22.10.2020 - 10:18 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

"Warst du denn der Verrückte?"

Zweimal um den Truppenübungsplatz laufen: Das summiert sich auf 166 Kilometer. Manuel Palecki schafft dies in gerade einmal 18 Stunden und 42 Minuten. Die beeindruckende Leistung lässt auch Bürgermeister Edgar Knobloch aufhorchen.

Manuel Palecki trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Als Geschenk bekommt er von Bürgermeister Edgar Knobloch Laufschuhe und ein Buch über den Truppenübungsplatz, das seine Frau Stephanie stolz zeigt.
von Stefan NeidlProfil

Manuel Palecki ist Ultra-Marathonläufer. Da in der Corona-Zeit keine derartigen Veranstaltungen stattfinden, lief er einfach sein eigenes Rennen: zwei Runden um den Truppenübungsplatz.

Bürgermeister Edgar Knobloch ist als begeisterter Radler die 83 Kilometer lange Strecke rund um das Militärgelände selbst schon öfters gefahren: "Das ist auf dem Rad schon anstrengend, und danach war ich immer platt", erklärt er. Auf die Idee einer zweiten Runde war Knobloch nie gekommen. Umso mehr würdigte er bei einem Empfang im Rathaus die Leistung von Extremsportler Manuel Palecki.

Dieser ist an die Ultra-Marathon-Distanz bereits gewöhnt und trainiert das ganze Jahr über. Im Frühjahr wollte er an einem Lauf im Wettersteingebirge teilnehmen wollen, bevor Corona alle Veranstaltungen verhinderte. Jetzt im Oktober wollte der Hüttener am Ultrarace am Goldsteig antreten. Da auch dieses gestoppt wurde, machte Palecki eben seinen eigenen Ultra-Marathon.

Da ein solch langer Lauf sehr ungewöhnlich ist, wollte Knobloch von dem Sportler beim Empfang so einiges wissen, etwa warum er erst am Freitagabend um 18 Uhr, also schon in der Dämmerung, gestartet war? "Ich hab schon einen Tag Erholung eingeplant und wollte nicht extra Urlaub nehmen", antwortete Palecki cool.

Trotz der nächtlichen Zeit war auf der Strecke etliches los. So fuhr eine Polizeistreife bei Sorghof in der Dunkelheit an ihm vorbei – der Extremsportler mit seiner Helmtaschenlampe rechnete schon fast mit einer Kontrolle. Auch alle möglichen Tiere – von Hasen über Füchse bis hin zum Rotwild – begegneten ihm nachts. "Leider kein Wolf dabei", scherzte er.

Nach den fast 19 Stunden Belastung konnte Palecki nicht einfach auf "normal" zurückschalten, zu sehr war sein Organismus noch auf Leistung eingestellt: Ein Hefeweizen brachte er gar nicht hinunter. Einen Gewichtsverlust habe er nicht bemerkt, aber auch nicht kontrolliert, berichtete er Knobloch.

Seine Arbeitskollegen bei Witron in Parkstein hätten nicht schlecht gestaunt über den Bericht in den Medien: "Warst denn du der Verrückte?", sei er gefragt worden. Einige wussten zwar von seiner Leidenschaft, die Meisten waren aber überrascht.

Der Dank des Extremsportlers seinen Freunden und Kollegen von der Feuerwehr. Diese hatten trotz der späten Stunde in regelmäßigen Abständen Verpflegungsstellen eingerichtet, begleiteten ihn über die GPS-Funktion seines Handys und feuerten ihn über einen Chat an. Ein Bauer bei Nitzlbuch wunderte sich in aller Herrgottsfrühe über eine der Versorgungsstellen und fragte, ob denn eine Panne vorliege.

Mehr über die Leistung des Extremsportlers

Hütten bei Grafenwöhr

Natürlich klappte nicht alles reibungslos: Zwei Kumpels wollten den Extremsportler ab Kirchenthumbach mit dem Fahrrad begleiten, aber ein platter Reifen verhinderte dies. Sie waren selbst auf die Hilfe von Paleckis Frau Stephanie angewiesen.

Im nächsten Jahr will der Hüttener wieder bei Wettbewerben antreten. Mit der bei seinem Privat-Marathon erreichten Zeit wäre er im Taubertal auf dem Treppchen gelandet, informierte er. Sollte Corona auch nächstes Jahr große Laufveranstaltungen verhindern, suche er sich eben wieder was anderes, kündigte Palecki an: Eine Herausforderung brauche er in jedem Fall.

Bürgermeister Edgar Knobloch würdigte die Leistung mit einem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt. Dabei überreichte er als Geschenke ein Buch über den Truppenübungsplatz – damit er auch wisse, wo er vorbeigelaufen ist – und einem Paar Laufschuhe, bestückt mit kleinen Stärkungen.

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