31.03.2020 - 12:41 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Unfall während Coronakrise: Wie ich mich als Ersthelfer verhalten sollte

Möglichst viel Abstand sollen die Menschen momentan zueinander halten. Grund dafür ist die Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Doch wer zu einem Unfall hinzukommt, ist auch verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Auch jetzt noch?

Auch in Zeiten des Coronavirus ist Erste Hilfe für jedermann Pflicht.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Angenommen, es ereignet sich ein schwerer Unfall, ein Mensch braucht Hilfe. Passanten, die an einer solchen Unfallstelle vorbeikommen, sind verpflichtet, anzuhalten und Erste Hilfe zu leisten. Und genau das sollen sie trotz der Coronakrise auch weiterhin tun, sagt Sandro Galitzdörfer, Kreisgeschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Weiden und Neustadt/WN. "Wenn ein Unfall war, sollte man schauen, was passiert ist, und unbedingt Erste Hilfe leisten. Der Notruf - die 112 - geht immer", betont er. Wer sich aus Angst vor einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus jedoch nicht traue, eine bewusstlose Person beispielsweise zu beatmen, sollte zumindest mit der Herz-Druck-Massage beginnen. "Das Falscheste wäre, vorbeizugehen und wegzuschauen", appelliert Galitzdörfer an alle Bürger, in einer Notsituation zu helfen - trotz des Aufrufs, Abstand zu halten.

Um sich als Ersthelfer in einer solchen Situation selbst schützen zu können, müsste laut dem BRK-Kreisgeschäftsführer unbedingt in jedem Auto ein Verbandskasten mit Handschuhen vorhanden sein. "Immer Handschuhe tragen. Das war aber auch vor der Coronakrise schon Pflicht", sagt er.

"Die Pflicht, Erste-Hilfe zu leisten, gilt unabhängig von der jetzigen Situation. Insbesondere dann, wenn erkennbar ist, dass sich eine Person in Lebensgefahr befindet. Die Rettung eines Lebens steht grundsätzlich immer an erster Stelle", bestätigt auch Franziska Meinl, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberpfalz, auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Sofortmaßnahmen wie das Absichern der Unfallstelle oder das Verständigen des Notarztes seien Pflicht und in der Regel für jedermann zumutbar, gibt sie weiter Auskunft. Wer eine bewusstlose Person vorfinde, müsse insbesondere die Herz-Druck-Massage vornehmen.

Im Blickpunkt:

Polizei und Feuerwehr für Coronafälle gerüstet

Die Polizei Oberpfalz selbst ist laut Pressesprecherin Franziska Meinl unabhängig von der Coronapandemie mit einer Schutzausstattung für Notfälle ausgerüstet. "Dazu zählen Atemschutzmasken und Latexhandschuhe, auch Schutzbrillen, Ganzkörper-Schutzanzüge und Desinfektionsmittel. Des Weiteren halten wir uns an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts", informiert Meinl außerdem.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr sind ebenfalls für Notfälle während der Coronakrise gerüstet: Die Feuerwehr Grafenwöhr beispielsweise hat spezielle Maßnahmen ergriffen, um jederzeit einsatzbereit zu sein, berichtet Kommandant und Vorsitzender Alexander Richter am Telefon auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Dazu zähle, dass nur noch so viele Einsatzkräfte wie nötig zu einem Einsatz ausrücken und selbst dort auf ausreichend Sicherheitsabstand zueinander achten. Vor Ort befrage zunächst ein Teil der Helfer die Personen unter anderem nach Symptomen wie Fieber. Sollte sich herausstellen, dass ein Infizierter in den Unfall - oder einen anderen Vorfall - verwickelt sei, habe die Feuerwehr mit Schutzanzügen, Masken und anderem Equipment vorgesorgt. 20 bis 25 Anzüge stünden der Wehr derzeit zur Verfügung, schätzt Richter. Damit sei die Feuerwehr Grafenwöhr für die nächsten rund zehn Einsätze - je nach Größenordnung - gewappnet. Sollte eine Beatmung notwendig werden, gebe es eine Maske mit Beatmungsbeutel, die dem Bewusstlosen angelegt werde. Der Beutel werde mit der Hand zusammengedrückt. Das sei aber nicht erst seit der Coronakrise so.

"Danach werden noch an der Einsatzstelle sofort die Hände gewaschen, und die Kleidung wird gewechselt, damit wir uns nicht infizieren", informiert der Kommandant. Das Wasser nehmen die Einsatzkräfte aus einem 20-Liter-Behälter, den sie extra in einem Fahrzeug montiert haben. Dazu stehe Seife bereit. Zurück im Feuerwehrhaus müssten alle duschen und auch nach dem Einsatz gelte: Abstand halten. Einen Einsatz dieser Größenordnung gab es bislang - Stand Donnerstagmittag - jedoch noch nicht, sagt Richter.

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