Umzug nach dem Tod seines Schwiegervaters im Jahr 2010 nach Aiging im Chiemgau.
  • In die alte Heimat zieht es Beer nur selten, was aber an seiner Verbundenheit nichts ändert.
  • Hobby: Bergwandern. Über zehn Viertausender hat mit seinen Bergkammeraden Gerhard Legat und Reiner Ockl in der Schweiz Beer schon bestiegen, unter anderem den Mount Blanc.
  • Seit 1997 Ahnenforschung seiner Verwandten, Freunde und Bekannten aus der ehemaligen Gemeinde Griesbach. In seinem Ahnenprogramm befinden sich Daten von über 12.000 Personen. Diese Daten sind Basis für viele Heimatforscher aus der Region und können auf Beers Internetseite eingesehen werden.

"Das ist das Maximum an Information, mehr zur Abstammung von Johann Andreas Schmeller geht gar nicht."

Christian Ferstl, Vorsitzender der Schmeller-Gesellschaft

 

 

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