28.07.2021 - 13:46 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

"Für immer in unseren Gedanken": Ausstellung in Grafenwöhr über verunglückte Soldaten bei Pegnitz

Am 18. August 1971 verloren 37 junge Soldaten bei einem Hubschrauberabsturz nahe Pegnitz ihr Leben. Zum 50. Jahrestag erinnert eine Ausstellung im Grafenwöhrer Museum an die Soldaten, das Unglück und die Trauer der Hinterbliebenen.

Die Ausstellung "Für immer in unseren Gedanken - Forever in our thoughts" gedenkt dem Leben und dem Tod der 37 verunglückten US-Soldaten.
von Stefan NeidlProfil

Der 18. August 1971 war ein Mittwoch, an dem das Leben von 37 US-Soldaten abrupt endete und der das ihrer Familien für immer veränderte. Ein Chinook-Hubschrauber verunglückte auf tragische Weise mitsamt seiner Insassen auf der Fischelhöhe bei Pegnitz. Untersuchungen des US-Militärs haben eine Materialermüdung am hinteren Rotor dafür ausgemacht. Aufgrund dessen war ein Rotorblatt abgerissen und hatte den Hubschrauber ins Trudeln gebracht. Der Unglückstag jährt sich nun bald zum 50. Mal. Ist das Ereignis über die Jahre etwas in Vergessenheit geraten, wollen Deutsche und Amerikaner nun wieder verstärkt daran erinnern.

Ein großer Trauerakt ist für den 18. August in Pegnitz geplant mit Vertretern aus Politik und Militär. Eine Familie eines der Verstorbenen hat bereits die Teilnahme zugesagt, weitere überlegen noch. Pegnitzer Stadtarchivar Andreas Bayerlein hat Fotos, Zeitungsberichte und Briefe rund um das Unglück gesammelt. Diese widmet er nun der Ausstellung "Für immer in unseren Gedanken – Forever in our thoughts". Diese wird zunächst in Grafenwöhr gezeigt. Zum Jahrestag des Unglücks wird sie aber in Pegnitz im Bürgerzentrum zu sehen sein.

"Die Beziehungen zwischen Deutschen und Amerikanern bestehen aus vielen positiven Geschichten. Diese traurige gehört aber genauso dazu", erklärt Grafenwöhrs Bürgermeister Edgar Knobloch zur Eröffnung. Sein Dank geht an sein Pegnitzer Pendant Wolfgang Nierhoff, die Eröffnung der Ausstellung in Grafenwöhr abhalten zu dürfen.

Stadtarchivar Bayerlein war mit viel Forschergeist und Herzblut an das Sammeln der Gedenkstücke herangegangen. Er berichtete, welche Schwierigkeiten es gab, Familien und Behörden zu kontaktieren und Informationen zu bekommen. Dabei erinnert er an mehrere Einzelschicksale: Dennis Angelo Ferraro war als Teil einer Helikoptercrew 1969 und 1979 während des Vietnamkrieges an über 100 Kampf- und Rettungsmissionen beteiligt. Seine Familie atmete auf, als er seine Dienstzeit in vermeintlicher Sicherheit in Deutschland beenden sollte – das Schicksal meinte es anders. Roger Madison Hartman hatte am 31. August 1970 Beth geheiratet. Beide hatten auch noch an diesem Tag Geburtstag – Roger wurde 20, Beth 18 Jahre alt. Ein Jahr später, anstelle ihren ersten Hochzeitstag und ihre gemeinsamen Geburtstage zu feiern, fand die Beerdigung statt, und Beth musste ihren Ehemann zu Grabe tragen.

Arthur Robert Kearney Jr. war der Älteste von zehn Geschwistern. Seine Eltern und neun Geschwister mit ihren Familien gedenken noch heute des Ereignisses von vor 50 Jahren. Samuel M. Cherry war der Sohn von Firmengründer Walter Lorain Cherry. In Gedenken an seinen Sohn wollte er mit der Region in Verbindung bleiben und ein Werk bei Pegnitz errichten, das letztendlich dann in Auerbach gebaut wurde.

Oberst Daniel Miller, Kommandeur der 41. US-Feldartilleriebrigade, berührte es, dass die Deutschen auch 50 Jahre nach dem Unglück immer noch den Toten Tribut zollen. Für ihn ist es ein Zeichen der starken Partnerschaft zwischen den Nationen. Besonders wichtig findet er, dass durch die Ausstellung auch dem Leben und nicht nur dem Tod der 37 US-Soldaten gedacht wird. Die Ausstellung ist noch bis zum 10. August im Kultur- und Militärmuseum Grafenwöhr zu sehen. Vom 16. August bis zum 17. Oktober kann sie im Bürgerzentrum Pegnitz betrachtet werden.

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Grafenwöhr
Archivar Andreas Bayerlein hat in akribischer Kleinarbeit Briefe, Zeitungsartikel und Fotos zusammengesammelt.
Lieutenant Colonel Angel Llompart, Pegnitz Bürgermeister Wolfang Nierhoff, Archivar Andreas Bayerlein, Grafenwöhrs Bürgermeister Edgar Knobloch, Oberst Daniel Miller und die Pressesprecher der 7th Army Training Command und der Garrison, André Potzler und Susanne Bartsch, gedachten der verunglückten US-Soldaten anlässlich der Ausstellungseröffnung.

"Die Beziehungen zwischen Deutschen und Amerikanern bestehen aus vielen positiven Geschichten. Diese traurige gehört aber genauso dazu."

Bürgermeister Edgar Knobloch

 

 

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