28.07.2020 - 12:49 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Einfache Gläubige der wahre Schatz der Kirche: Feier des Grafenwöhrer Annafestes

Geistlich, menschlich, kulturell: Um Schätze aller Art dreht sich der Gottesdienst zum 250-jährigen Bestehen der Maria-Hilf-Kirche auf dem Grafenwöhrer Annaberg. Manche legt der Stadtpfarrer den Gläubigen besonders ans Herz.

Zusammen mit den Ruhestandsgeistlichen Hans Bayer (links) und Wolfgang Traßl (rechts) feiert Stadtpfarrer Bernhard Müller den Festgottesdienst.
von Autor AZProfil

Der Sonntagmorgen war total verregnet. Abgesagt wurde daher die Feier zum Annafest im Freien vor der Gruft. Stattdessen wurde sie nach oben in die Maria-Hilf-Kirche verlegt. Die Teilnahme dort war coronabedingt sehr überschaubar, die Anzahl der Gläubigen mit Regenschirmen davor auch nicht „die Wucht“. Schade! Schade? Stadtpfarrer Bernhard Müller – seit längerem erstmals wieder in Konzelebration mit den Ruhestandsgeistlichen Hans Bayer und Wolfgang Traßl am Altar – wusste diesen Umstand zu deuten.

Der Festgottesdienst zum 250-jährigen Jubiläum des Gotteshauses solle schließlich in der Kirche selbst würdig begangen werden, erklärte er. Gemeindereferentin Christine Gößl, die mit ihrer Kindergruppe die heilige Anna mit einem eigenen Wortgottesdienst an der Mariengrotte ehren wollte, verstand dies gleichfalls sozusagen als „göttlichen Wink“. So wurde es eine „integrierte Festmesse“, die einer harmonischen Familienfeier glich und würdig untermalt wurde vom Dreiklang Kolping-Kinderchor, unter Leitung von Andreas Greiner, der Erwachsenen-Gesangsgruppe, initiiert von Stephan Wolf, und den Gläubigen.

Der breite Willkommensgruß von Stadtpfarrer Bernhard Müller galt auch den Vertretern von Stadt, Frauenbund und Kolpingsfamilie mit ihren Fahnenabordnungen, allen zu Jahrgangstreffen Angereisten, besonders dem Schülerjahrgang 1932/33. "Wer von uns würde nicht gerne einmal einen Schatz finden, etwas Kostbares entdecken?", fragte der Stadtpfarrer zu Beginn seiner Festpredigt und lehnte sich dabei an das Tagesevangelium von der Schatzsuche an.

Bei der Vorbereitung dieses Annafestes und der Suche dabei nach verloren geglaubten Dingen sei man tatsächlich fündig geworden, berichtete er: In den Tiefen des Pfarr-Tresors seien „fünf wunderbare liturgische Gegenstände ans Tageslicht gekommen: die berühmte Monstranz mit der schwarzen Hand und den Reliquien der heiligen Anna, zwei wunderschöne alte Kelche, schön verzierte silberne Wein- und Wasserkännchen sowie eine weitere Reliquien-Monstranz". Die Frage nach dem materiellen Wert der Gegenstände sei nicht entscheidend, schon eher nach dem ideellen – was auch auf deren Echtheit zutreffe. Wollte man die überall auf der Welt gezeigten Kreuzpartikel addieren, „würde man vielleicht zehn Kreuze zusammenbringen“, gab Müller zu bedenken.

Immer wieder werde die Kirche wegen ihrer Schätze und ihres Reichtums angegriffen. „Es mag schon sein, dass man auf manchen Reichtum verzichten könnte“, gestand er. Zugleich werde Papst Franziskus nicht müde, zu betonen, "wie wichtig die Ärmsten der Armen in unserer Kirche sind".. Sehr bewusst habe er sich den Namen des heiligen Franz von Assisi, des Bettelmönches aus Umbrien, gegeben. Müller pflichtete Papst Franziskus bei: „Die einfachen Christen sind der wahre Schatz der Kirche. Menschen, die vor der Welt wenig gelten, die aber ihr Leben und ihren Glauben für Christus einsetzen. Ich meine, das ist wirklich eine frohe Botschaft.“ In den Evangelien gehe Jesus auf die Menschen zu – nicht auf die Reichen und Klugen, vielmehr auf die Bedürftigen, Kranken, Elenden, die Mühseligen und Beladenen.

Ableitend von Jesu Großeltern Anna und Joachim, hob der Stadtpfarrer hervor, dass Großeltern für die Familien immer ein Segen seien: Helfend einspringen, Zeit haben für die Kinder, da sein für sie im Gespräch, Helfen in seelischer Not, ausgleichend wirken, nannte er beispielsweise als deren Attribute. Ganz wesentlich sei, dass Großeltern dort Verantwortung übernehmen könnten, wo Eltern dies zu wenig tun oder können – nämlich in der Vermittlung von Werten, etwa in der Weitergabe des Glaubens.

Müller resümierte: „Eltern und Großeltern sind ein unendlicher Schatz für ihre Kinder und Enkelkinder. Für uns gläubige Christen sind Maria und Anna solch große Schätze, die wir nicht genug ehren und würdigen können.“ Nicht nur am Annafest, vielmehr alle Tage unseres Lebens gelte es dies zu beherzigen. Lektorin Angela Biersack deckte in den Fürbitten das ganze Spektrum an Frauen und Männern ab, die sich für Familie, Gesellschaft und Kirche einsetzen, und gedachte dabei auch der Verstorbenen.

Eine große Unterstützerschar hatte zur Vorbereitung und Organisation des Festgottesdienstes beigetragen. Nicht nur ihnen dankte Pfarrer Bernhard Müller abschließend – darüber hinaus all den Verlässlichen, die das Jahr über sich um Kirche, Gruft und Grotte kümmern und schließlich den treuen Betern auf dem Annaberg. Ein extra „Vergelt`s Gott" sagte er Pfarrarchivarin Leonore Böhm, die, unterstützt von Ehemann Reinhold, die „wunderbare Broschüre 250 Jahre Mariahilfkirche in Grafenwöhr“ erstellt und gestaltet hatte.

Übrigens wurde jedes Kind im Festgottesdienst mit einem Schatzkästlein beschenkt. Dessen wertvollster Inhalt ist ein kleiner Gebetstext.

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Sehr überschaubar ist in Corona-Zeiten die Anzahl der Gläubigen in der Maria-Hilf-Kirche.
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