23.11.2020 - 16:05 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Klassisch oder brandneu? Stadtrat Grafenwöhr diskutiert über Schattenspender für Glasflächen

Der Grafenwöhrer Stadtrat beschäftigt sich einmal mehr mit der Stadthalle: Architekt Reinhold Krausch stellt eine Alternativmöglichkeit zur Verschattung vor und erläutert die Einrichtung der Küche.

Die Abbrucharbeiten stehen kurz vor dem Abschluss. Bald kann es an den Innenausbau der Stadthalle gehen.
von Stefan NeidlProfil

Die Pläne zur Sanierung der Stadthalle sehen den Bau eines großen Glasfoyers vor. Die Glasfläche dort wird über 200 Quadratmeter betragen, dazu kommen 180 Quadratmeter in der Halle selbst. Die Frage ist, wie dies verschattet werden soll. Architekt Reinhold Krausch war deshalb in der Sitzung des Stadtrats zu Gast.

Die klassische Lösung sei ein Raffstore, merkte Krausch an und machte zugleich deutlich, dass dieser auch Nachteile habe. Sie nehmen den Blick nach außen und – wie Jürgen Wegmann (CSU) von seiner Schule weiß –, sie fahren zum Eigenschutz bei starkem Wind automatisch ein und erfüllen dann ihren Zweck nicht mehr. Zwar reduzieren sie die Wärmeeinwirkung, nehmen aber auch das Tageslicht.

Darum stellte Krausch eine relativ neue Entwicklung vor: das "Sage-Glass". Dieses töne sich durch Elektronik zwischen den Scheiben automatisch oder auf Knopfdruck in verschiedenen Stufen, erläuterte der Architekt. Die Sicht nach außen bleibe dadurch erhalten, dennoch werde viel von der Aufwärmung weggenommen. Zudem sei es windunabhängig.

Knackpunkt sind allerdings die Kosten. Wie Krausch mitteilte, koste ein Quadratmeter 800 Euro. Bei den knapp 400 Quadratmetern, die für die Stadthalle benötigt werden, belaufe sich der Gesamtpreis auf rund 320 000 Euro – rund 240 000 Euro mehr als bei einem normalem Glas für 100 Euro pro Quadratmeter.

Da aber die Wartungs- und eventuelle Reparaturkosten für den Raffstore wegfallen und auch der Energieverbrauch für die Kühlung von Halle und Foyer günstiger werde, rechnet Krausch nach den Vorgaben des Herstellers mit einer Kostenersparnis über 20 Jahre. Die Scheiben selbst seien wartungsfrei.

Der Produzent gibt die Lebensdauer mit 30 bis 50 Jahre an. Da das Produkt seit 2012 auf dem Markt ist, gebe es aber noch keine entsprechenden Erfahrungsberichte, sagte der Architekt.

Gerhard Mark (CSU) erkundigte sich nach den Auswirkungen von kleinen Beschädigungen auf die Elektronik und eventuellen Reparaturen. Er fragte auch nach einer Selbstreinigung der Scheiben.

Gerald Morgenstern (CSU) gab zu bedenken, dass die Tribüne nun schon mit Extrakosten verbunden sei und noch weitere Sonderausgaben während des Baus auftreten könnten. Er brachte eine Trennung ins Spiel: Die übliche, billigere Jalousie könnte an der Halle installiert werden, die neuwertigen Fenster im Foyer.

Thomas Schopf (FW) befürwortete dies und erinnerte an die wegfallende aufwendige Reinigung einer Jalousie. Außerdem sei diese anfällig für Sturmschäden.

Julia Waldmann (CSU) blieb skeptisch, da keine Erfahrungen aus der Praxis bekannt seien: "Ob das wirklich richtig war, merkt man dann erst in 30 Jahren." Krausch erklärte, die Garantie des Herstellers belaufe sich auf zehn Jahre für die Fenster und auf weitere fünf Jahre für die Elektronik.

Bürgermeister Edgar Knobloch (CSU) will eine genaue Ermittlung der Kosten für die verschiedenen Szenarien durch den Architekten und die Besichtigung eines Praxisbeispiels, wo diese Fenster bereits verbaut sind. Die Verwaltung solle außerdem eine Förderung prüfen.

Krausch erklärte dazu, dass er von der Förderstelle bereits Wohlwollen vernommen habe. Eine Verdunkelung im Inneren der Halle für Veranstaltungen sei unabhängig von der Verschattung ohnehin nötig.

Das Inventar der alten Küche ist mittlerweile komplett herausgerissen. Der Architekt will demnächst die Bestellungen für die Geräte der neuen Küche vornehmen.

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Darum musste der Stadtrat entscheiden, in welchem Umfang die Küche leistungsfähig sein soll: nur für die Gaststube oder auch zur Abdeckung von großen Veranstaltungen in der Halle.

Schopf wusste aus der Vergangenheit, dass die Pächter meist nur am eigenen Wirtshaus interessiert waren, und war gegen die Anschaffung einer größeren Küche. Bürgermeister Edgar Knobloch und Stefan Ott (SPD) wollten diese Möglichkeit aber nicht von vornherein ausschließen und einem noch zu suchenden neuen Pächter zumindest die Chance darauf eröffnen. Die Ausschreibung für einen Wirt soll Anfang nächsten Jahres starten.

Für Morgenstern wäre es ideal gewesen, diesen schon zu kennen und die Ausstattung nach seinen Bedürfnissen anzupassen. Krausch wollte aber mit einer Bestellung nicht mehr zu lange warten.

Der Stadtrat entscheid sich deshalb für das Festhalten an einer großen Gastroküche, die die ganze Halle bewirtschaften könnte. Die Kosten dafür sind mit einer Viertelmillion Euro veranschlagt. Außerdem wurde auf Antrag von Gerald Morgenstern der Einbau einer Zapfanlage beschlossen.

Architekt Reinhold Krausch (links) benötigt für die weitere Planung der Stadthalle einige Entscheidungen seitens des Stadtrats.

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