07.06.2019 - 10:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Spielfiguren der Vergangenheit

Die Teilnahme am Geschichtswettbewerb hat sich für die Schüler der Privaten Berufsschule des St. Michaels-Werks gelohnt. Sie gewinnen einen der Landespreise.

Lehrerin Johanna Rosner, Schulbegleiterin Doreen Selleng (Zweite und Dritte von links) sowie Schulleiter Peter Fleischmann (Dritter von rechts) sind stolz auf ihre Schüler. Mit dem Projekt "Handicap - Back to the past" holen (von links) Marcel Miles, Domenic Richter, Julian Schultheiß, Lukas Janisch und Tobias Winkler in einem Geschichtswettbewerb einen Landespreis. Nicht im Bild ist Lehrerin Miriam Sperber.
von Externer BeitragProfil

„So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch“: So lautete das Motto des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten und gefördert von der Körber-Stiftung. Dieser Wettbewerb findet alle zwei Jahre statt und will Jugendliche dazu motivieren, sich mit geschichtlichen Themen auseinanderzusetzen.

Genti Isa, Marcel Miles, Domenic Richter, Julian Schultheiß, Lukas Janisch und Tobias Winkler der Berufsvorbereitungsklasse im Fachbereich Elektrotechnik zeigten ein solches Interesse. Gemeinsam mit dem Museums-Café in Flossenbürg holten sie mit dem Projekt „Handicap – Back to the past“ einen Landespreis.

Die Schüler setzten sich im Vorfeld intensiv mit dem Thema „Euthanasie“ auseinander: Wie lebten Menschen mit Behinderung während der NS-Zeit? Der Besuch in der Flossenbürger Gedenkstätte und Interviews mit Experten vertieften die Einblicke in die damalige Zeit. Menschen mit Behinderung wurden in Flossenbürg zwar nicht ermordet, da dieser Ort ein reines Arbeitslager war.

Heute arbeiten im ehemaligen SS-Casino nun Menschen mit Behinderung. Dies war ebenfalls Inhalt des Forschungsprojekts: Wie geht es Menschen mit Behinderung heute? Dazu lernten sie Mitarbeiter des Cafés kennen und befragten sie.

Mit den Mitarbeiterinnen gestalteten die Schüler anschließend ein großes Brettspiel, das die NS-Zeit, aber auch die Zeit nach der Befreiung der KZs für Menschen mit Behinderung beschreibt. Dazu gestalteten die Jugendlichen Rollenkarten, die man zu Spielbeginn zieht. Je nach Karte wird in die Rolle eines Bürger, SS-Offiziers oder eines Menschen mit Handicap geschlüpft. Auf Ereignisfeldern wird eine Karte – je nach Rolle – gezogen. Der SS-Offizier hat es innerhalb der NS-Zeit gut: Er darf noch einmal würfeln oder die Figur eines Menschen mit Handicap zurückstellen. Nach 1945 wird diesem jedoch der Prozess gemacht. Er muss aussetzen und in die Arrestzelle. Für die Menschen mit Behinderung ist die Zeit bis 1945 beschwerlich, sie müssen aussetzen oder wieder auf vorherige Felder zurück.

Nach 1945 geht es bergauf, denn dann gilt beispielsweise für alle Bürger das Recht, dass ihre Würde unantastbar ist (Artikel 1, Grundgesetz). Den jeweiligen Rollen kommt das entgegen und sie dürfen Felder vorrücken. Sowohl Spiel- und Spezialfelder als auch Ereignis- und Rollenkarten erstellten die Schülern und Café-Angestellten. Auch die Spielfiguren wurden individuell gestaltet: Die Figur des Blinden wurde mit einem Blindenstock und drei schwarzen Punkten versehen. Der SS-Offizier bekam einen schwarzen Helm und ein Gewehr, der Bürger einen Hammer.

Spieler erleben innerhalb der ihnen zugewiesenen Rollen, wie unterschiedlich verschiedene Gesellschaftsgruppen in der NS-Zeit behandelt wurden. Darüber hinaus spüren die die Teilnehmer, wie es sich anfühlt, aus fadenscheinigen Gründen benachteiligt zu werden.

Johanna Rosner und Miriam Sperber, Lehrer an der Berufsschule Grafenwöhr, betreuten das Projekt. Sie sind stolz auf ihre Schüler und auf den Landessieg. Auch Schulleiter Peter Fleischmann lobte die Arbeit der Jugendlichen: „Es stecken viele Ideen, Arbeit und Zeit in diesem Projekt. Es ist schön, dass dies nun mit einem Landespreis belohnt wird.“

Neben einem Preisgeld dürfen die Schüler nun ihre Urkunde im Rathaus in München entgegennehmen. Dennoch ist der Weg noch nicht zu Ende: Sie haben mit ihrem Projekt auch die Chance, einen der 50 Bundespreise zu gewinnen. Die Ergebnisse werden im Herbst feststehen – es bleibt für die Schüler also spannend.

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