23.05.2019 - 11:25 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Für die Nachwelt gesichert

Vertreter von Bundesforst und US-Armee bergen Grabsteine des Friedhofs des verlassenen Ortes Pappenberg im Truppenübungsplatz.

1938 mussten die Pappenberger von ihrer angestammten Heimat scheiden. Pappenberg war einer der ersten Orte, der geräumt wurde.
von Autor MORProfil

"Es ist bestimmt von Gottes Rath - dass man vom Liebsten was man hat - muß scheiden" ist auf der Inschrift eines Grabsteins vom verlassenen Pappenberger Friedhof zu lesen. Durch Bundesforst und die US-Armee wurden vom unzugänglichen Friedhof des verlassenen Übungsplatz-Dorfes kürzlich zwei Steine gesichert und an der Kirchenruine aufgestellt.

1938 mussten die Pappenberger von ihrer angestammten Heimat scheiden. Mit der Erweiterung des Übungsplatzes durch das NS-Regime wurden insgesamt 3500 Menschen aus 58 Ortschaften, Gehöften und Weilern umgesiedelt. Pappenberg war einer der ersten Orte, der geräumt wurde. Viele der Pappenberger fanden in Wolfskofen bei Regensburg eine neue Heimat.

Im Gefahrenbereich

Heute liegt die Wüstung des verlassenen Dorfes am Rande der Impact-Area zwischen und im Gefahrenbereich der Schießbahnen. Abgefeuerte Geschosse, Munitionsschrott und auch Blindgänger im Gelände sind Relikte des seit über 100 Jahren laufenden Schieß- und Übungsbetriebs.

Die Ruine der einstigen Wallfahrtskirche "Maria Himmelfahrt" ist dem Verfall preisgegeben. Die Natur holt sich zurück, was ihr einst mühsam abgerungen wurde. Ein Gedenkkreuz und eine Nachbildung des Pappenberger Gnadenbildes stehen vor der Ruine. Im August 2018 konnten rund 500 Gläubige und Ehemalige auf dem geräumten Platz vor der Ruine zusammen mit Weihbischof Reinhard Pappenberger den Jahrestag der Absiedelung vor 80 Jahren begehen - sonst bleibt Pappenberg Besuchern verborgen.

Bei einem Feuer im vergangenen Jahr brannten Buschwerk und meterhohe Dornensträuche des verfallenen Friedhofs nieder. Die Steine auf dem altehrwürdigen Gottesacker wurden wieder sichtbar. Vor dem erneuten Zuwuchern bargen Revierförster Andreas Irle, die Command Sergeant Majors Lew Gardner und Michael Sutterfield zusammen mit dem Stabsfeldwebel der Reserve und Autor des Übungsplatz-Buches Gerald Morgenstern zwei Steine.

Naturidyll

Ein Grabstein aus hartem Netzaberger Sandstein zeigt ein kunstvolles Bildhauer-Werk einer Bäuerin bei der Ernte von Kornähren. Ein weiterer Sandsteinsockel trägt die eingangs zitierte Inschrift. In Handarbeit wurden die Steine im Friedhof freigelegt, vor der Kirchenruine neu aufgestellt und somit für die Nachwelt auch erhalten. Die Bergeaktion in der morgendlichen schießfreien Zeit wurde vom Balzen der Kraniche in der Leuzenhofer Senke begleitet, in der Blüte standen die alten Obstbäume in der Sandgasse. Von Ferne rief auch der Kuckuck und gab das Zeichen für die einst bekannte Pappenberger Kuckucks-Kirwa. Durch das Betretungsverbot und die Menschenleere ist das Gebiet um Pappenberg zum Naturidyll und Rückzugsgebiet für Wildtiere und geschützte Arten geworden.

Reiche Historie

Die kleinen Schritte zum Erhalt von Kulturgut und der Erinnerung an Pappenberg wurden erneut von Revierförster Andreas Irle unterstützt. Der Forstbeamte repräsentiert auch den Eigentümer des Geländes, die Bundesfinanzverwaltung. Wald, Wild, Jagd, Grünflächenmanagement, Landschaftspflege und Naturschutz sind die Hauptaufgaben der Förster. Sie gewährleisten dadurch die Nutzung des militärischen Areals für die US-Armee und Soldaten aller Nationen.

Interesse an der Geschichte und historischer Arbeit zeigten auch die beiden Command Sergeant Majors. Michael Sutterfield vertrat die US-Armee-Garnison Bavaria, in deren Zuständigkeitsbereich die Kasernen, Wohnbereiche und Infrastruktur fallen. Lew Gardner ist ranghöchster Feldwebel des 7. US-Armee-Ausbildungskommandos zu deren Aufgaben der Schieß- und Übungsbetrieb in Grafenwöhr und Hohenfels gehören. CSM Gardner, der fasziniert von Grafenwöhr mit seiner vielfältigen Natur und reichen Historie ist, verlässt noch im Mai den Standort und geht zurück in die Staaten.

Lew Gardner (von links), Andreas Irle, Gerald Morgenstern und Michael Sutterfield bargen zwei erhaltenswerte Steine auf dem sonst unzugänglichen Friedhof.
Eine Bäuerin bei der Ernte von Kornähren zeigt diese Bildhauerkunst in Sandstein. Über Jahrzehnte lag der Grabstein auf dem verfallenen Friedhof von Pappenberg. Nun steht er mit einem weiteren Stein vor der Kirchenruine.
Durch ein Feuer im vergangenen Jahr wurden die Grabsteine auf dem verlassenen und verfallenen Gottesacker wieder sichtbar.
Der Pappenberger Friedhof im Jahr 1937, das Kreuz ziert heute den Friedhof in Wolfskofen.
Die Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt ist dem Verfall preisgegeben. Zwischen der Nachbildung des Pappenberger Gnadenbildes und dem Gedenkkreuz stehen die geborgenen Grabsteine.
Reine Handarbeit: Michael Sutterfield, Gerald Morgenstern, Lew Gardner und Andreas Irle gruben die Grabsteine aus.
„Es ist bestimmt von Gottes Rath – dass man vom Liebsten was man hat – muß scheiden“ lautet die Inschrift dieses Grabsteins.

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