30.05.2021 - 19:36 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Befreiender Festspielstart des LTO

„Diesen Sommer werde ich immer in mir tragen.“ Ronja ist glücklich. Ein Gefühl, dass alle vor und auf der Bühne mit Astrid Lindgrens Räubertochter teilen. Ist das LTO-Stück doch der Auftakt eines vielleicht wieder normalen Theatersommers.

Räubertochter Ronja (Magdalena Meier) springt über den Höllenschlund ins Lager der Feinde, um ihren Freund Birk (Philipp Rosenthal, zweiter von rechts) zu retten. Ihre Eltern (Bernhard Neumann und Franziska Grünauer, Dritter und Vierte von links sind geschockt).
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

Mit dem Familienstück „Ronja Räubertochter“ inszeniert vom Landestheater Oberpfalz (LTO) endet auf der Naturbühne Schönberg nach monatelanger Corona-Spielpause eine kulturelle Durststrecke für die Theaterfans in der Region. Endlich wieder „klassisches“ Freilufttheater– und noch dazu mit Oberpfalz-untypisch gutem Wetter am Auftaktwochenende.

Die „kleine Eröffnung“, wie LTO-Geschäftsführer Wolfgang Meidenbauer die Premiere vor rund 130 Zuschauern am Samstagnachmittag mit Blick auf den offiziellen Festspielauftakt bei der ersten Abendvorstellung („Im Weißen Rössl“) bezeichnet, ist daher eine große. Nämlich ein allgemeines Aufatmen bei den Theaterfans und eine greifbare Perspektive für die Kulturschaffenden und die Theaterfans.

Das Stück zum Neustart über die Abenteuer zwei Räuberkinder aus verfeindeten Banden passt perfekt: Astrid Lindgrens Kinderbuch ist ein zeitlos modernes Meisterwerk über das Leben an sich. Zwischenmenschliche Kontakte, Krisen, Freundschaft, Liebe, der Eltern-Kind-Konflikt, Rivalitäten und die eigene Existenz in und mit der Natur. All dies findet sich in der Inszenierung wieder, die sich doch nicht nur optisch von der übermächtigen Vorlage und der bekannten Verfilmung abhebt.

Alterslos stimmig

Caroline Ghanipours Bearbeitung löst sich bei den Hauptfiguren auch von Alterskategorien. Ronja und Birk wirken mal wie Kinder, die zum ersten Mal in den Wald dürfen, mal wie rebellische Teenager, und mal fast schon wie ein Liebespaar. Dass die großartige Ronja-Darstellerin Magdalena Meier im wahren Leben genauso alt ist wie ihre Mutter Lovis im Stück (stark: Franziska Grünauer), verstärkt den Eindruck punktuell noch. Was eigentlich verwirren müsste, wirkt aber in der schwungvollen und kurzweiligen Inszenierung einfach nur stimmig. Die großartigen Protagonisten tragen die kompakte Handlung auch über schnelle Entwicklungen hinweg und bekommen durch das spielfreudige Ensemble zudem eine ungeheure Energie.

Den kleinen Zuschauern im Publikum sind solche Gedanken natürlich schnuppe. Sie lachen bei den Slapstickeinlagen und lockeren Sprüchen, fiebern mit, wenn Ronja und Birk von Wilddruden (Theresa Weidhas, Sigrid Künkler und Linde Hammer), angegriffen werden, und erleben schließlich gemeinsam mit ihren Eltern die Trauer der Räuber beim kindgerecht dargestellten Tod des sympathischen Glatzen-Per (Johannes Lukas).

LTO hat auch seine „Luisenburg“

Trotz aller Coronaeinschränkungen spielt die Pandemie Ghanipour in einem Punkt in die Karten. Die Regisseurin, die für das LTO bisher in der Stadthalle Vohenstrauß inszenierte („Rocky Horror Show“), war bei ihrer ersten Burgbegehung in Leuchtenberg überrascht. Doch bevor sie wie viele Regisseure zuvor die Herausforderung angehen konnte, wie sie gerade ein Stück wie „Ronja Räubertochter“ bei den vergleichsweise engen Platzverhältnissen auf die Bühne bringt, kamen die Einschränkungen, die in diesem Jahr ein Bespielen der Burg unmöglich machten. Ghanipour nutzt für die gelungene Inszenierung die ganze Weitläufigkeit der Naturbühne am Schönberg effektvoll aus und gibt Lindgrens phantasievollen Welten damit den nötigen Raum.

Eines steht seither fest: Die Burg Leuchtenberg mit ihrer besonderen Atmosphäre wird immer das Herz und die Seele der Festspiele des Landestheaters bleiben, die bis auf „Ur-Festspiele“ etwa um 1948 zurückgehen. Aber es ist ein gutes Gefühl – nicht nur während Corona, sondern auch künftig bei bestimmten Stücken –, auch auf eine Bühne mit Dimensionen wie in Grafenwöhr bauen zu können. Die begeisterten großen und kleinen Theaterfans am Wochenende sind der beste Beweis.

 

 

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