23.11.2020 - 13:18 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Vereinsleben der Eisenbahner bei Friedenfels steht still

Das „Eisenbahnerhaus“ auf der Bärnhöhe blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Wegen Corona ist das Vereinsheim derzeit geschlossen. Die Hoffnung, dass bald wieder Hüttenleben einkehrt, geben die Verantwortlichen aber noch nicht auf.

Obwohl noch nie eine Eisenbahnstrecke vorbeigeführt hat, ist das Signal für auswärtige Besucher das Erkennungszeichen für das ESV-Heim. Direkt davor beginnt das Streckennetz der Steinwaldloipe.
von Bernhard SchultesProfil

Dass der Eisenbahner-Sportverein Marktredwitz (ESV) neben sportlichen Aktivitäten das „Eisenbahnerhaus“ im Friedenfelser Ortsteil Bärnhöhe betreibt, beruht auf mehreren Zufällen. In der Vereinschronik ist hierzu vermerkt: Neben der Spende eines größeren Posten Stammholzes im Jahr 1938 durch den Vorstand des Betriebsamts Marktredwitz gab der passionierte Wanderer und Eisenbahner Josef Schultes den Tipp zu dem heutigen Standort des Vereinsheims. Damals hatte man von dort aus eine einmalige Aussicht bis weit hinein in die nördliche Oberpfalz und nach Böhmen.

Die anschließenden Verhandlungen verliefen zudem recht erfolgreich für den Verein: Das Grundstück, eine Fläche von 1028 Quadratmetern, wurde mit Kaufvertrag vom 31. Mai 1938 zum Preis von 300 Reichsmark von der Familie Benno Tretter, Bärnhöhe, erworben, so ein Vermerk in den Vereinsunterlagen. Umgehend nach dem Kauf begannen Techniker des Betriebsamts Marktredwitz mit der Erstellung eines Bauplans.

An Wochenenden oft ausgebucht

Neben den Vereinsmitgliedern kümmerten sich auch Mitglieder von damaligen Bahnmeistereien der umliegenden Bahnhöfe um die anschließende Ausführung des Baues. Der Chronik ist zu entnehmen, dass durch die große Unterstützung und breite Hilfe die Unterkunftshütte Bärnhöhe noch im Jahre 1938 fertiggestellt und eingeweiht werden konnte.

Danach setzte ein Ansturm von neuen Mitgliedern ein. Bedienstete von den Bahnhöfen an den Strecken Marktredwitz bis Engelmannsreuth, Windischeschenbach bis Röslau, Kemnath-Neustadt bis Stockau sowie von den die Nebenbahnstrecken Wiesau bis Waldsassen, Wiesau bis Bärnau, Neusorg bis Fichtelberg, Holenbrunn bis Leupoldsdorf sowie von Holenbrunn bis Unterweißenbach (Selb), traten dem Verein bei. An den Wochenenden war die Unterkunftshütte Bärnhöhe deshalb oft belegt und ausgebucht.

Am 26. November 1957 kam es zum Ankauf eines weiteren angrenzenden Grundstücks. Der ESV erwarb zum Preis von 4000 DM den heutigen vor der Hütte liegenden großen Garten. Damals diente er als Spiel- und Liegewiese für die Wochenendbesucher. „Als großer Stützpunkt für den Wander- und Skisport der Mitglieder“, wurde das Vereinsheim zur damaligen Zeit in den Chronikbüchern geführt. Bedingt durch das große Einzugsgebiet der Vereinsmitglieder erweiterten sich auch die Freizeitaktivitäten des ESV. In Neusorg sowie anschließend in Marktredwitz wurden auf gepachteten Eisenbahn-Grundstücken vereinseigene Schießstände mit Aufenthaltsräumen betrieben. Der Verein hatte zu dieser Zeit ausgezeichnete Schützen.

Beliebt bei Wanderern

Bekannt ist laut mündlicher und schriftlicher Überlieferung, dass bei den jährlichen Schießwettbewerben und Meisterschaften mit allen damaligen Bundesbahn-Direktionen stets Marktredwitzer Schützen mit Erfolg heimkehrten. Neben den Freizeitaktivitäten Wandern und Schießen, bot der Verein in den Folgejahren überdies die Sportarten Tischtennis, Kegeln und Skilanglauf an.

Hans Meister organisierte ab diesen Zeitpunkt die alljährlichen Wanderurlaube nach Südtirol sowie die Städtereisen nach Paris, London, Brüssel, Helsinki, Rom, Wien und nach Budapest. Neben den Freizeitaktivitäten und gesellschaftlichen Schwerpunkten legten die Vorstände des ESV in ihrem Amtszeiten, Alois Zintl (1978 bis 2008), Gerd Kreil (2008 bis 2014) und Ute Zintl (2014 bis heute), stets auch ein großes Augenmerk auf das vereinseigene ESV-Heim. Unzählige Renovierungsarbeiten, Umbauten und Instandsetzungsmaßnahmen machten das Vereinsheim dabei zu einem beliebten Aufenthaltsort für Wanderer und Vereine aller Art. Hüttenmieter und Besucher lobten zuhauf die urige Unterkunft und vermerkten im Hüttenbuch stets ein Wiederkommen.

Doch neben all dem Engagement und Arbeitseifer plagen den Verein auch Sorgen, wie die derzeitige Vorsitzende Ute Zintl weiß. „Alles andere als erfreulich ist neben der derzeitigen Corona-Pandemie für den Verein die Mitgliederentwicklung. Von den einst 303 Mitgliedern, alles Eisenbahner, im Jahre 1976 sind heute nur noch 87 Eisenbahner und 31 Nichteisenbahner registriert.“ Ehrenvorsitzender Alois Zintl, kennt hierzu auch die Gründe: „Seit 1980 sinkt die Mitgliederzahl, bedingt durch die Altersstruktur. Durch die Umwandlung der Deutschen Bundesbahn in Aktiengesellschaften mit gleichzeitiger Auflösung von Ämtern und Dienststellen im Einzugsbereich Weiden/Kirchenlaibach bis Hof seien fast keine DB-Mitarbeiter mehr eingestellt worden.

Arbeits- und Hüttencrew mit zehn Leuten

Zahlreiche aktive Mitglieder seien zudem in die großen Zentren der Deutschen Bahn nach Nürnberg, München und Berlin versetzt worden und haben deshalb den Verein wohnortbedingt verlassen. Stolz ist Vorsitzende Ute Zintl jedoch auf ihre rund zehn Personen umfassende Arbeits- und Hüttencrew. „Diese Männer und Frauen im Rentenalter halten das ,Eisenbahnerhaus‘ in Schuss und sehen fast täglich nach dem Rechten.“ Die Vorsitzende erwähnt hierzu die Holzaktionen für das Brennholz im Winter, die umfassende Gebäudeunterhaltung, die Blumen- Garten- und Rasenpflege sowie die wöchentliche Reinigung der Berghütte.

Nicht missen möchten dabei die Rentner bei ihren Arbeitseinsätzen eine gemütliche Zusammenkunft nach getaner Arbeit im großen Aufenthaltsraum. „Bei einem Getränk und einer guten Brotzeit wird selbstverständlich hierbei das einstige umfangreiche Eisenbahnerleben ausgiebig in Erinnerung gebracht“, meinte jüngst einer der Beteiligten.

Der Eisenbahner-Sportverein Marktredwitz traf sich im Frühjahr zur Jahreshauptversammlung

Friedenfels
Zum Aushängeschild wurde in den letzten Jahren das Vereinsheim des Eisenbahner-Sportvereins Marktredwitz im Friedenfelser Ortsteil Bärnhöhe. Die beliebte Unterkunft wurde vor Corona von Vereinen aller Art gemietet.
Viel Arbeit fällt alljährlich auf dem großen Vereinsgelände des ESV an. Eine 10-köpfige Rentnercrew kümmert sich in den letzten Jahren um die Instandhaltung. Im Bild (von links) Zweiter Vorsitzender Gerhard Robl, Eckbert Vollath und Hans Konz beim Laubrechen im vergangenen Herbst.
Viele Jahre nach dem Bau des ESV-Heimes hatte man eine herrliche Fernsicht bis weit hinein in die nördliche Oberpfalz und nach Böhmen (Bild zeigt eine Aufnahme um 1950). Durch Aufforstung und Anpflanzung eines Nachbargrundstücks müssen die heutigen Besucher auf dieses Sichtfeld Richtung Süden und Osten verzichten.
Ehrenvorsitzender Alois Zintl (rechts) und Heinrich Brunner (links) kümmern sich um Brennholz für den Winter.
Das ESV-Heim im Jahr 1959. Bereits damals dienten die Terrasse und die angerenzende Liegewiese an schönen Sommer- und Herbsttagen für die Erholung.
Hintergrund:

Sportverein bundesweit bekannt

Eine erfreuliche sportliche Entwicklung im Vereinsgeschehen nahm der Skilanglauf im Winter. In dieser Disziplin wurde der Eisenbahner-Sportverein Marktredwitz bundesweit bekannt. Die Skilangläufer Heinrich Brunner, Manfred Fischer, Josef Geuder und Hans Söllner wurden 1985 bei den Nordischen Eisenbahn-Skimeisterschaften, Deutscher Vizemeister in der 4 mal 10 Kilometer Staffel. Großen Zuspruch erlangten ab den 70er Jahren die geführten Wander- und Städtefahrten des Vereins.

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