13.11.2019 - 11:52 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Warnstreiks auf den US-Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Vilseck: "Wir sind es wert"

700 Zivilbedienstete der US-Armee waren dem Streikaufruf von Verdi gefolgt und hatten die Arbeit am Mittwoch niedergelegt. Ihre Forderungen waren klar: sechs Prozent mehr Lohn und ein Mindestlohn, der nicht unter 2000 Euro liegt.

von Stefan NeidlProfil

Selten war der Parkplatz des McDonalds so voll wie am frühen Mittwochmorgen. Doch nicht das Speiseangebot füllte die Flächen, sondern Verdis Streikaufruf. 500 Beschäftigte der US-Armee hatten sich vor der Lagerwache 3 eingefunden und wollten ihren Forderungen lautstark mit Trillerpfeifen und gut sichtbar mit Plakaten sowie Westen Ausdruck verleihen.

Verdi-Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner stellt diese auch noch einmal klar: "Wir wollen sechs Prozent mehr Lohn und der Mindestlohn soll nicht unter 2000 Euro liegen. Jeder soll von seiner Arbeit leben können." Es sei traurig, dass die Menschen für vernünftige Arbeitsbedingungen immer wieder aufs Neue auf die Straße gehen müssen. Für Gewerkschaftssekretärin Kathrin Birner sind die angebotenen 1,4 Prozent eine Frechheit.

Anschließend zog der Zug über die Neue und Alte Amberger Straße hin zur Stadthalle zur Kundgebung und Streitgelderfassung. Organisatorin Birner hatte die aktuellen Zahlen der Veranstaltung parat. "In Grafenwöhr, Vilseck und Hohenfels haben 700 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt, und davon sind 500 beim Zug mitgelaufen", verkündet sie unter dem Beifall der Streikenden. Der Streik war erst kurzfristig angekündigt worden, um den Arbeitgebern keine Möglichkeit für eine Reaktion zu geben, und um ihn wissen zu lassen: Ohne Arbeiter geht es nicht.

Wolfgang Dagner ist Vorsitzender der Betriebsvertretung der 405. Army Field Support Brigade (ASFB) und in der Verdi-Landesfachkommission. Er wirft einen Blick zurück auf die bisher gescheiterten Verhandlungen: Die Gewerkschaft habe den Arbeitgebervertretern einen Plan mit den Forderungen zukommen lassen. Als sie sich Anfang Oktober in Frankfurt trafen, hatten diese den Plan nicht einmal gelesen und die Forderungen mussten erst erklärt werden. Beim nächsten Treffen drei Wochen darauf, hatten diese die Forderungen noch immer nicht geprüft. "Später am Tag boten sie statt den geforderten 6 nur 1,4 Prozent, und statt 2000 Euro Mindestlohn 30 Euro mehr im Niedriglohnsektor. Das ist ein Witz. Unsere Arbeit ist mehr wert", erklärt Dagner. Von den rund 14.000 zivilen Arbeitsplätzen der US-Armee in Deutschland seien außerdem 700 unbesetzt. Diese gehörten schleunigst aufgefüllt.

Der Vorsitzende der Verdi-Senioren, Manfred Haberzeth, sagte zu den Zuhörern: "Früher war die USA ein fairer Partner. Den müssen wir wieder auf den Weg bringen. Da ist der Zusammenhalt das Wichtigste."

Claudia Peter ist Verwaltungsangestellte im Truppenübungsplatz. Die 51-jährige Grafenwöhrerin hält das Angebot von 1,4 Prozent für lächerlich. Der Streik sei eine von vielen guten Aktion bundesweit und zeigt von Stärke für einen guten Abschluss. Tobias Lehl ist Materialsachbearbeiter und Dagners Stellvertreter bei der 405. AFSB. "Deutsche Arbeit wird immer als Kronjuwel in der Welt dargestellt, und dann wird nichts geboten. Die vielen Teilnehmer zeigen, dass Unmut in der Belegschaft herrscht", sagte der 41-jährige Apfelbacher. Karl Schönberger ist 63 Jahre und Feuerwehrmann. "Es ist traurig, dass man für faire Bedingungen immer erst auf die Straße gehen muss. Alles wird teurer, der Lohn soll aber fast gleich bleiben", meint er.

Die Verhandlungen gehen am Montag und Dienstag, 18./19. November, in die nächste Runde und werden von den Beschäftigten des Truppenübungsplatzes mit Spannung erwartet.

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