03.12.2021 - 15:33 Uhr
GeorgenbergOberpfalz

Dimpfl im Wandel der Zeit

Rupert Herrmann hat in seinen Vortrag viel Zeit investiert. Auf volle Zustimmung stößt sein Appell, Wissen über die Heimat zu sammeln und digital weiterzugeben. Dann taucht er tief in die Geschichte Dimpfls ein.

Rupert Herrmann (sitzend, links) hat bei seinem Vortrag über den Georgenberger Ortsteil DImpfl aufmerksame Zuhörer.
von Josef PilfusekProfil

„Wir müssen wieder mal zusammenkommen.“ Rupert Herrmanns Aufruf zu einem Gesprächsnachmittag zum Georgenberger Ortsteil Dimpfl stieß auf große Resonanz. Und so freut sich der im Ortsteil Faislbach lebende Familienvater über die vielen Gäste, denen auch schon eine gewisse Vorfreude anzumerken ist. Gekommen sind sie überwiegend aus dem Ortsteil Dimpfl. Denn diese Ortschaft steht im Mittelpunkt Herrmanns Recherchen und Ausführungen.

Was er bereits beim Gespräch zum 70. Geburtstag im September dieses Jahres betont hat, unterstreicht er immer wieder mal: „Wir müssen digitales Wissen unbedingt weitergeben.“ Schließlich habe doch fast jeder daheim einen Computer oder Notebook sowie Smartphone oder Tablet. „Nur das, was wir so schnell wie möglich digitalisieren, können wir unseren Nachkommen digital weitergeben“, regt er deshalb mit Nachdruck an.

Seine Frage nach dem Sinn einer regionalen Heimatdaten-Datei für die Gemeinde stößt bei den Gästen auf absolute Zustimmung. „Das Georgenberger Heimatbuch machen wir schon selbst“, zitiert er die Antwort aus dem Rathaus auf seine entsprechende Anfrage und bedauert diese. Das Geld dafür hält er nämlich „für in den Sand gesetzt“. In Ordnung sind für ihn fünf Exemplare. „Alles andere muss digital abrufbar sein“, findet er. „Wer Interesse hat, soll es lesen können. Ich kann dafür nur plädieren.“

Sein heimatlicher Grundsatz „Woher kommst du, wohin willst du?“ spiegelt sich im Vortrag wider. „Wir und unsere Nachkommen können einfach nur aus den vergangenen Vorkommnissen lernen und folglich mit der Zukunft besser umgehen“, ist er sicher. Als Beispiele dafür nennt er etwa Hochwasser-Katastrophen aus den Jahren 1894 in Neulosimthal oder am 4. Juni 1913 in Neuenhammer.

Frühe erste Spuren

Die Neubesiedelung von Dimpfl (früher Hartmannsrieth) geht laut Herrmann auf die Zeit nach 905 n. Chr. Zurück. „Am 12. Mai 1217 werden die Herren von Waldthurn erstmals urkundlich erwähnt“, lässt er wissen und spannt zunächst einen Bogen bis zum Dreißigjährigen Krieg, „der über diese Gegend unvorstellbares Leid gebracht hat“.

Seinen Worten zufolge hat sich nach der Schlacht am Weißen Berg um 1620 der Feldherr Ernst von Mansfeld in zusammenhängenden Linien vom Fahrenberg bis Waidhaus verschanzt und das Zottbachtal gesperrt. „Von seinem Lager am Rehperch plünderte sein Gesindel die ganze Umgebung“, sagt er dazu und ergänzt: „In der Ortschaft Dimpfl heißt ein Grundstück ‚Mansfeldacker‘.“

Herrmanns Reise durch die Geschichte geht über die Herren von Wirsberg und die Herrschaft durch das Fürstengeschlecht der Lobkowitzer sowie die Gründung der Expositur Sankt Christoph am 7. März 1732 und die Erhebung zur Pfarrei St. Christoph am 23. Januar 1788 bis hin zur 1830 entstandenen Gemeinde Dimpfl. „Die bisher selbstständige Gemeinde Rehberg wurde mit den Ortschaften Rehberg, Galsterlohe und Papiermühle zu Dimpfl vereint.“ Dazu gibt es von ihm auch Informationen zur Entwicklung der Einwohnerzahlen.

Mit dem Waldfest am 21. Juli 1924 des OWV Neuenhammer weist er auf das damalige Bestehen eines Oberpfälzer Waldvereins hin. Als damals herausragende Investition bezeichnet er die Aufstellung eines Elektrokultur-Apparats am 8. November 1926.

Dass schon 1935 und 1936 eine Art „Verwaltungsgemeinschaft“ entstanden ist, beschreibt Herrmann anhand der Bildung von Bürgermeistereien. „Die Gemeinden Brünst, Neudorf, Waldkirch und Georgenberg bekamen eine gemeinsame Verwaltung in Georgenberg, blieben aber selbstständig“, sagt er dazu. „Dimpfl, also Neuenhammer-Ost, kam als Mitgliedsgemeinde nach Bernrieth. Neuenhammer-West war dort schon.“

Seit 1971 „Großgemeinde Georgenberg“

Die Auflösung ist laut Herrmann zum 1. Januar 1948 erfolgt, die „Großgemeinde Georgenberg“ im Rahmen einer freiwilligen Gebietsreform dann zum 1. Januar 1971 entstanden.

„1969 hat die Feuerwehr ihr erstes Löschfahrzeug erhalten“, ist einer der vielen weiteren Hinweise, die bis hin zur neueren Geschichte gehen. Darunter sind unter anderem der Anschluss von Dimpfler Häusern an die gemeindliche Wasserversorgungsanlage 1998 oder an die Kläranlage Neuenhammer 2004 sowie der Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße von Hammermühle über Dimpfl bis nach Brünst (2018).

Nicht fehlen dürfen anhand einer Flurkarte die Bezeichnungen der Gebäude mit den Hausnahmen. Das gilt auch für Boden- und Baudenkmäler, darunter das unter Denkmalschutz stehende Stallwohnhaus Dimpfl 5, oder Flurdenkmäler, etwa das Schreier-Marterl oder das Leiden-Christi-Kreuz. Zur Parkanlage „Im Grund“ an der Kreisstraße NEW 32 nach Pleystein weiß Herrmann: „Deshalb sagt man auch oft: ‚Wir fahren über den Grund.‘“

Dass sich Herrmann derzeit auch den Opfern in beiden Weltkriegen widmet, beweist er mit der Nennung von Gefallenen und Vermissten. Dimpfl kann auch auf große Persönlichkeiten verweisen. Dazu zählt Pater Placidus OSB, der als Georg Gößl am 12. Januar 1911 geboren wurde. Ab 1939 war er Dozent für Dogmatik, von 1942 bis 1954 Seelsorger in Neuhausen und ab 1954 Religionslehrer und Professor in Metten. Gestorben ist er am 12 April 1974.

Dazu kommen die Ehrwürdigen Schwestern Bona (Maria Bock), Carisia (Anna Kleber), Bonita (Margarete Bock), Innozenz (Maria Lindner), Apollonia (Barbara Striegl), Anna Striegl und Martha (Sieglinde Kick). Weitere Informationen unter www.rupertherrmann.de

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