03.12.2020 - 14:54 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Truppenübungsplatz Grafenwöhr: Tradition der Barbara-Feier wegen Corona unterbrochen

Der 4. Dezember ist der Tag der Heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Artilleristen, Feuerwerker und Bergleute. Eine traditionelle Barbarafeier wird es auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr heuer aber nicht geben.

Zwischen Linden und Kastanien steht auf dem Netzaberg das Barbara-Marterl. Im Hintergrund sind noch die Mauerreste des Gasthauses „Zur Schönen Aussicht“ zu erkennen.
von Autor MORProfil

Bereits 1922 wurde auf dem Königlich Bayerischen Schießplatz Grafenwöhr nachweislich die erste Barbara-Feier abgehalten. Sie fand damals im "MG", dem Militärgasthaus, statt. In der neueren Zeit führten die Feuerwerker des Verbindungskommandos der Bundeswehr der heutigen Truppenübungsplatzkommandatur die Tradition der Barbarafeier fort. Jahrelang gestaltete der im Februar diesen Jahres verstorbene Ruhestandspfarrer Monsignore Karl Wohlgut zusammen mit einem Militärgeistlichen die kirchliche Feier zur Heiligen Barbara. Pfarrer Wohlgut wartete als Chronist bei allen Barbara-Gedenken mit viel geschichtlichem Wissen auf. So konnte er aus dem Jahr 1922 berichten, dass sich in Grafenwöhr eine Vereinigung ehemaliger Angehöriger der bayerischen schweren Artillerie für Stadt und Umgebung gebildet hatte. Diese trat am 3. Dezember 1922 mit einer prächtig gelungenen Barbarafeier im Gasthof Stubenvoll zum ersten Mal vor die Öffentlichkeit.

Vor diesem Bildnis der Heiligen Barbara entwickelte sich ein bunter Abend mit Musikstücken, Reden und Gesängen. Auch damals fehlte bei der weltlichen Barbarafeier nicht der geistliche Beistand, Benefiziat Dr. Franz Xaver Kattum. In Anspielung auf einen alten Barbara-Bauch sprach er den Wunsch aus, "dass das heute in den Boden Grafenwöhrs gesteckte Barbarzweiglein blühe und zu einen Baum wachse und werde".

Die Barbara-Feier der Bundeswehr im Jahr 2019

Grafenwöhr

Eine Stelle für das christliche Gedenken zur Ehren der Heiligen Barbara entstand 2005 mit der Errichtung des Barbara-Marterls auf dem Netzaberg. Beim Straßenbau zur großen Netzaberg-Siedlung wurde das alte Adl-Marterl zerbrochen. Die Soldaten der Bundeswehr sicherten das kleine Sandsteinmonument und ließen es im Steinmetzbetrieb Reiter reparieren. Versehen mit einer kleinen Bronzestatue der Schutzheiligen steht es heute zwischen Kastanien- und Lindenbäumen des damaligen „Gasthauses zur schönen Aussicht“ auf dem Netzaberg.

2006 kam das Marterl zu besonderen Ehren. Beim offiziellen Startschuss zum Bau der Netzaberg-Siedlung enthüllten der damalige bayerische Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und die amerikanische USAREUR-Kommandeur das Monument und die danebenstehende Tafel feierlich. Seither fand dort auch das Gedenken zur Heiligen Barbara statt, mit der jeweiligen Fürbitte um Schutz beim Umgang mit Munition, Sprengstoffen und der Ausübung der Soldatenberufs.

Gefeiert wurde der Tag der Heiligen Barbara in den Gründungsjahren des Schießplatzes im Militärgasthaus. Platz für die Feiern der Bundeswehr ist heute die Barbarahütte an der Thumbachleite. In der weltlichen Feier wird dort gemeinsam mit den amerikanischen Soldaten der US-Kampfmittelbeseitigungskompanie, Range-Control, Bürgermeister und Gästen humorvoll auf das vergangene Jahr zurückgeblickt. Da alle Feiern der Bundeswehr derzeit untersagt sind, musste Kommandant Oberstleutnant Florian Rommel auch das Barbara-Gedenken für dieses Jahr absagen.

Ähnlich wird es auch Soldaten der 41. US-Feldartilleriebrigade gehen. Wie Samuel Zoker, der Command Sergeant Major der neu aufgestellten Artillerie-Einheit, berichtet ist für Januar ein prunkvoller, feierlicher Barbara-Ball geplant. Ob die Zahlen der Coronavirus-Infektionen das zulassen, steht allerdings noch in den Sternen.

Der im Februar 2020 verstorbene Monsignore Karl Wohlgut (rechts), hier mit einem amerikanischen Militärgeistlichen, gestaltete all die Jahre die Barbarafeiern der Bundeswehr und blickte auf die Geschichte der Barbara-Tradition zurück.

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