28.09.2020 - 16:18 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Discos in Weiden und Landkreis Neustadt: Hat es sich ausgetanzt?

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Alkohol und tanzen, einen schönen Abend mit den Liebsten verbringen: So sahen Discobesuche vor Corona aus. Ein "nach Corona" gibt es für die Clubs und Discos hoffentlich auch, doch die Zeiten sind schwierig. Inhaber aus der Region erzählen.

In einer großen Discokugel spiegelt sich die leere Tanzfläche der geschlossenen Disco. Die Clubs müssen in der Corona-Pandemie weiterhin ausharren.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Wie es für sie weitergeht, weiß Ramona Löscher nicht. Die 57-Jährige betreibt die Disco "Flashback" in Grafenwöhr. Einnahmen hat sie derzeit null. Ihre Disco muss wegen der Corona-Pandemie geschlossen bleiben - wie so viele andere in Bayern auch. Große Hoffnung, dass sich die nächsten Monate an der Situation etwas ändert, hat Löscher nicht. In ihrem "Flashback" werden wohl noch länger Musik und Licht aus bleiben müssen, meint sie. Eine schwierige Lage, denn der 57-Jährigen fehlt so natürlich das monatliche Einkommen. Sie muss nun erst einmal vom Ersparten leben. "Das ist unser Geld für die Rente", seufzt sie.

22 Angestellte habe sie schon entlassen müssen, nur noch eine sei geblieben, die ihr bei der Büroarbeit und beim Putzen hilft. "Es ist nicht so, dass ich verzweifelt bin, aber irgendwie doch." Von der Politik fühlt sich die Discobesitzerin völlig alleingelassen. Unterstützung erhalte sie nur von ihrem Vermieter. "Ich brauche im Moment keine Miete zahlen, nur die Nebenkosten." Ein kleiner Lichtblick in der schweren Zeit. "Es muss etwas gemacht werden", fordert Löscher nun in Richtung politischer Größen. "Es wird an alles und jeden gedacht, aber die Clubbesitzer...", ärgert sie sich. Nicht nachvollziehen kann sie vor allem, dass Bars nun wieder öffnen dürfen, Discos aber nicht. "Entweder es dürfen alle wieder auf machen, oder keiner", meint sie.

Virologe: Bars und Clubs sind Corona-Hotspots

Deutschland und die Welt

Die 57-Jährige, die schon seit elf Jahren das "Flashback" betreibt, erzählt, dass sie jede Woche Anfragen bekommt, wann sie wieder öffnet. Das schmerzt die Inhaberin noch mehr. "Die Leute werden so frustriert, weil sie nirgendwo hinkönnen." Löscher hofft, dass sie ihren Fans bald antworten kann, dass ihre Disco wieder geöffnet hat. "Ich will auf jeden Fall wieder auf machen. Das ,Flashback' ist bekannt bis nach Amerika."

Die Inhaberin der Weidener Disco "Monkey" - früheres "Werk 2" - hat sich dagegen ein neues Konzept überlegt, um in dieser Zeit nicht komplett schließen zu müssen. Statt einer Disco ist das "Monkey" nun eine "Eventlocation" und wird es auch bleiben. "Wir haben die Genehmigung der Stadt Weiden bekommen, dass wir bestuhlen dürfen", berichtet Susanne Bauer. 200 Besucher haben hier nun Platz und können beispielsweise Konzerten oder Karaoke-Gesängen lauschen. Auch für private oder Firmenfeiern könnten die Räume gemietet werden. "Wir werden diesen normalen Discobetrieb nicht mehr aufnehmen", sagt sie. Das Hygienekonzept für die Location gleicht dem der Gastronomie: Maske beim Verlassen des Sitzplatzes, Abstandsregel, Registrieren der Gäste. "Es darf auch niemand an die Theke und sich etwas zum Trinken bestellen. Das machen Servicekräfte."

Dass Discos und Clubs derzeit noch geschlossen bleiben müssen, verstehe sie, aber der finanzielle Aspekt sei für diese Branche eben auch wichtig. "Wir haben das ,Monkey' erst frisch im Dezember aufgesperrt und vorher Geld investiert", sagt sie. Ein Grund, warum sie die Location nicht gleich wieder zusperren wollte. Deshalb nun das Alternativkonzept, mit dem sie den Laden am Laufen halten will. "Ändern können wir es sowieso nicht, wir müssen uns einfach an die Regeln halten."

Hintergrund:

Clubs als Viren-Hotspots

Clubs und Discos müssen derzeit in Bayern noch geschlossen bleiben, weil dort laut Experten perfekte Bedingungen für eine schnelle Verbreitung des Coronavirus herrschen. Es ist eng, man schwitzt, schreit einander mit geringem Abstand ins Ohr - „das ist genau dieses Szenario, bei denen es in anderen Ländern bereits zu massenhaften Ansteckungen gekommen ist. Das sind die Viren-Hotspots - gerade für das Coronavirus“, sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) im Mai der Deutschen Presse-Agentur. Tanzen mit beispielsweise Mund-Nase-Maske könne da keine Abhilfe schaffen. „Das ist Blödsinn.“ Die Maske sei nur ein zusätzliches Hilfsmittel, Abstand und Hygiene seien viel wichtiger. Das Sinnvollste wäre, in einen Club für sonst 100 Besucher nur fünf Gäste zu lassen. „Aber das will keiner, und das macht auch keinen Sinn.“ (dpa)

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