04.06.2021 - 15:19 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Als Elvis in Amberg den Verkehr regelte

Elvis Presley, damals einer der größten Stars der Welt, versetzte im Jahr 1960 die Oberpfalz in Aufruhr, als er als Soldat der US-Army die Kreuzungen der Region überwachte. Sammler und Elvis-Experte Wolfgang Houschka erinnert sich.

Elvis Presley wurde in der Oberpfalz als Panzerspäher eingesetzt und regelte unter anderem den Verkehr.
von Sebastian Böhm Kontakt Profil

Es ist Januar im Jahr 1960. Der damals zwölfjährige Wolfgang Houschka rast mit seinem Rad den Berg hinunter. Er kann es nicht fassen. Gleich wird er sein großes Idol sehen. Der Dorf-Funk hat verkündet: Weltstar Elvis Presley regelt gerade an einer Kreuzung in Amberg den Verkehr. Als Houschka an der Kreuzung angekommen ist, hat er Elvis Presley verpasst - um fünf Minuten. "Das waren mit die bittersten fünf Minuten meines Lebens", sagt er. Der zwölfjährige Houschka war damals schon Fan vom King of Rock 'n' Roll und als Sammler tief in die Welt von Elvis eingetaucht.

"Ich stamme aus der Generation der Rock 'n' Roller und ich war auch immer einer", resümiert der heute 74-Jährige. Als er das sagt, begutachtet er seine größten Elvis-Schätze. Er steht in einem Raum im Kultur- und Militärmuseum in Grafenwöhr. Diesem hat er seltene Sammlerstücke wie Plakate, Schallplatten, Autogramme von Wegbegleitern und Fotos für eine Dauerausstellung gegeben. Der Fensterbacher will hier seine über Jahrzehnte angewachsene Sammlung mit der Welt teilen.

Eröffnung wurde verschoben

Eigentlich sollte die Ausstellung schon nach Weihnachten eröffnet werden, doch die Pandemie machte den Planern einen Strich durch die Rechnung. Mit den nun sinkenden Inzidenzzahlen dürfen die Herzen der Elvis-Fans aber höher schlagen. Das Museum in Grafenwöhr ist wieder geöffnet - für Houschka ist dieser Ort genau der richtige für seine Schätze. "Hier war er damals und deswegen gehören hier auch die Sachen hin", sagt er.

Elvis Presley besuchte sogar zweimal die Oberpfalz. Im Jahr 1958 war er für rund sechs Wochen in Grafenwöhr als Soldat der US-Army stationiert. "Da war er aber für die Bevölkerung nicht sichtbar", sagt Houschka. Presley habe sich nur auf dem amerikanischen Truppenübungsplatz aufgehalten. 1960 kam er aber nochmals in die Region. "Und da war es ganz anders." Denn im Januar fand hier ein Manöver statt, das sich von Weiden über Amberg, Hirschau, Schnaittenbach bis nach Freihung erstreckte. Presleys Aufgabe als Panzerspäher war es, mit einem Jeep vor seiner Panzereinheit vorauszufahren und den Verkehr an den Kreuzungen zu regeln, wenn die Panzer durch die Städte fuhren. "Hier war er für alle zu sehen und er war damals ja schon ein Weltstar. Ihn kannten die Menschen bis in die hinterste Ecke von Feuerland", erklärt Houschka. Und auch in der Oberpfalz verbreitete sich die Meldung rund um den King, der auf den Straßen der Region unterwegs ist, wie ein Lauffeuer.

Bierdeckel wurden zu Schätzen

Die Amberger hatten Pech, die Panzereinheit lag gut in der Zeit und passierte die Stadt relativ zügig. In Hirschau war das anders. "Hier verzögerte sich die Einheit." Immer mehr Fans hatten also die Möglichkeit, zum King of Rock 'n' Roll auf den Hirschauer Marktplatz zu strömen. "Die Leute hatten damals keine Plattencover, also haben sie sich Bierdeckel signieren lassen. Und die sind heute wahnsinnig viel wert, weil Elvis nirgendwo anders mehr auf der Welt Bierdeckel unterschrieben hat. Er wusste gar nicht, was das ist", sagt Houschka. Aufgrund der kalten Temperaturen und der immer noch viel zu spät auf Hirschau zurollenden Panzer wärmte sich Presley im nahe gelegenen Gasthaus "Goldenes Lamm" auf. Hier trank er eine Cola und unterschrieb weiter fleißig Bierdeckel. In Hirschau an diesem Tag immer an der Seite des King war Sepp Müller Anderl mit der Fotokamera - der Lokalreporter schoss wohl mit die wichtigsten Bilder seines Lebens.

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Ein Brief von Elvis

"Der Sepp und der Elvis waren irgendwie geistesverwandt", sagt Houschka. Josef Müller, so der bürgerliche Name, habe am Anfang gar nicht so richtig gewusst, wer Elvis Presley überhaupt sei. "Der Sepp konnte kein Englisch, sie haben sich mit Händen und Füßen unterhalten", erklärt Houschka. Beide waren Autonarren. Müller zeigte Presley sein DKW Sportcoupe Roadster. Der King wollte es ihm sofort abkaufen. Wolfgang Houschka vermutet, dass der Deal an den Sprachbarrieren gescheitert ist. Elvis drückte dem Lokalreporter einen Zettel mit seiner Adresse in die Hand, an die Müller dann die Abzüge der Fotos von diesem Tag schickte. Der King of Rock 'n' Roll bedankte sich Monate später mit einem handgeschrieben Brief, der mit der Begrüßung "Dear Sepp" begann. "Ich habe ihm den Brief dann übersetzt, der Sepp konnte ja kein Englisch", sagte Wolfgang Houschka. Müller fragte ihn, ob der Brief wertvoll sei. "Ich habe ihm geantwortet: Er ist wertvoller, als alles, was ich dir geben könnte." Eine Kopie von dem Brief hängt heute im Kultur- und Militärmuseum in Grafenwöhr. Wolfgang Houschka hat ihn sich gerade noch einmal durchgelesen, dann setzt er sich wieder hin und erzählt weiter.

Hinter vielen seiner Platten würden abendfüllende Geschichten stecken, sagt der Elvis-Experte aus Fensterbach. Man merkt, er ist nicht nur leidenschaftlicher Sammler, sondern vor allem auch ein Fan der Songs von Presley. "Seine Musik war eine Revolution." Live hat Houschka den King aber nie gesehen - weder damals in Amberg noch irgendwann später auf einer Bühne. Damals sei es gar nicht möglich gewesen, von der Oberpfalz aus Karten zu buchen. Und in den USA seien die Konzerte ja dann schon ausverkauft gewesen. "Man hat deswegen nie daran gedacht, so ein Wagnis einzugehen. Heute würde das natürlich relativ unkompliziert gehen", sagt er.

Heute erinnert sich Houschka einfach gerne zurück, genießt aber immer noch die Rock 'n' Roll-Musik. "Ich höre jetzt oft beim Autofahren die Songs von Elvis Presley", sagt er und lacht dabei. Er nimmt sein Idol quasi im Auto mit. Und sicher ist diese Variante mit 74 Jahren auch ein wenig angenehmer, als die damals, als er dem Weltstar im kalten Oberpfälzer Januar vergeblich nachgeradelt ist.

Info:

Das wertvollste Stück der Dauerausstellung

Eine Raubpressung ist das wertvollste Stück der Dauerausstellung im Kultur- und Militärmuseum in Grafenwöhr. Sie gibt es nur in geringer Auflage.

Auf der LP sind Songs von Elvis Presley und den Beatles zu hören. "Unter 400 oder 500 Euro wird hier wohl nichts gehen", schätzt Wolfgang Houschka den Wert ein.

Info:

Elvis Presleys Geheimkonzert in der Micky-Bar

Die wohl bekannteste Anekdote rund um Presley und die Oberpfalz ist die von Elvis' legendärem Privatkonzert in der Micky-Bar in Grafenwöhr - ein Dankeschön des Musikers für die Betreiber des Tanzlokals, die ihn und seinen Vater Vernon Presley für einige Tage als Gäste aufgenommen hatten.

Es soll das einzige Konzert des Kings abseits des amerikanischen Kontinents gewesen sein. Auf dem Piano, wurde nach Elvis Presleys Spontan-Auftritt nicht mehr gespielt. Es steht heute im Kultur- und Militärmuseum in Grafenwöhr.

 

 

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