09.07.2021 - 18:21 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

70 Jahre Spielmannszug der Feuerwehr: Von der Trommlergruppe zum Grafenwöhrer Aushängeschild

Sein Mitglieder sind musikalische Botschafter und vertreten die Farben der Stadt. Zuerst spielten nur junge Feuerwehrmänner mit, später auch Mädchen und Jüngere. Im Juli wird der Grafenwöhrer Spielmannszug 70 Jahre jung.

von Renate GradlProfil

Das offizielle Gründungsjahr des Grafenwöhrer Spielmannszuges war 1951. Aber eine erste Trommlergruppe gab es schon in den 1930er Jahren und nach kriegsbedingter Pause wieder ab 1947/48 unter der Leitung von Georg Meißner. Unter den Gründungsmitgliedern waren Adolf Renner, Richard Neidl, Michael Koberger, Michael Brunner, Simon Kraus und Adam Specht.

Der erste offizielle Auftritt des Ensembles war 1949 beim Feuerwehrfest im Spechtgarten am Annaberg. Bereits damals konnte der Spielmannszug fest mit der Unterstützung des Vorstands der Feuerwehr, wie Wolfgang Neidl und später Alois Gradl, rechnen. Etwa 1954 kam eine Pfeifergruppe mit dem Ausbilder Max Völkl dazu.

Unter Gottfried Ott erlebte der Spielmannszug der Feuerwehr in den 1960er Jahren einen enormen Aufschwung. Flöten- und Fanfarenspieler hielten Einzug – und 1966 auch Mädchen, was einer kleinen Revolution gleichkam. Das erste von ihnen war Petra Gradl, die später zur "Spielmannszug-Mama" wurde. Rund ein Jahrzehnt später wurden auch vermehrt Kinder aufgenommen, um deren musikalischen Fähigkeiten zu fördern.

1969 trat der Spielmannszug erstmals bei einem Wertungsspiel an und erreichte auf Anhieb einen ersten Rang. Auch erfolgte der Beitritt zum Nordbayerischen Musikbund. Bogdan Czapla wurde 1965 erster organisatorischer Betreuer; 1970 übergab er das Amt an Engelbert Reiter.

Die mitgliederstärkste Zeit

Unter der Leitung von Werner Hößl, Ausbilderin Petra Melchner und Betreuer Engelbert Reiter erlebte der Musikzug in den 1970er Jahren seine mitgliederstärkste Zeit: Er zählte zeitweise bis zu 80 Musiker. Viele Kinder und verstärkt Jugendliche wurden damals in den Verein aufgenommen.

Die Anschaffung einer neuen, einheitlichen Uniform fand 1977 statt: Der gesamte Spielmannszug wurde mit roten Jäckchen, weißem Hemd und schwarzer Hose ausgestattet. Das Ensemble nahm an vielen großen Festumzügen teil.

Ein Höhepunkt war ein erneutes Wertungsspiel, das 1981 in Oberviechtach stattfand: Der Spielmannszug ging mit dem ersten Rang in der Marschmusikwertung nach Hause. 1983 ging ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung, als der gesamte Musikzug mit historisch orientierten Landsknechtsuniformen eingekleidet wurde.

1984 übernahmen Ansgar Melchner und Jürgen Ribakauskas die Vereinsleitung. Neben der Pflege der traditionellen Marschmusik, wie dem Lied "Preußens Gloria", wurden auch zunehmend Werke anderer Musikrichtungen einstudiert. Unter Tambourmajor Roland Kammerer wurde 1994 die langjährige Freundschaft mit dem Spielmannszug Erbendorf mit einer offiziellen Patenschaft besiegelt.

Erstmals Showmarschieren

Auch mit Dr. Christina Schultes als musikalischer Leiterin verzeichneten die Spielleute große Erfolge: Beim Wertungsspiel 1995 in Füssen gab es einen ersten Rang mit Belobigung und bei dem in Gerbrunn einen ersten Rang mit Auszeichnung. Ein erstmals dargebotenes Showmarschieren auf dem Marktplatz in Grafenwöhr wurde von der Bevölkerung mit Begeisterung angenommen.

1998 fand ein erneuter Wechsel in der Vereinsleitung statt. Peter Hößl wurde organisatorischer Betreuer und führte den Verein überaus erfolgreich in das neue Jahrtausend. In diesem Jahr erhielt der Musikzug eine gestiftete Standarte von der Stickerei Adler. Weitere Höhepunkte in der Geschichte des Spielmannszugs waren der gemeinsam mit dem Spielmannszug Erbendorf geblasene Zapfenstreich sowie die Teilnahme am Deutschen Feuerwehrtag in Augsburg im Jahre 2000, wo die Grafenwöhrer vor über 50 000 Zuschauern im Festzug mitwirkten.

Zu den "Highlights" zählt auch die "Benedikt-Parade" in Rom, wo die Musiker aus der Oberpfalz zu Ehren des Papstes aus Bayern spielten. Organisatorin und Betreuerin Maria-Luise Enderlein-Schmidt denkt noch gerne an dieses außergewöhnliche Erlebnis zurück, genauso wie die ganze Spielmannszug-Truppe, die im Jahr 2010 mit dabei war.

Besondere Vereinsphilosophie

Durch den Grundgedanken "Nur gemeinsam sind wir stark" entstand eine besondere Vereinsphilosophie im Spielmannszug: Mittlerweile musizieren dort Generationen zusammen, gestalten gemeinsam mit viel Spaß ihre Freizeit und leisten so ihren Beitrag zum kulturellen und auch sozialen Leben. Die großen und kleinen Musiker haben vor der Corona-Pandemie beispielsweise das Maibaum- und das Annafest begleitet, waren bei vielen Festzügen, beim Bürgerfest sowie beim Adventsmarkt in Grafenwöhr präsent und haben viele Geburtstagsständchen gespielt.

2017 hat Melanie Kappl den Tambourmajorsstab von Dr. Christina Eibel übernommen. Kappl hatte auch die Idee, neben der üblichen Probe eine "Zwergenprobe" einzuführen, damit es dem Spielmannszug nicht an Nachwuchs mangelt.

Leider konnten wegen Corona in den vergangenen Monaten weder Klein noch Groß proben. "Da aber die Inzidenzzahlen seit Mai 2021 zurückgegangen sind, werden wieder Proben des Spielmannszuges unter Einhaltung der Hygienevorschriften durchgeführt. Diese sind mittwochs um 19 Uhr beim Feuerwehrhaus", informiert organisatorische Leiterin Isabelle Schmidt. Eine Feier zum 70-jährigen Bestehen kann dagegen momentan weiterhin nicht über die Bühne gehen.

Mehr zum Spielmannszug Grafenwöhr

Grafenwöhr

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.